Greifswalder Sozialmediziner für Arbeit zur computergestützten Beratung von Rauchern geehrt

Rund 140 internationale Forscher hatten diese Publikation in einer Internetabstimmung zur führenden wissenschaftlichen Originalarbeit der sogenannten Implementationsforschung des Jahres 2012 gewählt.

Privatdozent Dr. Christian Meyer und sein Team haben herausgefunden, dass ein hochintelligentes Computersystem alle Raucher auf dem Weg zum Rauchstopp unterstützen kann, gleichgültig, ob sie aktuell aufhören wollen oder nicht. Durch geschickte Ansprache der unterschiedlichen Motivationslagen der Raucherinnen und Raucher gelang es, mit dem Computer-Expertensystem nahezu jeden fünften Raucher langfristig zum Aufhören zu bewegen. Vor dem Hintergrund das die überwiegende Mehrzahl der rauchenden Patienten bei Erstkontakt nicht gewillt war, ist dies ein beachtlicher Erfolg.

Eine wichtige Frage, die die Forscher klären wollten, lautete: Wie viele Arztpraxen wenden das System auch wirklich an, wenn die Forscher abgereist und keine Systementwickler mehr anwesend ist? Die Wissenschaftler konnten durch repräsentative Zufallsauswahl 151 Allgemeinarztpraxen in Vorpommern gewinnen, an der Studie teilzunehmen. Ein Teil von ihnen erhielt das System, ein Teil nicht.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Arztpraxen mit dem Computer-Expertensystem besonders viele Patienten (1425) zusätzlich berieten. Die Zahl der Beratungen zum Beenden des Tabakrauchens konnte mit Hilfe des Expertensystems um 215 Prozent gesteigert werden im Vergleich zu einer Gruppe von Arztpraxen, in denen die Patienten nur mündlich vom Arzt beraten wurden.
Hinsichtlich der Aufhörraten erwies sich die Kombination aus computergestützter und persönlicher Beratung durch den Arzt als besonders effektiv. Die Arbeit zeigt deutlich, dass sehr viele Arztpraxen bereit sind, die besondere Beratung zu übernehmen und dass es so möglich ist, bei geringen Kosten in Arztpraxen einen hohen Anteil der rauchenden Bevölkerung zu erreichen. Das sind wichtige Elemente im Nachweis der Wirksamkeit von Prävention.

Forschung zur Implementation, das heißt zur Einführung von Verfahren der Prävention in die medizinische Routineversorgung ist ein noch sehr junges Gebiet in der medizinischen Prävention, die ohnehin in Deutschland ein Stiefmütterchen Dasein fristet. Bei Implementationsforschung werden Innovationen auch in Hinblick auf die Bedürfnisse bei der Anwendung in medizinischen Einrichtungen oder Organisationen untersucht.
Am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin wird seit mehreren Jahren an der Entwicklung dringend benötigter arztentlastender Systeme gearbeitet, die es ermöglichen, trotz hoher Auslastung der Arztpraxen Beratungsleistungen zum Rauchstopp zu erbringen. Dabei motivieren sie vor allem Menschen, mit dem Rauchen aufzuhören, die noch nicht an diesen Schritt gedacht haben oder ihn noch nicht gehen wollen.
Tabakrauchen gilt weltweit als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Es verursacht oder beeinflusst nahezu jeden fünften Todesfall. Rauchen führt zu vielen vermeidbaren Folgekrankheiten, deren Behandlung zusätzliche und nicht unerhebliche Kosten für das Gesundheitswesen verursachen.

Die Forscher bedanken sich für die Unterstützung der Mitarbeiter in den Arztpraxen. Sie haben damit einen großen Anteil am Erfolg der wissenschaftlichen Studie. Zugleich haben sie deutlich mehr Raucher dazu bewegen können, im Interesse der eigenen Gesundheit mit dem Rauchen aufzuhören.

Weitere Informationen

The RE-AIM Original Research Article of the Year 2012 ():
Meyer C, Ulbricht S, Gross B, Kästel L, Wittrien S, Klein G, Skoeries B, Rumpf H-J, John U: Adoption, reach and effective-ness of computer-based, practitioner delivered and combined smoking interventions in general medical practices: A three-arm cluster randomized trial. Drug Alcohol Depend 2012, 121(1):124-132.

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Ansprechpartner an der Universität Greifswald
PD Dr. Christian Meyer
Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin
Walther-Rathenau-Straße 48, 17475 Greifswald
Telefon 03834 86-7723

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