Verstopfung

Verstopfung (Opstipation). Bei Obstipation (Verstopfung, Darmträgheit) ist die Darmentleerung erschwert, unvollständig, oder sie erfolgt zu selten. Eine chronische Verstopfung kann durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr, mangelnde Bewegung oder jahrelange Zufuhr von Abführmittelnführen. Deshalb sind ausreichendes Trinken, eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung wichtig.

Verstopfung – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

  • Verdauung – Wie funktioniert sie
  • Stuhlgang – wie häufig ist normal
  • Verstopfung – was ist eine Obtipation genau
  • Was ergibt sich aus dem Nahrungsweg?
  • Welche Ursachen gibt es für eine Verstopfung?
  • Was sind Anzeichen und Folgen der Verstopfung?
  • Was kann einer Verstopfung vorbeugen?
  • Wie wirken Abführmittel?
  • Was sind Nebenwirkungen von Abführmitteln?
  • Wo finden Betroffene Hilfe?

1. Verdauung – Wie funktioniert sie
Speisen und Getränke gelangen nach der Nahrungsaufnahme und gründlichem Kauen über den Mund in den Magen, wo sie zerkleinert werden. Anschließend werden sie portionsweise an den Dünndarm abgegeben. Dort werden Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Mineralstoffe vor allem in den oberen Abschnitten in den Körper aufgenommen und gelangen ins Blut. Die übrigen unverdaulichen Nährstoffe, beispielsweise Ballaststoffe, münden mit Verdauungssäften aus Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Galle vermischt in den Dickdarm. Dies sind täglich rund 1.5-2 Liter, die zunächst in den rechten Dickdarm gelangen und dort bis zu zwei Tagen verweilen. Während dieser Zeit werden Wasser und wichtige Mineralstoffe entzogen, die an den Organismus abgegeben werden. Dadurch wird der Darminhalt zunehmend eingedickt, es entsteht schließlich Stuhl. Nach einer eingenommenen Mahlzeit wird der Stuhl nun über den querverlaufenden in den linken Darm geschoben und weiter eingedickt. Gelangt er in den Enddarm, wird der Stuhldrang ausgelöst und die Entleerung des Darms kann stattfinden.

2. Stuhlgang – wie häufig ist normal
Die weit verbreitete Meinung, dass täglich eine Stuhlentleerung notwendig ist, wird von Ärzten nicht geteilt. Wer nur alle zwei bis drei Tage auf Toilette gehen kann, ist demnach nicht unbedingt krank. Da eine ballaststoffarme Nahrung in der Regel länger im Darm verweilt als eine ballaststoffreiche Nahrung mit viel Flüssigkeit, verweilt die Nahrung je nach Zusammensetzung unterschiedlich lang im Darm. Niemand braucht eine Vergiftung zu befürchten, wenn der Stuhlgang drei Tage ausbleibt. Von Verstopfung spricht der Arzt, wenn die Darmentleerung seltener als dreimal pro Woche erfolgt und mit erheblichen Beschwerden wie zum Beispiel Bauchschmerzen und Blähungen verbunden ist. Da jedoch jeder Mensch eine eigene Vorstellung von Wohlbefinden hat, ist für den einen die tägliche Stuhlentleerung normal, für den anderen ist es ausreichend, alle zwei bis drei Tage Stuhlgang zu haben.

3. Verstopfung – was ist eine Obstipation genau
Da dem Nahrungsbrei im Dickdarm Wasser entzogen wird, indem er von der Wandmuskulatur gründlich durchgeknetet wird, wird bei verzögertem Transport der Nahrungsbrei zu stark bearbeitet und eingedickt. Als Folge wird der Stuhl härter und der Transport in den Enddarm schwieriger. Je mehr nichtverdauliche Pflanzenfasern (Ballaststoffe) die Nahrung enthält, desto höher wird das Stuhlvolumen und desto geschmeidiger bleibt der Stuhl, desto schneller wird er vorwärts bewegt, eingedickt und ausgeschieden. Um den Effekt der Ballaststoffe zu nutzen, der darin besteht, reichlich Flüssigkeit binden zu können, ist es erforderlich, täglich zwei Liter zu trinken.Ein häufiger Grund für den verzögerten Transport stellen ballaststoffarme Nahrungsmittel wie zum Beispiel Weißmehl, Pudding und Soßen, Süßigkeiten, Fleisch, Wurst und Käse dar. Außerdem haben psychische, emotionale und Umweltfaktoren Einfluss auf die Darmfunktion, da diese durch das vegetative Nervensystem beeinflusst wird, das nicht vom eigenen Willen zu steuern ist. So kann es bei Ortswechseln wie zum Beispiel bei Reisen oder bei Schwangerschaft zu Verstopfung kommen. Und selbstverständlich spielen in unserer hektischen Zeit auch Bewegungsmangel und psychische Faktoren eine bedeutende Rolle. Ist der Stuhlgang krankhaft verlangsamt und verdickt, kommt es zur chronischen Verstopfung, der Obstipation.

Ursachen einer Verstopfung (Obstipation)

  • Bewegungsmangel
  • Falsche Ernährungsgewohnheiten
  • Ernährungsumstellungen
  • Psychische Faktoren
  • Alterungsprozesse
  • Genetische Faktoren
  • Krankheiten

4. Was ergibt sich aus dem Nahrungsweg?
Pro Tag nehmen wir etwa ein Kilogramm Nahrung und zwei Liter Getränke zu uns.

Verweildauer der Nahrung:

  • Mundhöhle – Sekunden
  • Speiseröhre – Sekunden
  • Magen – ein bis vier Stunden
  • Dünndarm – zwei bis acht Stunden
  • Dickdarm – zehn bis vierzig Stunden

Gesamtdauer – dreißig bis hundert Stunden
Stuhl-Volumen 100-200 Gramm

Bei der Nahrungsaufnahme sollte darauf geachtet werden, dass gründlich gekaut, zu jedem Essen reichlich getrunken und ballaststoffreiches, salzarmes Essen bevorzugt wird. Die Art der aufgenommenen Nahrung sollte sich im günstigsten Fall nach dem Ernährungsdreieck des VFED e. V. (Verband für Ernährung und Diätetik e. V.) richten:

  • Wenigstens vier Portionen kohlenhydratreicher Kost, wie zum Beispiel Brot, Nudeln oder Reis
  • Wenigstens drei Portionen Gemüse
  • Wenigstens zwei Portionen Obst
  • Höchstens ein bis zwei Portionen fettarme Milchprodukte
  • Höchstens ein bis zwei kleine Portionen fettarme Fleisch- und Fischprodukte
  • Sparsamer Umgang mit Alkohol, Zucker, Öl, Butter und Margarine

Außerdem sollte auch auf die Flüssigkeitszufuhr geachtet werden (VFED- Trinksäule):

  • Vier Tassen Tee oder Kaffee – 600 Milliliter
  • Ein Glas fettarmes Milchprodukt (zum Beispiel Buttermilch) – 200 Milliliter
  • Ein großes Glas Fruchtsaft – 250 Milliliter
  • Ein großes Glas Gemüsesaft (zum Beispiel Tomatensaft) – 250 Milliliter
  • Eine Flasche Mineralwasser – 700 Milliliter

5.) Welche Ursachen gibt es für eine Verstopfung?
Narben im Darm, die durch Entzündungen entstehen können oder Wandverdickungen, beispielsweise durch einen Darmtumor, sind häufige Ursachen von Verstopfungen. Aber auch auf grund anderer Erkrankungen, die nichts mit dem Darm direkt zu tun haben, wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse oder ein langjährig schlecht eingestellter Diabetes, können zur Verstopfung führen. Diese organischen Ursachen werden in der Regel vom Arzt aufgedeckt, bevor er seine Therapie beginnt. Empfehlenswert ist es, einen Facharzt für Magen-Darm- Erkrankungen, den Gastroenterologen, aufzusuchen.

In vielen Fällen liegen jedoch keine organischen Ursachen für die Verstopfung vor. Mediziner sprechen dann von einer funktionellen Obstipation. Es gibt heute gute Gründe für die Annahme, dass die Hauptursache der funktionellen Obstipation in der tief greifenden Ernährungsumstellung in den hoch entwickelten Industriestaaten liegt: Seit Jahrzehnten nimmt die Kohlenhydrat- und Ballaststoffaufnahme zugunsten der Aufnahme von Fetten, Zucker und Eiweißen immer weiter ab. Um optimal funktionieren zu können, ist unser Darm jedoch auf Kohlenhydrate und Ballaststoffe angewiesen.

Auch eine sitzende Tätigkeit und zu wenig Bewegung wirken sich negativ auf die Darmfunktion aus, da körperliche Bewegung ein wichtiger Reiz für die Pendelbewegung des Darmes darstellt.Medikamente, wie zum Beispiel Säurebinder, Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Eisenpräparate, Schmerzmittel, Wasserausscheider oder der unsachgemäße Gebrauch von Abführmitteln können auch zu Verstopfungen führen.

6. Was sind Anzeichen und Folgen der Verstopfung?
Eine Verstopfung ist für jeden Betroffenen unangenehm. Das Völlegefühl, oft verbunden mit Blähungen oder kolikartigen Schmerzen, bedeutet eine empfindliche Einschränkung der Lebensqualität. Außerdem können durch die Entstehung giftiger Stoffwechselprodukte Kopfschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit entstehen. Auch eine durch einen Überfüllungszustand des Darmes entstehende Appetitlosigkeit kann vorkommen. Als Folge längerer Stuhlverstopfung können Kotsteine, eine Darmentzündung (Divertikulitis) und eine Stuhlinkontinez auftreten. Wichtig ist, dass bei einer neu aufgetretenen Verstopfung immer ein Arzt aufgesucht werden sollte, um ein beginnendes Dickdarmkarzinom auszuschließen.

7. Was kann einer Verstopfung vorbeugen?
Essen Sie mehr Pflanzliches und weniger Tierisches: Mit täglich 500 Gramm Gemüse und Kartoffeln, 250 Gramm Obst (beispielsweise zwei Äpfel) sowie vier Scheiben Vollkornbrot, liegen Sie im grünen Bereich.

Bewegen Sie sich regelmäßig: Tägliche Ausdauerbelastung wie längere Spaziergänge, Schwimmen, Jogging, Walking, Tanzen oder Radfahren führen zu einer geregelten Darmfunktion, einer Verbesserung des Herz- Kreislaufsystems und zu einem gesteigerten Wohlbefinden. Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter: Während Mineralwasser, Säfte und Kräutertees sich günstig auswirken, fördern zu viel Schwarztee oder Kakao eine Verstopfung. Morgens nach dem Aufstehen ein Glas Mineralwasser mit etwas Pflaumensaft hilft dem Darm, in Gang zu kommen. Lassen Sie sich nicht stressen! Üben Sie Entspannung: Folgen Sie dem Stuhldrang und verschieben Sie auch bei Stress im Alltag nicht den Gang zur Toilette. Das Signal hierzu kann nämlich willentlich unterdrückt werden, bis man den Entleerungsdrang nicht mehr spürt. Dadurch bleibt der Stuhl länger im Darm und wird weiter eingedickt. Achten Sie darauf immer auf die Toilette zu gehen, wenn Ihr Darm den Entleerungsdrang meldet.

8. Wie wirken Abführmittel?
Abführmittel sollten nur unter Aufsicht eines Arztes eingenommen werden. Sie wirken nur direkt im Darm, vor allem im Dickdarm. Grundsätzlich wirken sie alle über ähnliche Mechanismen: Sie erhöhen den Wassergehalt des Stuhls und damit das Stuhlvolumen sowie die Stuhlgeschmeidigkeit. Dadurch kommt es zu einem besseren Transport durch den Darm und zu einer vereinfachten Stuhlentleerung. Vor allem pflanzliche Abführmittel wirken, indem sie verhindern, dass im Dickdarm Wasser an den Körper abgegeben wird. Zusätzlich wird dem Körper Wasser entzogen, was günstig für die Stuhlbeschaffenheit ist. Auch Salze und künstliche Zucker können als Abführmittel verwendet werden. Sie wirken, indem Sie Wasser im Dickdarm zurückhalten und zusätzliches hineinziehen. Gleitmittel wie das Glyzerin führen in Form von Zäpfchen dazu, dass der Stuhl gleitfähiger wird. Auch Quellstoffe wie Leinsamen oder Weizenkleie können verwendet werden. Diese fördern den Stuhlgang, indem sie durch Aufquellen im Stuhlbrei Wasser binden und durch ihre unverdaulichen Faserbestandteile die Stuhlmenge erhöhen und den Stuhl geschmeidig halten.

9. Was sind Nebenwirkungen von Abführmitteln?
Da unser Körper zu mehr als 60% aus Wasser besteht, führt ein übermäßiger Wasser- und Mineralienverlust, wie es durch den Gebrauch von Abführmitteln der Fall sein kann, zu weitreichenden Störungen wie Funktionseinbußen der Nieren, des Herzens und der Nerven. Außerdem können zahlreiche Abführmittel die Darmbewegungen derart anregen, dass der Dickdarm auf eigene Steuerungsmechanismen und Signale nicht mehr ausreichend reagieren kann. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, in dem sich eine geringere selbstständige Darmfunktion und höhere Medikamentendosierungen gegenseitig bedingen. In diesem Fall müssen die Abführmittel langsam abgesetzt und eine Umstellung auf eine pflanzenbetonte, flüssigkeitsreiche Ess- und Trinkweise begonnen werden.

10. Wo finden Betroffene Hilfe?
Bei neu aufgetreten Beschwerden sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen zu erforschen. Weitere Hilfestellungen können in der Folge bei Apothekern und dem Verband für Ernährung und Dietätik e. V. gefunden werden.

Verband für Ernährung und Dietätik e. V. (VFED e. V.)

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