Skiunfälle

Frischer Schnee, der Himmel blau … was liegt dem modernen alpinen Menschen näher denn sich Bretter anzuschnallen und mit ihnen einen Hügel hinunterzusausen. Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit beherrschen diese populäre Sportart so gut, dass sie sich als Skifahrer bezeichnen und ihr regelmäßig nachgehen. Im Mittel kommen jedoch auf 1000 meist schöne Skitage 3-5 Verletzungen, so dass wir es hier mit einem recht riskanten Freizeitvergnügen zu tun haben.

1. Hat Skifahren eine historische Bedeutung?
Auf geeigneten Objekten über den Schnee zu rutschen mag ein Vorgangsein, den es schon vor etwa 5000 Jahren gegeben hat. Fischer und Jäger benutzten damals etwa bestimmte tierische Stoßzähne, um sich auf dem Schnee fortzubewegen. Vorläufer moderner Ski, die sich etwa auf das Jahr 2000 v. Chr. datieren lassen, fand man in Skandinavien und Sibirien. Die erste schriftliche Erwähnung des Skifahrens findet sich in chinesischen Aufzeichnungen des Jahres 600 v. Chr.  Sportliche Skiwettkämpfe finden sich erstmals um das Jahr 1770 in Norwegen und innerhalb von 100 Jahren hatte sich der Geist der Abfahrt in den skandinavischen Ländern verbreitet. Man kann annehmen, dass Verletzungen schon früh zum Alltag von Skifahrern zählten.

2. Sie benötigen Hilfe beim Skifahren – europaweit gilt die 112 als Notrufnummer
Wenn sich dieser Artikel auch mit den möglichen Verletzungen von Skifahrern beschäftigt, so soll auch nicht unerwähnt bleiben, wie im Verletzungsfalle Hilfe herbeizurufen ist. Die meisten Skifahrer haben heute vernünftigerweise ihr Mobiltelefon dabei.

Europaweit gilt die 112 als Notrufnummer. Diese ist auch ohne SIM-Karte wählbar und nutztunabhängig vom Heimatnetz jeweils die stärkste verfügbare Anbindung. Länderspezifisch gelten für Alpinisten in Not folgende Telefonnummern:

  • Deutschland: 19222
  • Österreich: 140
  • Schweiz: 1414
  • Frankreich: 18
  • Italien/Südtirol: 118

Bei Meldung eines Notfalls gelten auch in den Bergen die „5 W“: Wo ist etwas passiert? Was genau ist passiert? Wieviele Verletzte oder Vermisste gibt es? Welche Verletzungen liegen vor? Und schließlich: Warten auf Rückfragen.

3. Welche Verletzungen der oberen Extremitäten gibt es?
Unter den Verletzungen der oberen Extremität sind häufig Verletzungenvon Bändern zu finden. Hierbei steht der Skifahrer-Daumen mit einem(An)Riß des Lig.collaterale ulnare an erster Stelle (10% allerSkiverletzungen). Dieses Band stabilisiert das Daumengrundgelenk zu den Fingern hin. Die Verletzung entsteht meistens, wenn ein Sturz aufeine noch an einen Skistock geklammerte Hand erfolgt, wobei der Daumen abgespreizt ist. Je nach Schwere der Verletzung genügt ein einfaches Schienen des Daumens. Bei komplettem Riß des Bandes ist eine operative Versorgung erforderlich.
Weitere Informationen Akademie für Handrehabilitation: Der Skidaumen (pdf)

4. Wie sieht es mit den unteren Extremitäten aus?
Keine Region des Körpers hat eine so deutliche Reduktion der skifahrbezogenen Verletzungen erfahren können wie die der unteren Extremität. Durch moderne Schuhe und Bindungstechnik können heute Sprunggelenk und Schienbein wesentlich besser geschützt werden, als dies früher möglich war. Verstauchungen und Frakturen in diesem Bereich sind demzufolge sehr selten geworden. Von enormer Wichtigkeit sind in diesem Zusammenhang gut eingestelle und funktionierende Bindungen. Manche Untersuchungen sprechen von Fehlerraten bei Bindungen von bis zu 95%. Eine Überprüfung durch den Skifahrer selbsttäglich vor Fahrtantritt ist deshalb von besonderer Wichtigkeit.

5. Welche Risiken bestehen für die Schulter?
Dehnungen oder (An)Risse der sog. Rotatorenmanschette stehen für den Bereich der Schulter an erster Stelle der Verletzungen. Weiterhin sind Verrenkungen des Oberarmknochens, Verletzungen des Acromioclaviculargelenks sowie Brüche des Schlüsselbeins gängige Skiverletzungen. Letztere nehmen in ihrer Häufigkeit nach wie vor zu während die anderen Schädigungen im Auftreten seit Jahrzehnten konstant bleiben. Schulterverletzungen machen etwa 10% aller Skiverletzungen aus. Häufigster Mechanismus ist ein Fall auf einenausgestreckten oder Sturz auf einen nach auswärts gedrehten, den Skistock haltenden, Arm. Therapeutisch kommt eine frühe endoskopische Stabilisierung und zunächst das Tragen einer Armschlinge und frühesBeüben in Betracht. Bei bleibenden Schmerzen sollte eineweiterführende Diagnostik betrieben werden.
Weitere Informationen
Dr. M. Magin: Anatomie der Schulter

6. Welche Knieverletzungen sind beim Skifahren häufig?
Das Knie ist die am häufigsten verletzte Region im alpinen Skisport(bis zu 40%, je nach Erhebung). Weichteile sind dabei die am häufigsten verletzten Strukturen, an erster Stelle ist hier das vordere Kreuzband zu nennen. Betonenswert scheint in diesem Zusammenhang, dass über die vergangenen Jahre eine Zunahme der Schwere der Verletzungen des Kreuzbandes zu verzeichnen war. Hierfür ist zunächst einmal die bessere Diagnostik verantwortlich zu machen; die Zunahme ist teilweise also virtuell. Jedoch ist dies nur eine Seite der Medaille. Interessanterweise wird ein Großteil der Verletzungen auf die bessere Ausrüstung geschoben: in dem Maße, in dem beispielsweise das Sprunggelenk geschützt wird, müssen andere Strukturen leiden: die Verletzung wird verlagert. Darüber hinaus sind die Einstellungen derBindungen für den Schutz der Strukturen unterhalb des Knies optimiert.

Die Behandlung einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist in den meisten Fällen chirurgisch. Neben den Verletzungen der Bänder sind noch Frakturen der proximalen Tibia zu nennen. Auch diese werden, wenn sie schwergradig sind, chrirurgisch versorgt. In leichteren Fällen kann ein arthroskopischer Therapieansatz gewählt werden.

7. Welche Gefahren sind für Kopf und Wirbelsäule relevant?
Verletzungen von Kopf und Wirbelsäule tragen etwa 7% zu den Skiverletzungen bei. Die Anzahl der Verletzungen in diesem Bereich des Körpers hat sich in den letzten 25 Jahren nicht signifikant verändert. Als Verletzungsmechanismus sind vorrangig einfache Stürze zu nennen; schwere oder tödliche Verletzungen treten jedoch häufiger nach Kollisionsunfällen mit unbeweglichen Objekten (Bäumen, Liftanlagen etc.) auf. Zu hohe Geschwindigkeit mit Kontrollverlust über die Steuerung steht hierbei im Vordergrund.  Der typische Skifahrer mit Kopf- oder Wirbelsäulenverletzungen ist Ende 20, männlich und hat gute skitechnische Fähigkeiten. Die angebotenen Helme konnten in den letzten Jahren technisch so verbessert werden, daß sie heute auf jeden Fall zu jeder Skiausrüstung zu empfehlen sind.

8. Gibt es besondere Tipps für unbeschwertes Skivergnügen?
Das Einhalten ein paar weniger Hinweise kann die Sicherheit auf der Piste deutlich erhöhen ohne dass dabei der Fahrspaß in Gefahr geraten würde. Zunächst ist in Vorbereitung auf die Skisaison ein spezielles Muskeltraining zu empfehlen, welches Nacken sowie Beinmuskulatur kräftigt. Starke Muskeln verhindern viele Arten von Verletzungen. Wichtig, auch gerade für Anfänger, ist ein der skifahrerischen Leistung angepaßtes Equipment.

Der Skinovize lernt eben nicht auf Papas alten 2m-Skiern am besten… Vor Fahrtantritt sollten Skier sowie weitere Ausrüstung professionell geprüft und angepaßt werden. Zu Beginn eines jeden Skitages muß darüber hinaus unbedingt die korrekte Funktion von Bindung und die Auslösung vom Skifahrer selbst getestet werden. Das Fahren selbst erfolgt am besten mit einer Geschwindigkeit, die sich der eigenen Leistung, Tagesform und Umgebungsbedingung anzupassen hat. Und schließlich: Müdigkeit und Abfahrt vertragen sich nicht. Unbedingt rechtzeitig abbrechen, insbesondere am Anfang der Skisaison, wenn Muskeln und Gelenke die ungewohnte Bewegung noch früh übel nehmen.
Weitere Informationen Carving-Ski.de: Fis-Regeln

9. Welche Unterschiede gibt es zwischen Ski- und Snowboardunfällen?
Die verfügbaren Studien darauf hin, dass Snowboarding insgesamt nicht wesentlich gefährlicher ist als das Skifahren. Ein Trend zu Verletzungen der oberen Extremitäten ist jedoch auffällig; diese treten meist beim Fallen nach hinten auf. An erster Stelle stehen Brüche der Speiche (Radius). Insgesamt scheinen die Verletzungen der Snowboarder weniger schwer als diejenigen der Skifahrer zu sein; verletzte Snowboarder sind ausserdem im Mittel etwa 10 Jahre jünger als die entsprechenden Skifahrer.

Weitere Informationen Dr. Gumpert: Radiusfraktur

10. Was tun bei Lawinen?
Ein spezieller Aspekt beim Skifahren sind die Lawinen. Auf präparierten Pisten sind sie, wenn doch nicht völlig unwahrscheinlich, eher eine Seltenheit. Gefährdet sind eher Tourengeher oder Skifahrer abseits der geöffneten Pisten.
Wichtig: wer abseits geöffneter Pisten unterwegs ist, sollte stets ein Lawinensuchgerät (LVS) eingeschaltet bei sich tragen, zumindest aber ein Lawinenverschütteten-Suchsystems.

Die allgemeine Gefährdung im Zusammenhang mit Lawinen wird in Form von Lawinengefahrstufen (1: kaum Gefahr … 5: keine Abfahrten) eingeteilt. Sollte man einmal doch in die Nähe oder in den Gefährdungskreis eines Lawinenabganges gelangen, so gelten folgende Regeln: beim Aufstieg ist eine Fluchtfahrt sinnlos, bei Abfahrten ist sie zu versuchen. Dabei sollten die Skistöcke fallen gelassen werden.

Wenn die Gefahr nicht abzuwenden ist: Ski so schnell wie möglich lösen, schwere Rucksäcke abwerfen, eine Kauerstellung einnehmen und die Arme mit aller Kraft vor den Körper halten. Mit LVS-Geräten ist die Chance auf Auffindung ziemlich gut.
Weitere Informationen
Kleine Lawinenkunde

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