Darmkrebs

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Darmkrebs – Jährlich erkranken in Deutschland zirka 50.000 Menschen an Darmkrebs. Das Kolorektale Karzinom (CRC) gehört in der westlichen Welt zu den häufigsten Karzinomen. Bei Männern und Frauen ist es der zweithäufigste Krebs (nach Lungen- bzw. Brustkrebs). Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Aktuell gehen in Europa auf das Kolonkarzinom 30 bis 40 Sterbefälle pro 100.000 Einwohner und 10 Sterbefälle auf ein Rektumkarzinom zurück. Die Diagnose Darmkrebs stellt Betroffene und Angehörige vor zahlreiche unbeantwortete Fragen. Darmkrebs kann – rechtzeitig entdeckt – gut behandelt werden. In einem frühen Stadium ist oft eine Heilung möglich. Somit spielt die Früherkennung eine wesentliche Rolle im Hinblick auf die Therapieoptionen. Dank moderner Diagnostik und Therapien konnte die Mortalität in den letzten Jahren gesenkt werden.

Darmkrebs – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

  1. Wie ist unser Verdauungsapparat aufgebaut?
  2. Darmkrebs: Welche Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs gibt es?
  3. Darmkrebs: Welche Maßnahmen umfasst die Früherkennung?
  4. Sendet der Körper Alarmsignale?
  5. Wie wird Darmkrebs diagnostiziert?
  6. Wie wird Darmkrebs therapiert?
  7. Welche Nebenwirkungen kann die Therapie mit sich bringen?
  8. Gibt es neue Therapiestrategien?
  9. Ist eine Tumornachsorge notwendig?
  10. Wo finden Betroffene Hilfe?


1. Wie ist unser Verdauungsapparat aufgebaut?
Alle Speisen und Getränke, die wir im Laufe des Tages zu uns nehmen, werden im oberen Teil des Magen-Darm-Traktes auf die Aufnahme durch den Körper vorbereitet:

  • Durch das Kauen wird die Nahrung im Mund zerkleinert und mit Hilfe des zugegeben Speichels angedaut. Durch die Speiseröhre gelangt die Masse anschließend in den Magen, wo sie weiter aufbereitet wird.
  • Im Zwölffingerdarm wird der Speisebrei durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse so weit zerkleinert, dass eine Aufnahme der Nährstoffe in den Körper ermöglicht wird.
  • Nichtverdauliche Nahrungsbestandteile gelangen in den nahezu eineinhalb Meter langen Dickdarm, wo ihnen bis zu 75% des Wassers entzogen werden. Diese eingedickte Stuhlmasse wird schließlich nach Passage des Mastdarmes ausgeschieden.

Zur weiteren Information Wikipedia: Ablauf der menschlichen Verdauung


2. Darmkrebs: Welche Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs gibt es?
Obwohl die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs bisher nicht eindeutig geklärt werden konnten, kennt man bestimmte Faktoren wie beispielsweise zunehmendes Alter, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch die Veranlagung für Darmkrebs innerhalb von Familien kann vererbbar sein. Dies ist vor allem von Bedeutung, wenn mehrere Verwandte ersten oder zweiten Grades vor dem 45. Lebensjahr an Darmkrebs erkrankt sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass andere Familienmitglieder auch zwangsläufig an Darmkrebs erkranken werden, lediglich das persönliche Darmkrebsrisiko ist erhöht, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind daher zu empfehlen.

Ein weiterer Faktor, der Einfluss auf die Entstehung von Darmkrebs haben kann, ist die Ernährung. Dabei spielen weniger die einzelnen Inhaltsstoffe von Lebensmitteln als viel mehr das Ernährungsverhalten an sich eine entscheidende Rolle. Besonders der Verzehr von Fleischwaren wie Wurst und Schinken erhöhen das Erkrankungsrisiko. Allein durch Änderung der Essgewohnheiten bei deutschen Männern könnten nach Expertenmeinung pro Jahr bis zu 10.000 Dickdarmkrebsfälle vermieden werden.
Empfehlenswert ist eine so genannte ballaststoffreiche Nahrung: Ballaststoffe sind Bestandteile in Lebensmitteln, die vom Körper nicht verdaut werden können, auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt Wasser binden, den Darm füllen und damit dessen Tätigkeit anregen. Schadstoffe, die während der Verdauung entstehen, werden schneller ausgeschieden und haben weniger Zeit, die Darmschleimhaut zu schädigen. Neben Alter, Veranlagung und Ernährung führen auch ein hohes Körpergewicht und regelmäßiges Rauchen zu einer Risikoerhöhung für Darmkrebs.

Checkliste Risikofaktoren:

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3. Darmkrebs: Welche Maßnahmen umfasst die Früherkennung?
Unter dem Begriff Darmkrebs werden Tumore des Dick- und Mastdarmes zusammengefasst. Sie gehören in der Bundesrepublik Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Jährlich wird bei jeweils 35.000 Männern und Frauen die Diagnose Darmkrebs gestellt. Die wichtigste Rolle im Kampf gegen den Darmkrebs spielt nach wie vor die Früherkennung. Experten meinen, dass durch richtig durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen neun von zehn Menschen mit Darmkrebs geheilt werden können. Aus diesem Grund existieren kostenlose Früherkennungsuntersuchungen:

  • Vom 50.-55. Lebensjahr einmal jährlich ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl
  • Im 56. Lebensjahr eine Darmspiegelung
  • Angebot einer zweiten Darmspiegelung frühestens zehn Jahre nach der ersten Untersuchung
  • Für die Versicherten, die keine Darmspiegelung in Anspruch nehmen wollen: ab dem 56. Lebensjahr alle zwei Jahre ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl

Zu dem Stuhltest auf verborgenes Blut ist zu sagen, dass nicht nur Blut aus der Darmschleimhaut zu einer Verfärbung des Testbriefchens führen kann, sondern auch bestimmte Nahrungsmittel wie beispielsweise rote Beete. Sollte ein Stuhltest positiv ausfallen, sollte in jedem Fall eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um die Ursache (Darmkrebs, Polypen, Hämorrhoiden…) zu finden. Eine Wiederholung des Stuhlblut-Testes ist in einem solchen Falle nicht sinnvoll.

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4. Sendet der Körper Alarmsignale?
Treten folgende Beschwerden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden:

  • Veränderte Stuhlgewohnheiten wie beispielsweise plötzlicher Durchfall oder Verstopfung
  • Kolikartige Bauchschmerzen mit Stuhldrang ohne anschließende Stuhlentleerung
  • Blässe oder Blutarmut
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Blutbeimengungen im Stuhl
  • Schleimbeimengung im Stuhl

Die Zeichen für das Vorliegen einer Darmkrebserkrankung können aus der Funktion des Dickdarmes abgeleitet werden. So kann ein Tumor den Weg des Darminhaltes versperren oder den Darm komplett verschließen. Zum Teil starke Schmerzen sind die Folge. Werden die Warnzeichen bei Darmkrebs rechtzeitig beachtet, können heute bis zu 85% der Fälle geheilt werden.

Zur weiteren Information Deutsche Krebsgesellschaft: Symptome bei Darmkrebs

5. Wie wird Darmkrebs diagnostiziert?
Obwohl viele Menschen bei der Verdachtsdiagnose „Krebs“ aus Angst vor ständigen Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten ihre Symptome verdrängen, sollte immer bedacht werden, dass ohne gründliche Diagnostik eine sinnvolle Therapieplanung nicht möglich ist.

Folgende Fragen sollten dabei geklärt werden:

  • Liegt wirklich eine Tumorerkrankung vor?
  • Ist die Erkrankung gut- oder bösartig?
  • Welche Krebsart ist es?
  • Wo ist der Hauptsitz des Tumors?
  • Wie ist der Allgemeinzustand des Patienten?
  • In welchem Krankheitsstadium befindet sich der Patient?
  • Gibt es bereits Metastasen?
  • Welche Behandlungsstrategie ist angebracht?

Zu Beginn der Darmkrebs-Diagnostik steht wie bei jeder anderen Erkrankung die gründliche Erfassung der Krankengeschichte durch den Arzt. Ein vertrauensvolles Arzt- Patienten-Verhältnis ist dabei unerlässlich! Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, die auch eine Austastung des Mastdarmes mit dem Finger umfasst; dabei werden immerhin über die Hälfte der Mastdarmtumore entdeckt. Sollte beim Test auf verborgenes Blut im Stuhl ein positives Ergebnis herauskommen, muss in jedem Fall nach gründlicher Darmreinigung eine Darmspiegelung (Koloskopie) mit eventueller Gewebeentnahme (Biopsie) erfolgen. Sollte sich nach der Darmspiegelung ein Tumor als Ursache der Beschwerden erweisen, können im Computertomogramm die Ausdehnung des Tumors und seine Beziehung zu den Organen in der Nachbarschaft dargestellt werden.

Zur weiteren Information Felix Burda Stiftung: Diagnose Darmkrebs

6. Wie wird Darmkrebs therapiert?
Das Hauptziel jeglicher Therapie bei Darmkrebserkrankungen ist es, den Tumor und eventuelle Tochtergeschwülste durch eine Operation vollständig zu entfernen. Die operative Entfernung eines Tumors stellt die einzige auf Dauer heilende Therapie dar. Dabei ist die Operation umso erfolgreicher, je früher der Krebs erkannt wird. Sollte der Tumor vor der Operation bereits zu einem Darmverschluss geführt haben, lassen die Schmerzen und andere Symptome nach der Operation nach. Meist kann bei der Darmkrebs-Operation der natürliche Darmausgang erhalten werden. Liegt der Tumor jedoch in der Nähe des Afters, muss der Schließmuskel mitentfernt werden und ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) angelegt werden.

Vor (präoperativ) oder nach der Operation (postoperativ) erfolgt bei Darmkrebs- Erkrankungen häufig eine Strahlentherapie. Da der Darm sehr strahlenempfindlich ist, muss die Bestrahlungsplanung besonders sorgfältig vorgenommen werden, um die Tumorregion so exakt wie möglich zu erfassen und gleichzeitig das umgebende gesunde Gewebe (vor allem die Blase) zu schonen. Meist wird an vier bis fünf Tagen in der Woche je zehn Minuten bestrahlt. Die gesamte Bestrahlungsserie nimmt dann fünf bis sechs Wochen in Anspruch. Konnten durch die Operation nicht alle Krebszellen entfernt werden, da bereits einige über Lymph- und Blutbahnen im Körper verstreut wurden und Tochterherde gebildet haben, kommt für die Dauer von etwa sechs Monaten eine Chemotherapie zum Einsatz. Bei Darmkrebs- Erkrankungen verbessert eine zusätzlich zur Operation durchgeführte Strahlen- und Chemotherapie die Heilungsrate um 20 bis 30%.

Zur weiteren Information
Universität Bonn: Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs
Medizin-Aspekte: Gute Chancen zur Heilung bei Darmkrebs

7. Welche Nebenwirkungen kann die Therapie mit sich bringen?
Bei den Nebenwirkungen werden akute, das heißt solche, die bereits in den Wochen während der Therapie auftreten, von Spätreaktionen, die erst nach der Behandlung auftreten, unterschieden. Bei der Strahlentherapie kommt es häufig zu Symptomen wie Durchfall oder Bauchschmerzen, die einer Magen-Darmgrippe ähneln. Auch Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen kann vorkommen. Vor allem im Dammbereich kommt es häufiger zu Hautreizungen- eine gute Hautpflege ist daher zu Zeiten der Strahlentherapie besonders wichtig. Hautreizende Seifen, Frottieren, Anwendungen von Alkohol, Kölnisch Wasser, Pflaster, warmer oder heißer Umschläge, Höhensonne, sowie scheuernde Kleidungsstücke sollten in dieser Zeit vermieden werden. Bei Männern kann die Zeugungsfähigkeit, nicht jedoch die Potenz, reduziert werden, bei Frauen kann die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt werden, was zu Wechselsjahr-Symptomen führen kann.

Um die Strahlentherapie besser vertragen zu können, sollte man:

  • nur Schonkost zu sich nehmen, also kein rohes Obst und Gemüse, fette oder scharfe Speisen
  • bei Durchfall ausreichend trinken und Elektrolyte zu sich nehmen
  • weit geschnittene Baumwollunterhosen tragen
  • Sitzbäder mit Kamille durchführen
  • Aufhören zu rauchen, da Nikotin die Durchblutung des Körpers verschlechtert und dadurch die Wirksamkeit der Strahlentherapie reduziert.

Auch bei der Chemotherapie kann es zu belastenden Nebenwirkungen kommen:
So wird durch die Reaktion des Knochenmarks die Blutzellproduktion verändert, was durch eine Reduktion der weißen Blutkörperchen zu Infektionen führen kann. Auch Blutarmut und eine vermehrte Blutungsneigung können die Folge sein.

Wichtig ist, dass bei laufender Chemotherapie auftretendes Fieber, Schüttelfrost oder andere Anzeichen einer Infektion umgehend mit einem Arzt besprochen werden! Um die häufigsten Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Haarausfall) vermeiden zu können, kann man:

  • Speisen und Getränke zu sich nehmen. Die man gerne hat
  • den Tisch schön decken, da das Auge bekanntlich mitisst
  • saure und fette Speisen meiden, da diese den Magen reizen
  • alles ausprobieren, worauf man Lust hat
  • kalte Gerichte zu sich nehmen, wenn man sich von dem Geruch der Speisen gestört fühlt
  • die vorübergehende Haarlosigkeit mit einer Perücke überbrücken

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8. Gibt es neue Therapiestrategien?
Immuntherapie:
Da ein funktionierendes Abwehrsystem für die Kontrolle von Tumorerkrankungen allgemein anerkannt ist, steht die Stärkung des Immunsystems nach der Operation im Zentrum des weiteren Behandlungsvorgehens. Dabei kann eine ausgewogene Ernährung, seelische Ausgeglichenheit sowie körperliche Aktivität hilfreich sein.

Neue Studien beschäftigen sich mit der Wirksamkeit so genannter monoklonaler Antikörper gegen Darmkrebszellen, des Einsatzes von Signalstoffen und einer Tumorimpfung, bei der Patienten veränderte Tumorzellen zugeführt werden, um das körpereigene Abwehrsystem zu stärken.

Gentherapie:
Eine Gentherapie bei Darmkrebs, bei der Patienten normale Gene an die Stelle veränderter Gene in den Krebszellen eingeführt werden, um auf diese Weise die Krebszellen zu „normalisieren“ oder einer Therapie zugänglich zu machen, steckt noch in den Kinderschuhen, ist jedoch erfolgsversprechend.

Überwärmung (Hyperthermie):
Die Wirksamkeit der „Überwärmung“, bei der die Körperregion, in der sich der Tumor befindet, auf Temperaturen von bis zu 44 Grad erwärmt wird und anschließend mit einer Chemotherapie behandelt wird, ist derzeit noch Gegenstand mehrerer Studien. Hintergrund dieser Therapie ist die Tatsache, dass Tumorzellen im Gegensatz zu gesunden Körperzellen um einiges temperaturempfindlicher sind.

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9. Ist eine Tumornachsorge notwendig?
Ist die Operation und/oder Strahlen- und/oder Chemotherapie geschafft, beginnt die Phase der Tumornachsorge. Diese hat zum Ziel, rechtzeitig zu erkennen, wenn die Krankheit wieder auftritt (Tumorrezidiv), Begleit- oder Folgeerkrankungen festzustellen, sowie Hilfe bei jeglichen physischen, psychischen und sozialen Problemen zu sein. Wichtig ist dabei, dass die Tumornachsorge von einem Arzt mit Spezialisierung auf Krebserkrankungen durchgeführt wird, dass alle wichtigen Informationen zwischen der Klinik und dem Nachsorgearzt ausgetauscht werden und dass die Nachsorgetermine von den Patienten pünktlich wahrgenommen werden.

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Felix Burda Stiftung: Nachsorge Darmkrebs


10. Wo finden Betroffene Hilfe?


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