COPD – 10 Goldene Regeln

Atmen ist etwas, was die meisten von uns gedankenlos tun. Es passiert einfach. Die Luft strömt in unsere Lungen ein und wieder heraus. Etwa 25.000 mal pro Tag. Unsere Zellen erhalten so den für die meisten Lebensvorgänge unentbehrlichen Sauerstoff und werden das am Ende der erfolgreichen Gewinnung von Energie aus zugeführten Nährstoffen entstehende Kohlendioxid wieder los. Voraussetzung für diese objektiv betrachtete enorme Leistung ist ein gut abgestimmtes Miteinander aller an diesem Vorgang beteiligten Komponenten. Äussere Faktoren können dieses sensible Gleichgewicht stören. Hierbei steht das bewussteZuführen lungenschädigender Stoffe in Form des Zigarettenrauchens an erster Stelle. Ist die Lunge viele Jahre „Opfer“ einer Verschmutzung der ihr zugeführten Luft geworden, so entwickelt jeder zweite Raucher über 40 Jahre ein Krankheitsbild, das als chronische Bronchitis bzw. chronisch obstruktive Lungenerkrankung (abgekürzt als COLD, chronic obstructive lung disease und neuerdings als COPD (chronic obstructive pulmonary disease)) bezeichnet wird.

COPD – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Sauerstoff und Kohlendioxid: in der Lunge heißt es: „Bitte umsteigen!“
Wenn wir einatmen, so strömt Luft in unsere Lungen. Dies geschieht dadurch, dass bestimmte Muskeln, insbesondere das Zwerchfell, zusammengezogen werden, und dabei innerhalb des Brustraumes einen Unterdruck erzeugen. Zum Druckausgleich strömt nun „Luft“, ein Gemisch aus vielen verschiedenen Substanzen, insbesondere Sauerstoff und Stickstoff, in den Brustraum ein. Entspannen sich die Atemmuskeln, so verlässt die Luft die Lunge wieder. Zwischen Ein- und Ausatmung steht der lebenswichtige Vorgang des Gasaustausches: Sauerstoff wird der Atemluft entzogen und Kohlendioxid wird abgegeben. Bei einer chronischen Bronchitis ist der Weg der Luft verstopft. Die Lunge enthält zuviel Schleim, Mechanismen des Abtransportes von Fremdkörpern („Flimmerhärchen“) funktionieren nicht mehr richtig und Teile der Lunge fallen beim Ausatmen einfach zusammen, weil die Wand der luftführenden „Leitungen“ sich verdünnt hat.  Speziell aufgrund dieses Zusammenfallens haben Menschen mit chronischer Bronchitis insbesondere Probleme, die Luft, die sie aufgenommen haben, wieder loszuwerden.

2. Bestimmte Menschen leiden häufiger an COPD als andere
Diese Tatsache ist ganz einfach festzustellen: man beobachtet Menschen, die eine chronische Bronchitis entwickeln und analysiert dann, ob bestimmte Lebensbedingungen bei den erkrankten Menschen vorlagen. Statistisch lässt sich nachweisen, dass die oben schon erwähnte Gruppe der Raucher einen großen Teil der Klientel ausmacht, die eine chronische Bronchitis entwickeln. Bis zu 90% der an COPD Erkrankten sind oder waren Raucher. Die anderen 10 Prozent teilen sich auf unter Menschen, die im Bergbau gearbeitet haben (man spricht von einem erhöhten Risiko bei einer Feinstaubdosis von 100, das bedeutet, das Produkt von in der Luft enthaltener Feinstaubkonzentration mal Aufenthaltsjahre ist gleich oder größer 100), Personen, die spezieller Luftverschmutzung, hauptsächlich ebenfalls am Arbeitsplatz, ausgesetzt waren (Schwefeldioxid, Staub) bzw. Patienten, die durch spezielle Erkrankungen ungünstige Vorbedingungen für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis aufweisen (Mangel spezieller Antikörper etc.).

3. Die COPD-Lunge fällt in sich zusammen und hält Luft zurück
Eine chronische Bronchitis entwickelt sich schleichend. Zu Beginn steht vielleicht ein morgentliches Husten. Natürlich ist nicht jeder Husten am Morgen der Beginn einer COPD: die WHO hat definiert, eine chronische Bronchitis sei dann anzunehmen, wenn innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Jahren während mindestens 3 zusammenhängender Monate pro Jahr Husten mit Auswurf bestehe. Besteht weiterhin das Problem, was die Erkrankung in Gang gebracht hat (Rauchen, Staubexposition etc.), so setzt sich der Prozess fort. Wie einleitend beschrieben, werden Teile der Lunge speziell bei der Ausatmung zusammenfallen, was dazu führt, dass die eingeatmete Luft partiell in der Lunge verbleibt. Das Zusammenfallen ist gemeint, wenn von „obstruktiver“ Lungenerkrankung die Rede ist, die Ausatmung ist behindert. Die übriggebliebene Luft bewirkt, dass Menschen mit einer COPD oft einen im wahrsten Sinne des Wortes „geblähten“ Brustkorb haben. All diese Dinge bemerkt der Patient dadurch, dass er bei Belastung Luftnot bekommt. Das System Lunge arbeitet dann nicht mehr den Anforderungen entsprechend. Und schließlich: diese gesamten Veränderungen bewirken auch, dass das Blut, welches in der Lunge mit Sauerstoff versorgt werden soll, nicht mehr so gut dort hinkommt, es staut sich bis ins Herz zurück, was auf einmal wesentlich mehr arbeiten muss, als gewohnt. So schädigt das Lungenproblem schließlich auch unser zentrales Kreislauforgan.

4. COPD-Patienten fehlt manchmal Sauerstoff, aber man darf ihnen keinen geben
Unser Körper überwacht sich selber: ein Teil unseres Hirnstammes (das ist ein entwicklungsgeschichtlich älterer Teil unseres Gehirns kurz oberhalb des Rückenmarkes) überwacht permanent unser Blut auf hauptsächlich zwei Parameter: den Gehalt des Blutes an Sauerstoff und Kohlendioxid. Atmen wir nicht so, wie wir sollen, so sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes und der Kohlendioxidgehalt steigt an. Das führt normalerweise dazu, dass unser Atemzentrum unsere Atemmuskulatur mehr arbeiten lässt. Bei Patienten, die schon lange Probleme mit dem Lunge haben, ist oft der Kohlendioxidgehalt des Blutes so lange erhöht gewesen, dass sich die Messinstrumente unseres Körpers daran gewöhnt haben und nur noch auf den niedrigen Sauerstoffgehalt ansprechen. Gibt man nun einem solchen Patienten, der eigentlich Sauerstoff benötigt, dieses lebenswichtige Elexier, so signalisiert man dem Atemzentrum: es ist alles in Ordnung, was es natürlich nicht ist – das Kohlendioxid ist immer noch viel zu hoch. In dieser Situation ist es oft erforderlich, eine Intubation bzw. eine sogenannte assistierte Beatmung durchzuführen, um die Gasverhältnisse wieder zu normalisieren.

5. Messen, wie die Lunge funktioniert
Neben der oben geschilderten Analyse der Blutgase (Sauerstoff, Kohlendioxid) gibt es weitere Methoden, die helfen sollen, abzuschätzen, wie gut (oder schlecht) die Lunge eines Patienten mit chronischer Bronchitis noch funktioniert. Ein einfacher und guter Test ist die sogenannte Einsekundenkapazität. Dabei wird die Menge an Luft gemessen, die man höchstens innerhalb von einer Sekunde nach maximaler Einatmung ausatmen kann. Da COPD-Patienten, wie oben erläutert, ein Problem mit der Ausatmung haben, wird dieser Wert bei ihnen vermindert sein. Gesunde Personen schaffen es auch, mehr als 70% der gesamten Luftmenge, die sie ein- und ausatmen können, in dieser Sekunde auszuatmen. Auch dieser Wert wird bei COLD-Patienten vermindert sein.

6. Bitte jetzt schlucken: mit der Kamera in die Lunge schauen
Speziell, wenn die Grundkrankheit COPD durch eine Lungenentzündung kompliziert wird, kann es erforderlich werden, mit einem sogenannten Endoskop, das bei unserem Atmungsorgan Bronchoskop genannt wird, in die Lunge direkt hineinzusehen. Dies mag auf den ersten Blick erschreckend sein, wird aber, da der Schlauch sehr dünn ist, von den meisten Menschen gut vertragen. Nach Betäubung des Rachens wird der Schlauch über die Luftröhre in weiter entfernt liegende Lungenbezirke vorgeschoben. Dort kann dann an verdächtigen Stellen eine Probe entnommen werden und diese vom Pathologen auf Veränderungen begutachtet werden. Auch kann Schleim (von dem COPD-Patienten viel zu viel haben), abgesaugt werden und bei Entzündungen eine Probe des die Lungenentzündung verursachenden Erregers genommen werden, um sicherzustellen, dass mit den richtigen Medikamenten behandelt wird.

7. Therapie der Bronchitis: Vorbeugen ist immer besser.
Sie haben bis hierher durchgehalten und sind immer noch der Meinung, Sie sollten weiterhin rauchen? Wir raten Ihnen, diesen Entschluss noch einmal zu überdenken. In jedem Stadium einer chronischen Bronchitis kann ein Aufhören mit dem Rauchen deutliche Verbesserungen bringen und ist somit immer besser als jede andere Therapie. Sollte diese aber doch notwendig werden, so stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Auswahl: da die Lunge vorgeschädigt ist, sollte darauf geachtet werden, dass der Körper frei von Stellen ist, die eine Lungenentzündung auslösen können (wie beispielsweise eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung). Ist einmal eine Entzündung entstanden, sollte diese natürlich mit Antibiotika behandelt werden. Weiterhin werden an Medikamenten Stoffe gegeben, die die Bronchien weiten sollen bzw. helfen sollen, die in der ganzen Lunge stattfindende Entzündungsreaktion im Zaum zu halten. Nicht-medikamentöse Maßnahmen umfassen unter anderem Inhalationstherapien, Klopfmassagen (zur Schleimlösung), große Trinkmengen (ebenfalls zur Schleimlösung), Training der Atemmuskulatur, Impfung gegen eine wesentliche Form der Lungenentzündung bzw. bei Komplikationen die oben erwähnte Beatmung bzw. Bronchoskopie.

8. Wie sollte ich mich ernähren?
Wie immer, wenn Ärzte Ernährungsratschläge erteilen, wird damit begonnen, darauf hinzuweisen, die zu sich genommenen Nahrungsmittel sollten ausgewogen sein. Dies gilt natürlich auch für die chronische Bronchitis. Darüber hinaus können noch ein paar weitergehende Ratschläge gegeben werden: verringern Sie Ihre Salzzufuhr. Je mehr Salz Sie essen, um so mehr Flüssigkeit behält ihr Körper bei sich. Diese Flüssigkeit kann zusätzlich das Atmen schwer machen. Kaffee kann mit einigen der verschriebenen Medikamente wechselwirken. Meiden Sie Nahrungsmittel, die ihnen nicht bekommen, ihren Bauch aufblähen oder Winde verursachen. Ein geblähter Bauch kann das Atmen erschweren. Nehmen Sie ihre erste Mahlzeit früh am Tage zu sich: so haben Sie viel Energie, um durch den Tag zu kommen. Essen Sie kleine Mahlzeiten. Grosse Mahlzeiten belasten den Körper ähnlich stark wie körperliche Aktivität.

9. Exkurs: Raucherentwöhnung
Rauchen ist eine Sucht. Das haben Sie als Betroffener sicherlich schon oft gehört, aber haben Sie es auch verstanden und für sich selbst nachvollzogen? Denn dies ist eine wesentliche Voraussetzung, von der ungeliebten Neigung loszukommen. Leider muss man sagen, dass die Quote der Menschen, die erfolgreich dem Glimmstengel entsagen, sehr gering ist. Daraus ist zu folgern, dass man es richtig machen sollte, wenn man sich schon dazu entschließt. Halbherzig an die Sache ranzugehen, um zu scheitern macht einen erneuten Versuch um so schwerer. Wenden Sie sich für weitere Informationen zu einem fundierten Entwöhnungsprogramm an Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse. Erste Tipps finden Sie in unten stehendem Link.

10. Hilfe zur Selbsthilfe bei COPD
Wie immer kann es bei chronischen Erkrankungen hilfreich sein, den Rat von Gleichgesinnten anzuhören und Tipps auszutauschen. Mehrere Verbände und Vereinigungen in Deutschland haben sich diesen Zielen verschrieben. Die Deutsche Atemwegsliga bietet in ihrem Webangebot einen umfassenden Überblick zu diesem Thema. Tauschen Sie sich aus!

Atemwegsliga.de:
www.atemwegsliga.de

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