Schilddrüsenerkrankungen

Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland besonders verbreitet. Die nachfolgende Information erklärt Ihnen, warum dies so ist und gibt darüber hinaus weitergehende Tipps und Hinweise. Die wichtigste und häufigste Ursache für Schilddrüsenerkrankungen liegt in dem immer noch unzureichenden Jodgehalt in der Nahrung.

Schilddrüsenerkrankungen – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Ohne Schilddrüse läuft nichts!
Die Schilddrüse ist ein wesentliches endokrines Organ unseres Körpers. Dies bedeutet, dass es Hormone produziert, die an der Regulation vieler Körpervorgänge beteiligt sind. Ihre korrekte Funktion ist deshalb wesentlich für ein normales Funktionieren des Organismus. Die Schilddrüse befindet sich in der Region zwischen Adamsapfel und Brustbein bzw. Schlüsselbeinen. Sie besteht aus zwei Lappen und einem Verbindungsstück, dem Isthmus. Viele Erkrankungen der Schilddrüse können sie vergrößern. Von Zeit zu Zeit kann es sinnvoll sein, die Größe seiner eigenen Schilddrüse zu untersuchen. Dies können Sie einfach selbst durchführen. Stellen Sie sich vor einen Spiegel, nehmen Sie den Kopf leicht zurück und trinken Sie einen Schluck Wasser. Unterhalb Ihres Adamsapfels sehen Sie, dass sich während des Schluckvorganges die Schilddrüse bewegt. Die Schilddrüse kann bei manchen Menschen so klein ausgeprägt sein, dass dieser Vorgang schwer zu sehen ist. Beobachten Sie jedoch Vorwölbungen, die sich beim Schlucken mitbewegen, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine Schilddrüsenerkrankung auszuschließen.

2. T3 und T4: Botenstoffe, die ihren Namen verdienen
Die Schilddrüse produziert im Wesentlichen zwei Hormone, die aus der Aminosäure Tyrosin und Jod bestehen, das sog. T3 und T4. Dabei zeigen die Zahlen die Menge an gebundenen Jodatomen an. Nur etwa 1/1000 der verfügbaren Menge an Schilddrüsenhormonen liegt überhaupt frei im Blut vor und kann dort seine Wirkung entfalten. Der Rest ist an Proteine gebunden. Die Schilddrüsenhormone wirken auf eine Vielzahl von Organen; generell steigern sie den Grundumsatz und stimulieren den Stoffwechsel. Spezifisch sind sie beteiligt an Wachstum und Entwicklung, sie wirken erregend auf das Nervensystem, auf die Muskulatur, sie erhöhen den Calcium- und Phosphatumsatz und bremsen den Aufbau von speicherfähigen Nährstoffen (Glykogen, Protein). Ausserdem machen sie das Herz für bestimmte Stoffe wie beispielsweise das Adrenalin empfindlicher.

3. Jod und Schilddrüse: zwei Teamplayer
Wie oben schon erwähnt, ist ein wesentlicher Bestandteil der normalen Schilddrüsenhormone das Jod. Jod kann vom Körper selber nicht gebildet und muss deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden. Problematisch hierbei ist, dass Deutschland als Jodmangelgebiet gilt, d.h. durch gewöhnliche Nahrungszufuhr nehmen wir etwa nur die Hälfte des Jods auf, welches wir benötigen. Auch die Verwendung jodierten Speisesalzes kann dieses Defizit nur begrenzt ausgleichen.

4. Wenn die Schilddrüse über sich hinauswächst: der Kropf
Aus dem eben gesagten geht hervor, dass wir alle in der Gefahr stehen, zu wenig Jod zu uns zu nehmen. Dies hat zur Folge, dass etwa 30% der deutschen Bevölkerung an einer Erkrankung leiden, die als Struma oder Kropf bezeichnet wird: die Schilddrüse erhält zu wenig Jod und vergrößert sich kompensatorisch. Etwa 90% aller Schilddrüsenerkrankungen sind Strumen. Diese Vergrößerung kann soweit fortschreiten, dass sie auf das umliegende Gewebe drückt und beispielsweise den Blutabfluss aus dem Bereich des Kopfes einschränkt.

Hat eine Struma eine Zeit lang bestanden, dann hat sie weiterhin die Tendenz, Bereiche zu entwickeln, die sich einer normalen Regulation des Körpers entziehen: die Menge des gebildeten Schilddrüsenhormons hängt auch von übergeordneten Schaltstellen ab, wie beispielsweise der Hypophyse. Diese produziert das TSH, das Thyroidea-stimulierende Hormon (Glandula thyroidea = Schilddrüse). Entzug aus der normalen Regulation bedeutet nun, dass die Schilddrüse auch bei geringem TSH zu viel Hormon bildet, es entwickeln sich sog. autonome Bereiche.

5. Wenn Teile der Schilddrüse selbständig werden
Jede normale Schilddrüse besitzt eine gewisse Anzahl an Bereichen, die sich der normalen Regulation entziehen. Überschreiten diese aber einen kritischen Punkt (> 1,5%), so spricht man von einer Schilddrüsenautonomie. Diese Bereiche
entziehen sich, wie oben angedeutet, der Regulation durch das TSH. Die produzierte Schilddrüsenhormonmenge hängt dann im wesentlichen von der Größe des autonomen Gewebes und der Menge an zugeführtem Jod ab. In Jodmangelgebieten kann die Jodproduktion noch normal bleiben. Gefährlich kann es allerdings werden, wenn bestimmte jodhaltige Medikamente genommen werden müssen oder Untersuchungen durchgeführt werden sollen, die Kontrastmittel (etwa in der Radiologie) beeinhalten. Dann kann ein Zustand eintreten, der als thyreotoxische Krise bezeichnet wird: die autonomen Bereiche produzieren sehr schnell sehr viel Hormone.

6. Die klassische Überfunktion: Morbus Basedow
Der Morbus Basedow ist, wenn auch nicht die häufigste, dennoch die klassische Form der Hyperthyreose (=Schilddrüsenüberfunktion). Es handelt sich dabei um eine durch Antikörper ausgelöste Stimulierung der Schilddrüsenhomonproduktion. Die Antikörper sind gegen die Stelle an der Schilddrüse gerichtet, an die auch das TSH binden würde. Besonders häufig sind Frauen im mittleren Lebensalter von dieser Erkrankung betroffen. Klassische Symptome sind: Nervosität, Übererregtheit, Herzrasen, Gewichtsverlust, Durchfälle und Schwäche der Muskulatur. Auch kann diese Krankheit bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.
>>mehr: MorbusBasedow.de

7. Was die Schilddrüse sonst noch zu Höchstleistungen antreibt
Neben den bereits erwähnten Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion kommen noch weitere Ursachen in Betracht. Beispiele sind eine spezielle Form der Schilddrüsenentzündung (subakute Thyreoiditis), eine Krebserkrankung der Schilddrüse, eine zu grosse Zufuhr von Schilddrüsenhormon als verordnetes Medikament, Erkrankung der Hypophyse mit erhöhter TSH-Produktion bzw. eine Krebserkrankung anderer Organe, die u.U. mit einer TSH-Produktion unabhängig von der Hypophyse einher gehen kann. Die drei Grundpfeiler der Therapie bei Hyperthyreose sind Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion bremsen (Thyreostatika), eine operative Therapie sowie eine Radiojodtherapie. Bei letzterer werden der Schilddrüse radioaktive Jodmoleküle angeboten, die besonders in Bereiche erhöhter Aktivität aufgenommen werden und diese dann inaktivieren können.

8. Müde, schlapp und energielos? Es könnte die Schilddrüse sein
Eine relativ häufige angeborene Erkrankung ist die Schilddrüsenunterfunktion (1 auf 5000 Säuglinge). Durch die verschiedenartigen Wirkungen der Hormone auf den menschlichen Organismus kann ein Zu-Spät-Erkennen dieses Defekts katastrophale Folgen für das Kind haben: als Faustregel gilt, dass eine nur um 3 Wochen verspäteter Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone die Intelligenz des Kindes soweit schädigt, dass später eine Hochschulreife nicht mehr gewährleistet ist.
Um diesem Misstand vorzubeugen, ist das Schilddrüsenscreening gesetzlich vorgeschriebener Bestandteil der Neugeborenenuntersuchungen in der Bundesrepublik. Aber auch im späteren Leben kann beispielsweise durch eine Schilddrüsenentzündung oder Ausfall übergeordneter Regulationsareale eine Unterproduktion von T3 und T4 eintreten. Besonders bei älteren Menschen wird diese oft verkannt. In Analogie zur Übererregtheit bei Hyperthreose sind Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion antriebslos, müde und kälteempfindlich.

9. Wenn es ernst wird: Krebserkrankungen der Schilddrüse
Schilddrüsenkrebserkrankungen sind die häufigsten Tumoren der hormonproduzierenden Organe. Grob unterscheidet man differenzierte bzw. undifferenzierte Geschwulste je nachdem, ob sie noch Ähnlichkeiten zum Ursprungsgewebe der Schilddrüse aufweisen oder nicht bzw. das medulläre Karzinom. Die undifferenzierten Karzinome haben hierbei die schlechteste Prognose. Die beste Methode, abzuklären, ob ein Schilddrüsenkarzinom vorliegt, ist mit der Ultraschalluntersuchung gegeben. Ohne Strahlenbelastung kann hierbei eine erste orientierende Einschätzung verdächtiger Befunde vorgenommen werden. Weiterhin können zusätzliche Untersuchungen notwendig werden, beispielsweise eine szintigrafische Untersuchung. Ähnlich wie die oben erwähnte Radiojodtherapie werden hierbei radioaktive Stoffe genutzt, die sich bevorzugt in das Schilddrüsengewebe einlagern und mit speziellen Kameras eine Darstellung ermöglichen. Weiterhin werden verschiedene Labor- und radiologische Methoden angewandt um eine Feindiagnostik zu ermöglichen.
>>mehr: Internetkompass Krebs.de

10. Linktipp für Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen
Aktuelle Informationen von Betroffenen und Angehörigen bietet die Selbsthilfegruppe „Die Schmetterlinge e. V.“ in ihrem umfassenden Forum-Angebot. Darüber hinaus bietet der Verein auch telefonische Hilfe an:

Wichtige Infos:

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