Großer Schritt in Richtung personalisierte Medizin: CBmed zum ersten Expert Center ernannt.

Das Wissen, dass nicht jeder Mensch auf jede Therapie gleich reagiert, hat sich in den letzten Jahren verbreitet. Eine personalisierte, maßgeschneiderte Behandlung des einzelnen Patienten möglich zu machen, ist das langfristige Ziel der medizinischen Forschung. Ein wichtiges Forschungsgebiet auf dem Wege dahin ist die Analyse von Biomarkern, das sind biologisch messbare Einheiten wie Enzyme, Hormone oder Gene, gemessen in humanen biologischen Proben. Solche Proben werden mit Zustimmung der Patienten ausgewertet und in Biobanken – wie beispielsweise der Biobank Graz – gesammelt und gelagert. Als Biobank bezeichnet man eine Sammlung von Stoffen, wie Körperflüssigkeiten oder Gewebeproben, mit assoziierten, in Datenbanken verwalteten Daten. In Biobanken werden große Mengen von biologischem Material wie beispielsweise DNA-, Blut- oder Gewebeproben zusammen mit Hintergrundinformationen (z. B. Krankengeschichte oder Lebensumstände bzw. Artidentifizierung, Sammelort etc.) der Spender bzw. Organismen gespeichert. An der Medizinischen Universität Graz werden seit rund 30 Jahren biologische Proben unter qualitätskontrollierten Bedingungen für die Forschung gesammelt.

„Wir wissen heute, dass beispielsweise zielgerichtete Therapien nicht bei allen Patienten gleich wirken. Wenn bestimmte Mutationen als Biomarker nachgewiesen werden, dann führen Therapien nicht zum gewünschten Resultat.“, veranschaulicht Mag. Dr.rer.nat Selma Mautner, zuständig für Forschungsmanagement bei CBmed. „Die von Patienten gespendeten Proben und deren Analyse sind die wertvolle Grundlage für das Verständnis von Krankheiten, hinter denen neben verschiedenen klinischen Merkmalen auch eine Vielzahl unterschiedlicher Pathologien steckt. Darum ist es besonders wichtig, beim Umgang mit diesem Material größte Sorgfalt walten zu lassen. Durch die Einführung von Qualitätskriterien und die Standardisierung der Analyse-Verfahren werden zudem die gewonnenen Daten international vergleichbar gemacht.“

Europaweit vernetzte Forschungsinfrastruktur

Die nötige Infrastruktur für die effiziente Suche nach biologischen Proben für die Biomarkerforschung bietet das Europäische Konsortium BBMRI-ERIC, gegründet 2013 ist es heute die größte wissenschaftliche Infrastruktur für Gesundheit in Europa. Aktuell hat BBMRI-ERIC 19 Mitgliedsstaaten – darunter auch Österreich, das einen erheblichen Anteil zum Aufbau dieser Infrastruktur leistete, um eine methodische Plattform für die Zusammenarbeit der europäischen Biobanken zu entwickeln. Diese Kooperation ermöglicht den Partnern den Zugang zu biologischen Ressourcen, sowie zu biomedizinischen Einrichtungen, eine effiziente und exzellente biomolekulare und medizinische Forschung zu unterstützen. Das „Center For Biomarker Research In Medicine“ in Graz (CBmed GmbH) vernetzt die wissenschaftliche Expertise von beispielsweise den Medizinischen Universitäten in Graz und Wien mit innovativen Technologien international führender Pharma-, Diagnostik- und medizintechnologischer Unternehmen, um in Zukunft die Diagnose und Behandlung von Krebs, Stoffwechselerkrankungen und Entzündungen zu verbessern. Die Auszeichnung als „BBMRI-ERIC Expert Centre – Trusted Partner“ bedeutet auch für zukünftige Partner die Sicherheit, dass die Auswertung etwaiger Proben in den Laboren der CBmed unter strengen Qualitätskriterien erfolgt. Weiterer Vorteil: „Das Verschicken von medizinischen Proben gestaltet sich schwierig, da durch Transportbedingungen wie etwa Temperaturschwankungen die Qualität des Materials leiden kann, wodurch sich dann auch die Ergebnisse verfälschen. Wenn allerdings sichergestellt ist, dass nach den gleichen Qualitätskriterien und Maßstäben bei Auswertung und Erhebung vorgegangen wird, dann genügt es, die Analysen in nur einem Expert Centre durchführen zu lassen und lediglich die fertig erhobenen Daten zu verschicken. Das bedeutet eine enorme Erleichterung und Beschleunigung des Prozesses“, erklärt Mautner.

Subtypen von Krankheiten verstehen und auflösen

Unter Stratifizierung versteht man die Auflösung einer Krankheit – wie beispielsweise Brustkrebs – in verschiedene Subtypen, für die jeweils unterschiedliche Behandlungsmethoden nötig sind. Je genauer der jeweilige Subtyp charakterisiert werden kann, desto gezielter kann man für diese Subtypen Therapien entwickeln. Hunderte Biobanken in Europa und auf der ganzen Welt stellen ihre Daten auf Anfrage Partnern in Forschung und Medizin zur Verfügung, um diese Typen zuverlässig zu identifizieren. Je größer die Stichprobe, desto höher die Chance, relevante Subgruppen von Patienten präzise zu identifizieren und desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, statistische Mustern zu erkennen. Durch die Zusammenarbeit der einzelnen Biobanken in Europa vergrößert sich die Menge des verfügbaren Datenmaterials, wodurch auch die Entwicklung der personalisierten Medizin voranschreitet.

An der Medizinischen Universität Graz werden seit rund 30 Jahren biologische Proben unter qualitätskontrollierten Bedingungen für die Forschung gesammelt. Der Pathologe Univ.-Prof. Dr. Kurt Zatloukal, Leiter des österreichischen Knotens BBMRI.at, war maßgeblich an der Entstehung von BBMRI-ERIC beteiligt. Graz hat eine führende Rolle im internationalen Biobanken-Umfeld und beheimatet die Zentrale der europäischen Infrastruktur BBMRI-ERIC.

CBmed strebt international führende Position in Biomarkerforschung an

Die Vision von CBmed ist es, sich bis zum Jahr 2030 als ein weltweit führendes Zentrum für Biomarkerforschung im Bereich der personalisierten Medizin für Krebs, Stoffwechsel und Entzündungen zu positionieren. Dies soll durch die Kombination innovativer Technologien mit international vernetzter Forschungs-Kompetenz erzielt werden. Zusammen mit wissenschaftlichen und industriellen Partnern werden Lösungen und Produkte für die Versorgung und Heilung von Patienten entwickelt.

CBmed wird im Rahmen des „COMET“ Programmes gefördert und verbindet auf ideale Weise lokale Forschungs-Kompetenz mit internationalen Spitzenunternehmen. Das Forschungszentrum verfügt in der ersten Förderperiode von 2015 bis 2018 über ein Forschungsbudget von 17,4 Millionen Euro. Bereits im ersten Jahr des Bestehens haben sich 34 internationale Industrie- und 23 internationale wissenschaftliche Partner dem Konsortium angeschlossen. Derzeit gibt es sechs Core Labs, davon vier in Graz und zwei in Wien. Ziel dieser Zentren ist die Verbindung von exzellenter Forschungsinfrastruktur und wissenschaftlicher Kompetenz mit nationalen und internationalen Unternehmen zur systematischen Biomarkerforschung in der Medizin.

CBmed GmbH (Zentrum für Biomarkerforschung in der Medizin)
 CBmed, ein K1-Kompetenzzentrum, verbindet exzellente Forschungsinfrastruktur, wissenschaftliche Kompetenz, medizinisches Fachwissen, nationale und internationale Unternehmen für eine systematische Biomarkerforschung in der Medizin.
 CBmed vernetzt wissenschaftliche Expertise mit führenden Pharma-, Diagnostik-, medizintechnologischen- und IT-Unternehmen. Die Forschungsprojekte von CBmed werden neue Biomarker identifizieren, Biomarkerkandidaten validieren und transnationale Biomarkerforschung für die klinische Anwendung betreiben.
 CBmed entwickelt Biomarker, welche leicht anwendbar, gezielt sowie minimalinvasiv sind und für eine bessere Diagnose, bessere Therapiekontrolle und für eine personalisierte Behandlung von Patienten eingesetzt werden können.
 Die Projekte von CBmed streben die Entwicklung leicht einsetzbarer, gezielter sowie minimalinvasiver Biomarker für eine bessere Diagnose, bessere Therapiekontrolle und für eine personalisierte Behandlung von Patienten an.
 Unsere Vision ist es, bis zum Jahre 2030 das weltweit bekannteste Zentrum für Biomarkerforschung im Bereich der personalisierten Medizin zu werden. Dies wird durch die Kombination innovativer Technologien mit internationaler und interdisziplinärer Kompetenz in den Bereichen Krebs, Stoffwechsel und Entzündung erzielt. Zusammen mit unseren wissenschaftlichen und industriellen Partnern werden wir Lösungen und Produkte für die Versorgung und Heilung von Patienten entwickeln.

Kontakt:
Center for Biomarker Research in Medicine
Stiftingtalstraße 5
8010 Graz
office@cbmed.at
+43 316 385 28801

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