Greifswalder Neugeborenenstudie liefert wertvolle Erkenntnisse für den Start ins Leben

Der Projektleiter und Leiter der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin im Eltern-Kind-Zentrum der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Matthias Heckmann (Foto), richtete die Bitte an die Eltern, die Studie zur gesundheitlichen Situation von Neugeborenen durch eine Teilnahme aktiv zu unterstützen. „Die Ergebnisse der Studie sollen auch künftig dazu beitragen, sowohl die fachübergreifende Betreuung von Schwangeren als auch die Gesundheitsvorsorge für Kinder in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu verbessern“, so der Kinderarzt und Wissenschaftler.

Wie wirken sich soziale Faktoren auf die Entwicklung des Kindes aus, welches Verhalten fördert die Gesundheit der Kinder, was für Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll und wie können erblich bedingte Gefährdungen rechtzeitig erkannt werden? Das sind nur einige von vielen Fragestellungen, für die die SNiP-Studie wertvolle Erkenntnisse liefern soll. „Schon die wissenschaftliche Analyse der von 2003 bis 2008 untersuchten 6.800 Neugeborenen hat zahlreiche Empfehlungen für neue Behandlungs- und Vorbeugekonzepte für die Gesundheit hervorgebracht“, so die Studienärztin Dr. Anja Lange. „So konnte beispielsweise der Nutzen der vorsorgliche Ultraschalluntersuchung der Nieren zur frühzeitigen Diagnostik angeborener Fehlbildungen der Harnwege aufgezeigt werden. Ein weiterer Schwerpunkt lag in neuen innovativen Präventionsprogrammen, um gesundheitsgefährdende Einflüsse in der Schwangerschaft zu vermeiden und das Wohlbefinden für Mutter und Kind zu erhöhen.“

In der Folgestudie SNiP II wird der Fragestellung des Stillverhaltens, der Stillhäufigkeit und die Dauer des Stillens bei den Geschwisterkindern ein besonderes Augenmerk eingeräumt. Untersuchungsgegenstand ist ferner die Häufigkeit der Teilnahme der Schwangereren an Vorsorgeuntersuchungen, vor allem wenn diese von den Frauen selbst finanziert werden müssen. „In der Studie werden gleichzeitig mütterliche und kindliche Faktoren mit Blick auf Neugeborenenerkrankungen erfasst, die ansonsten eher getrennt betrachtet werden“, unterstrich Frau Dr. Lange den innovativen Ansatz der wissenschaftlichen Langzeitstudie. „Eine wesentliche Rolle spielt auch die bessere Betreuung von chronisch kranken Frauen in der Schwangerschaft.“

Was erwartet die Mütter im Rahmen der Studie SNiP II?

Die Universitätsmedizin hält umfangreiches Informationsmaterial für Familien, die ein Kind erwarten, bereit. Darüber hinaus wird in persönlichen Gesprächen über die Inhalte der Studie aufgeklärt und auf Nachfragen eingegangen. Die Eltern werden anschließend gebeten in einem Gespräch Auskunft über Ihren Gesundheitszustand und den Schwangerschaftsverlauf zu geben und im Anschluss einen Fragebogen auszufüllen. Dabei geht es unter anderem um Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Angaben zum Haushalt und weiteren Familienmitgliedern, Vorerkrankungen und den Schwangerschaftsverlauf sowie eventuelle Komplikationen.

Der medizinische Zustand der Neugeborenen wird auf Basis der routinemäßig durchgeführten Vorsorgeuntersuchungen (U1/U2) erfasst. Bestandteil der Studie ist die Entnahme von Gewebeproben, zum Beispiel aus der Nabelschnur, für genetische Analysen. Diese dienen vor allem zum Nachweis von Infektionskrankheiten im Mutterleib und Erbkrankheiten, die die Neugeborenenperiode betreffen. Das Neugeborenenregister wird auch als Daten-Pool für weiterführende Untersuchungen genutzt. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Alle erhobenen Daten werden verschlüsselt und anonymisiert gesichert.
„Die Studie SNiP II ist sehr gut angelaufen“, betonte der verantwortliche Studienleiter, Prof. Matthias Heckmann. „Unser Bestreben ist es erneut, eine hohe Teilnahmequote wie bei der ersten Welle mit fast 95 Prozent zu erreichen. Die hohe Beteiligung sichert unseren wissenschaftlichen Teams optimale Bedingungen für die Forschung. Gesunde Neugeborene und glückliche Familien sind ein lohnenswertes Ziel für eine Unterstützung“, so Heckmann. Der Mediziner machte deutlich, dass so eine umfangreiche Studie nur aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit der Kliniken Wolgast, Anklam und Greifswald mit deren Hebammen, Kinderschwestern, Wöchnerinnenstationen und Kinderabteilungen möglich ist.

HINTERGRUND
Die Neugeborenenstudie SNiP wurde 2002 als bevölkerungsbezogene Erhebung in Greifswald und im damaligen Landkreis Ostvorpommern unter Einbeziehung aller Entbindungseinrichtungen und Kinderkliniken (Greifswald, Wolgast, Anklam) gestartet. Bis Ende 2008 wurden über 6.800 Neugeborene mit ihren Gesundheitsdaten in die Studie der Community Medicine aufgenommen. Seit Anfang 2013 läuft die Nachfolgestudie SNiP II. Die SNiP-Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Angeborene Erkrankungen, insbesondere Fehlbildungen, Frühgeburtlichkeit und Wachstumsminderung gehören zu den häufigsten Ursachen einer medizinischen Betreuung im Neugeborenenalter. Ein Teil der Erkrankungen ist erbbedingt oder wird durch mütterliche Erkrankungen während der Schwangerschaft hervorgerufen. Einbezogen werden auch äußere Einflüsse wie physikalische oder chemische Faktoren, so zum Beispiel Umweltbelastungen und Medikamente in der Schwangerschaft, sowie die Lebensbedingungen der Eltern. Bei über 60 Prozent der betroffenen Kinder ist die Ursache für die Erkrankung aber völlig unklar. Besonders über das Zusammenspiel zwischen äußeren Einflüssen und genetischer Veranlagung ist nur sehr wenig bekannt.

Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin
Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
Leiter: Prof. Dr. med. Matthias Heckmann
T +49 3834 86-64 21
E matthias.heckmann@uni-greifswald.de
Studienärztin :Dr. Anja Lange
T +49 3834 86 19 889
E anlange@uni-greifswald.de
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