GPA verleiht „Förderpreis Pädiatrische Allergologie“ und erstmal die „Lucie Adelsberger Medaille“

Lucie Adelsberger Medaille
Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. (GPA) hat im Jahr 2015 erstmals die Lucie Adelsberger Medaille verliehen. Der Preisträger, Prof. Dr. Radvan Urbanek, Freiburg, ist einer der Gründer der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Allergologie Süd. Die AG ist einerseits eine trinationale Vereinigung mit Mitgliedern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, andererseits ein wichtiges Fundament der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie.
Urbanek wird den Anforderungen, die den Trägerinnen und Trägern der Lucie Adelsberger Medaille gestellt sind, in besonderer Weise gerecht. Er hat sich nicht nur, um die Forschung und die allergologische Krankenversorgung verdient gemacht, er ist auch ein hervorragender Lehrer. Er ist ein mitreißendes Vorbild, auch jetzt noch, da er seit 2006 wieder in der Allergie- und Pneumologie-Ambulanz des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg als Arzt, Berater und Ausbilder tätig ist.

Urbanek wurde am 20. November 1943 in Prag geboren, wo er auch Medizin studierte und promovierte; 1971 erlangte er den Facharzt für Kinderheilkunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dort hat er sich 1980 habilitiert über „Immunologische Untersuchungen bei Allergien im Kindesalter“ – mit einem wesentlichen Fokus auf der Insektengift-Allergie. Wissenschaftlich hat er 1983/1984 mit einem Forschungsaufenthalt im Guy‘s Hospital in London nochmals seinen immunologischen Horizont erweitert. 1990 wurde er auf den „Clemens von Pirquet-Lehrstuhl“ der Universitäts-Kinderklinik Wien berufen. Neben der Leitungsaufgabe der großen Abteilung für Allgemeinpädiatrie hat er sich dort auch stets hochengagiert mit der Allergologie und Pneumologie beschäftigt.

Lucie Adelsberger
Lucie Adelsberger wurde am 12. April 1895 in Nürnberg als erstes von drei Geschwistern geboren. Nach dem Abitur am 14. Juli 1914 begann sie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Medizin und im Nebenfach Naturwissenschaften zu studieren. Nach dem Staatsexamen 1919 begann Lucie Adelsberger mit ihrem Praktischen Jahr, promovierte und erlangte 1925 und 1926 die Facharztspezialisierungen für Innere Medizin und Kinderheilkunde. Gleichzeitig war sie wissenschaftlich tätig und befasste sich vor allem mit den verschiedenen Formen der allergischen Überempfindlichkeit beim Menschen.
1925 eröffnete Lucie Adelsberger eine Praxis in Berlin und arbeitete als Internistin und Kinderärztin mit dem Schwerpunkt allergische Krankheiten. In den Folgejahren erschienen zahlreiche Publikationen, Lucie Adelsberger wurde zudem Mitglied einer neu gegründeten Forschungsgruppe am Robert Koch-Institut und leitete dort zusammen mit Hans Munter die Beobachtungsstelle für Überempfindlichkeitsreaktionen. Beide wurden am 31. März 1933 entlassen, am 22. April 1933 verlor Lucie Adelsberger, wie alle nichtarischen Ärzte, ihre Zulassung bei den Krankenkassen. Im Frühjahr und Sommer 1938 hielt Adelsberger sich an der Harvard-University in Boston auf, konnte aber weder dort noch einige Monate später in London bleiben und arbeiten.
Am 30. September 1938 wurde allen jüdischen Ärztinnen und Ärzten die Approbation entzogen. Am 17. Mai 1943 wird Lucie Adelsberger mit dem „38. Osttransport“ von Berlin nach Auschwitz deportiert. Sie wird dort als Ärztin der Kinder im Zigeunerlager und im Frauen-Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eingesetzt. Sie übersteht den berüchtigten Rückmarsch in das KZ Ravensbrück. Am 2. Mai 1945 wird sie befreit. In den folgenden Jahren lebte sie zunächst in Amsterdam, arbeitet dann ab 1947 in Kliniken in New York als Ärztin und publiziert zu Themen aus der Allergologie und Immunologie. Am 2. November 1971 stirbt Lucie Adelsberger in New York.

Förderpreis Pädiatrische Allergologie
Preisträgerin des von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA) im Jahr 2015 verliehenen „Förderpreises Pädiatrische Allergologie“, der von dem Nestlé Nutrition Institute und der GPA gemeinsam gestiftet wird, ist Frau Dr. Martina Millner-Uhlemann, Stuttgart. Die Preisträgerin erhält die Auszeichnung für die Initiierung und Durchführung des Projekts „Gräserdschungel“.
Die spezifische Immuntherapie ist die einzige kausale Therapieoption, die zur Behandlung allergischer Erkrankungen zur Verfügung steht. Viele Studien demonstrieren ihre Wirksamkeit und Sicherheit in den unterschiedlichen Applikationsformen. Dennoch existieren bis heute keine Daten zu einem unmittelbaren Vergleich verschiedener Allergenextrakte hinsichtlich deren Wirksamkeit und Sicherheit.
Vor diesem Hintergrund entwickelte und betreut Millner-Uhlemann mit Unterstützung eines Expertenteam aus Kliniken und Praxen, eine firmen- und behandlerunabhängige kontrollierte Anwendungsbeobachtung mit fünf unterschiedlichen Präparaten von fünf Firmen. Auf der Basis der erhobenen Daten können Aussagen zu möglichen Unterschieden zwischen unmodifizierten Allergenextrakten und Allergoiden, zwischen verschiedenen Adjuvanzien sowie unterschiedlichen Therapieregimen getroffen werden. Die Studie befindet sich in der Abschlussphase der Auswertung. Ende des Jahres werden die Ergebnisse erwartet.

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