Osteoporose

Prinzipiell differenziert man zwischen primären und sekundären Osteoporosen. Sekundär bedeutet hier, dass ein äußerer Faktor zum Auftreten der Erkrankung beigetragen hat. Hierzu zählen beispielsweise Erkrankungen des Hormonstoffwechsels wie ein erhöhter Cortisolspiegel, eine fehlende oder verminderte Aktivität der Geschlechtsdrüsen oder eine Schilddrüsenüberfunktion.

Osteoporose – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Was ist Osteoporose?
Unter Osteoporose versteht man eine durch reduzierte Knochendichte und -festigkeit gekennzeichnete Skeletterkrankung, die für die Betroffenen das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, drastisch erhöht, insbesondere des Schenkelhalses, des Vorderarms oder der Wirbelkörper. Wer nun meint, Knochenbrüche seien prinzipiell harmlos, der irrt: insbesondere Schenkelhalsbrüche bergen, wenn sie im höheren Lebensalter auftreten, ein deutliche Gefahr von 10-20%, mittelbar daran zu versterben.

2. Knochenstoffwechsel
Durch das gesamte Leben hindurch wird die Masse, die dem Betrachter so statisch erscheint, umgebaut: unsere Knochen. Umbau bedeutet hier, dass ein Knochenneuaufbau erfolgt, aber gleichzeitig auch ein Abbau. Bis Anfang der 30er Lebensjahre überwiegen die Aufbauprozesse, danach geht in der Summe Knochenstruktur verloren. Bei Osteoporosekranken ist dieses Verhältnis stark in Richtung Abbau verschoben. Verantwortlich für die genannten Baumaßnahmen sind zwei Typen von Zellen, die Osteoblasten und die Osteoklasten. Erstere schaffen, letztere reduzieren die Knochenmasse. Neben anderen Stoffen ist Kalzium der wichtigste Inhaltsstoff unseres Skeletts. Auf eine regelmäßige Aufnahme mit der Nahrung sollte geachtet werden. Hormonell sind vor allem das Vitamin D für den Aufbau von Knochenmasse verantwortlich. Dieser Stoff kann mit der Nahrung aufgenommen, aber auch unter Sonneneinfluß im Körper gebildet werden. Gegenspieler sind Parathormon sowie Calcitonin.

3. Welche generellen Formen der Osteoporose kann man unterscheiden?
Prinzipiell differenziert man zwischen primären und sekundären Osteoporosen. Sekundär bedeutet hier, dass ein äußerer Faktor zum Auftreten der Erkrankung beigetragen hat. Hierzu zählen beispielsweise Erkrankungen des Hormonstoffwechsels wie ein erhöhter Cortisolspiegel, eine fehlende oder verminderte Aktivität der Geschlechtsdrüsen oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch können Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, die zu einer verminderten Aufnahme von Calzium bzw. Vitamin D mit der Nahrung führen, eine Osteoporose bedingen. Wer rastet, der rostet: auch dies gilt für das Risiko eines Einzelnen, an Knochenschwund zu leiden: Bewegung wirkt ihm entgegen. Schließlich gehören noch bestimmte Medikamente in diese Kategorie: der Langzeitgebrauch von Kortison etwa oder die dauerhafte Verordnung von Heparin.

Wesentlich häufiger sind aber die primären Osteoporosen: Typ I bezeichnet die Osteoporose, die nach der Menopause bei Frauen auftritt, Typ II die Erkrankung des alten Menschen. Weiterhin gibt es seltene Erbkrankheiten, die mit einer Osteoporose einhergehen können. Die rheumatoide Arthritis ist aus unbekannten Gründen oft Auslöser eines Knochenschwundes.

4. Kann ich selbst etwas tun?
Wie für die meisten Erkrankungen gibt es auch bei der Osteoporose sogenannte Risikofaktoren, die diese Erkrankung begünstigen können. Hierzu zählen Alter der Person (höheres Alter bedeutet geringere Knochenmasse), Geschlecht (Frauen haben prinzipiell eine geringere Knochenmasse, die nach dem Ausbleiben der Regelblutung nochmals abnimmt) sowie ein Risiko, welches aus einer erblichen Veranlagung herrührt. Letztere Punkte sind durch eine Behandlung nur wenig beeinflußbar. Anders verhält es sich mit den folgenden Aspekten: Mangel an Geschlechtshormonen (im Sinne eines späten Einsetzens der Periodenblutung und einem frühen Übergang in die Wechseljahre), mangelnde Bewegung, schlechte und falsche Ernährung, hoher Nikotin bzw. Alkoholkonsum.

5. Was für Anzeichen gibt es?
Im Vordergrund stehen drei Hauptsymptomkomplexe: Knochenschmerzen, insbesondere im Rückenbereich, Knochenbrüche, ohne, dass eine für den Bruch adäquate Krafteinwirkung stattgefunden hätte sowie drittens Veränderungen der Wirbelkörper mit Körpergrößenabnahme. Schmerzen sind hierbei sicherlich das unspezifischste Symptom, ist diese Klage doch eine der häufigsten, die dem Hausarzt in seiner täglichen Praxis begegnen. Knochenbrüche sind da schon seltener anzutreffen. Neben der Fraktur „ohne adäquates Trauma“, wie es die Mediziner bezeichnen, findet sich auch eine stark verlangsamte Heilungstendenz eines einmal durchbrochenen Knochens oder Wirbels. Die Betroffenen müssen oft über Monate Einschränkungen ihrer Beweglichkeit hinnehmen. Dies führt zu Sekundärproblemen.

6. Wie kommt der Arzt zur Diagnose?
Treffen mehrere der typischen Symptome zusammen, dann ist die Diagnose Osteoporose sehr wahrscheinlich. Natürlich gilt auch hier wie so oft in der Medizin der Grundsatz, dass das Schlimme ausgeschlossen werden muss. „Das Schlimme“, das heißt im Falle eines Knochenbruchs ohne erkennbaren Anlass meist „Krebs“. Dieser kann direkt den Knochen betreffen oder auch in Form einer Tochtergeschwulst aus einem anderen Organsystem eingewandert sein. Seltener sind bestimmte Stoffwechselerkrankungen an solchen Frakturen schuld (z.B. primärer Hyperparathyreoidismus). Der häufigste Krebs, der die Knochen befällt, ist das Plasmozytom. Bei dieser Erkrankung entarten eine bestimmte Sorte von Blutzellen, die normalerweise für die Bildung von Antikörpern zuständig sind. Diese Zellen können sich in Knochen einlagern und so zu Brüchen führen.
Weitere wesentliche Hinweise für die Diagnose Osteoporose können bestimmte Labortests und spezielle Röntgenuntersuchungen geben.

7. Wie kann ich mir helfen lassen bzw. selber helfen?
Wie immer bei häufigen Erkrankungen finden sich auch bei der Osteoporose eine Vielzahl von Menschen, deren Absicht es ist, aus dem Leid der Menschen Kapital zu schlagen. Dies spiegelt sich im Angebot einer Menge von Substanzen wider, deren Anwendung im Rahmen dieser Erkrankung zumindest zweifelhaft erscheint. Das Internet als globaler Austauschplatz fördert diese Entwicklung natürlich, zumeist leider in eine Richtung, in der ob des schieren Überangebots von Informationen der Patient eher der Leidtragende ist.

Angesichts knapper Kassen im Gesundheitssystem kann von diesem erwartet werden, dass es nur diejenigen Therapien fördert, für die eine Wirkung nachgewiesen ist. Einen solchen Ansatz bezeichnet man als evidenzbasierte Medizin. Auf dieser Grundlage kann man Medikamente zur Behandlung der Osteoporose grob in vier Klassen einteilen: solche, für die eine Wirkung nachgewiesen ist (hauptsächlich Bisphosphonate); Medikamente, für die Hinweise auf eine positive Wirkung existieren (z.B. Modulatoren des Östrogenrezeptors); Stoffe, die in Studien manchmal positive Ergebnisse gezeigt haben und manchmal nicht (etwa Fluoride); schließlich diejenigen Medikamente, für die ein Nachweis der Wirksamkeit fehlt (etwa generelle Anwendung von Östrogenen bei Frauen). Selbstverständlich spielen neben Medikamenten auch symptomatische Behandlungen (kalziumreiche Ernährung, viel Bewegung im Sinne der Vorbeugung bzw. Physiotherapie etc.) und Aufnahme bzw. Ersatz von Kalzium/Vit. D eine Rolle.

8. Wieso habe ich solche Schmerzen?
Bei der Osteoporose müssen zwei Formen von Schmerzen unterschieden werden: ein akuter und der weit schlimmere chronische Schmerz. Ersterer entsteht in dem Moment, wo Wirbelkörpereinbrüche auftreten, meist durch Einblutungen unterhalb der Knochenhaut oder Bändern. Knochen an sich ist nicht schmerzempfindlich. Durch den akuten Verlust einer Stütze gerät zudem binnen kürzester Zeit die sensible Statik des Körpers in Gefahr. Die chronischen Probleme, die Osteoporosekranke aufweisen, sind etwas komplizierterer Natur. Es handelt sich hierbei um durch die vielfältigen Wirbelsäurenveränderungen auftretende Fehlbelastungen und dadurch bedingte Imbalanz und lokale Überbelastung. So wird die normalerweise im Brustbereich auftretende zum Rücken hin konvexe Rundung der Wirbelsäule überbetont, die Konkavität im Lendenbereich ebenfalls. Die Rumpfmuskeln, die hier als Gegenspieler arbeiten, müssen gegensteuern. Dies tut auf Dauer nicht nur weh, es macht auch müde.

9. Osteomalazie und Osteoporose – wo liegt der Unterschied?
Osteomalazie bedeutet, frei übersetzt, weiche Knochen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine wichtige Differentialdiagnose zu der hier besprochenen Osteoporose. Gemeinsam ist beiden Erkrankungen die strukturelle Schwäche der Knochen und das höhere Risiko, einen Bruch derselben zu erleiden. Der Unterschied besteht darin, dass bei der Osteomalazie der Aufbau des Knochens bei gleichmäßigem Verhältnis von Auf- und Abbau (bei der Osteoporose Überwiegen des Abbaus) in einem wesentlichen Stadium zum Stillstand kommt: dann, wenn er richtig fest werden soll – bei der Einlagerung der Mineralien, u.a. des Kalziums.

10. Kuratorium Knochengesundheit e.V.
„Die größte und älteste Non-Profit-Organisation Deutschlands, die im Kampf gegen die Volkskrankheit Osteoporose aktiv ist“.
Osteoporose.org

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