Großer Erfolg für InfectControl 2020

Infektionskrankheiten sind auch heute noch weltweit die Todesursache Nummer eins. In den Enwicklungs- und Schwellenländern fordern vor allem altbekannte Erreger, für die es keine preiswerte, einfach anwendbare Therapie gibt, Jahr für Jahr Millionen Opfer. In den Industriestaaten dagegen bereiten resistente Keime die größten Probleme. Sie können mit den heute verfügbaren Antibiotika oft nicht mehr wirksam bekämpft werden. Allein in Deutschland sterben jährlich 60.000 Menschen an schweren Infektionen, weltweit sind es 8-10 Millionen. Antibiotikamissbrauch in der Tierzucht, die weltweite Mobilität von Menschen sowie Nichtwissen und mangelnde Hygiene im privaten wie öffentlichen Bereich sind wichtige Ursachen für die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen und neuen Erregern. Der Klimawandel trägt ebenfalls dazu bei, dass Erreger ihre ehemals angestammten Gebiete verlassen und sich weltweit ausbreiten. Neben unfassbarem menschlichem Leid für Betroffene und deren Angehörige haben Infektionskrankheiten auch gewaltige wirtschaftliche Folgen. So liegen allein die Kosten für Krankenhausaufenthalt und medizinische Behandlung bei systemischen Infektionen in Deutschland bei fünf Milliarden Euro jährlich.
Neue Systeme für die schnelle und sichere Diagnose von Infektionen versprechen ebenso wie neue Wirkstoffe zur Behandlung gewaltige Umsatz- und Gewinnmöglichkeiten. Die im Verbund InfectControl 2020 zusammengeschlossenen Partner werden das Problem der Infektionskontrolle daher in seiner gesamten gesellschaftlichen Breite angehen. Neben der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Schnelltests geht es dabei auch um verbesserte Hygienestandards im Krankenhaus und Alltag. Sowohl für öffentliche Bauwerke als auch für den Reiseverkehr sollen neue Konzepte entwickelt werden, die die Einschleppung und Ausbreitung von Erregern bei großen Menschenansammlungen minimieren. Ziel des Konsortiums ist es, eine Partnerschaft zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu etablieren, die es auch erlaubt Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse zu nehmen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Verminderung von Infektionen weiter zu verbessern.
Die nun zugesprochene Förderung kann hierfür nur eine Anschubfinanzierung darstellen. Gemeinsam mit den beteiligten Industriepartnern und neu hinzukommenden Interessenten soll eine Hebelwirkung erzielt werden, die weitaus mehr Gesamtkapital für InfectControl 2020 bereitstellt. Konsortialsprecher Axel Brakhage, Direktor am Hans-Knöll-Institut und Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist hochzufrieden: „Es ist uns gelungen, ein hervorragendes Team aus begeisterten Wissenschaftlern und hochmotivierten Unternehmen zusammenzustellen. Bereits die knapp einjährige Antragsphase war extrem inspirierend und hat uns reichlich neue Ideen und Sichtweisen eröffnet. Die sektorenübergreifende Mischung von international ausgewiesenen Experten und ostdeutschen Unternehmen bündelt ein enormes Fachwissen und ist überaus kreativ. In einer öffentlich-privaten Partnerschaft wollen wir Infektionsforschung und -bekämpfung zu einem Markenzeichen Ostdeutschlands entwickeln. Wir werden so maßgeblich dazu beitragen, in den neuen Ländern hochqualifizierte Arbeitsplätze in einer Wachstumsbranche zu schaffen und eine Industriebranche mit hoher Wertschöpfung nachhaltig weiter zu entwickeln.“
„InfectControl 2020 – Neue Antiinfektionsstrategien – Wissenschaft • Gesellschaft • Wirtschaft“ ist eine von 59 Initiativen, die im Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ des BMBF eingereicht wurden. 19 Initialkonzepte erhielten Gelegenheit, sich am 16. und 17. Juli vor einer Jury in Berlin zu präsentieren, davon erhalten neben InfectControl 2020 neun weitere Konzepte innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Förderung von insgesamt bis zu 500 Millionen Euro. Weitere Informationen zu InfectControl 2020 erhalten Sie auf der Website www.InfectControl2020.de
Das Initialkonsortium InfectControl 2020 wurde bei der Präsentation vor der Gutachterjury von folgenden Kernpartnern vertreten:
Prof. Dr. Axel A. Brakhage, Direktor Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut, Jena, Sprecher des Konsortiums; Prof. Dr. Reinhard Burger, Präsident Robert-Koch-Institut, Berlin; Prof. Dr. Michael Hecker, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Jena; Eugen Ermantraut, Geschäftsführer Alere Technologies GmbH, Jena; Dr. Jens Fuhrmann Project Portfolio Manager, Thermo Fisher, B•R•A•H•M•S GmbH, Hennigsdorf; Prof. Dr. Jürgen Graf, Leitender Arzt Medizinischer Dienst Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt; Regina Hanke, Leitung Design, Lindgrün GmbH, Berlin.

Informationen zum HKI (www.hki-jena.de)
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen jeweils vier Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten mehr als 300 Menschen am HKI, darunter 110 Doktoranden.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft (www.leibniz-gemeinschaft.de)
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Wissenschaftscampi -, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

Ansprechpartner
Dr. Michael Ramm
Wissenschaftliche Organisation
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e.V.
– Hans-Knöll-Institut –
Beutenbergstrasse 11a
07745 Jena
+49 3641 5321011 (T)
+49 1520 1848494 (M)
+49 3641 5320801 (F)
michael.ramm@hki-jena.de
Presseservice: pr@hki-jena.de
http://www.presse.hki-jena.de
http://www.InfectControl2020.de

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