Brustoperation

Über kaum ein Thema wird so oft in den Medien diskutiert wie die weibliche Brust. Sie ist Fruchtbarkeitssymbol und Zeichen der Sexualität – aber vor allem ist sie mancher Frau oft zu klein oder zu groß. Wir widmen uns heute einem Thema, welches in den Bereich der plastischen Chirurgie fällt: der Brustverkleinerung bzw. -vergrößerung. 10 Fragen und 10 Antworten.

1. Wie ist die weibliche Brust aufgebaut und wie entsteht sie?
Zum Anfang sind wir alle gleich: etwa in der 4. Woche der Schwangerschaft entsteht bei beiden Geschlechtern auf beiden Körperseiten der sog. Milchstreifen. Hier wird die Entwicklung des Menschen und seine Nähe zum Tier deutlich. Der Milchstreifen wird zur Milchleiste, diese zum sog. Milchhügel. Aus diesem gehen bestimmte Drüsenanlagen hervor, die die Grundlage der weiblichen aber auch der männlichen Brust bilden. Unter Einfluß der Geschlechtshormone findet in der Pubertät dann ein sehr starkes Wachstum der weiblichen Brust statt. Hierbei gibt das Binde- und Stützgewebe eine Leitschiene für die Entwicklung der eigentlichen Brustdrüse vor. In das Bindegewebe sind individuell unterschiedlich Fettzellen eingelagert. Diese beiden Strukturen bestimmen über Form und Aussehen der Brust.

2. Weshalb ist die weibliche Brust zu groß oder zu klein?
Makromastie, so bezeichnen Mediziner eine Größenzunahme der weiblichen Brust über das dem Alter entsprechende Maß hinaus. In einem hohen Prozentsatz treten die Veränderungen erst mit Eintritt in die Pubertät auf, seltener zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Geschlechtsreife oder während der Schwangerschaft auf. Eine solche Brust hängt herab, hat einen vergrößerten Warzenhof und eine verstrichene Brustwarze. Zugrunde liegt einer solchen Veränderung ein übernormales Wachstum und einer Weitstellung des Drüsengewebes sowie einer Zunahme des Deckgewebes; Fett- und Bindegewebe sind ebenfalls abnorm vermehrt. Eine dann als einseitige Mammahypertrophie bezeichnete Veränderung kann auch nur eine Brust betreffen. Die zu kleine Brust ist im Gegensatz zum Gesagten unterentwickelt. Man vermutet eine unzureichende Ausstattung mit Brustdrüsengewebe bzw. entsprechenden Geschlechtshormonrezeptoren. Besonders junge Frauen leiden unter dieser sog. Hypo- oder Mikromastie.

3. Gibt es eine Möglichkeit zur Nachbildung einer Brust?
Ja, die gibt es. Man bezeichnet so etwas als Mammarekonstruktion. Eine solche Operation wird meist dann durchgeführt, wenn die natürliche Brust etwa aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr oder nur noch teilweise vorhanden ist. Es existieren dabei folgende prinzipielle Möglichkeiten: Implantatrekonstruktion (siehe Punkt 5), sog. „gestielte myokutane Lappen“ oder „freie Transplantate“. Die beiden letzteren Fälle benötigen in der Regel kein Fremdmaterial, um eine verlorene Brust nachzubilden. Die Masse stammt hierbei aus körpereigenem Muskelgewebe, dem die Hautschicht belassen wird. Meist wird hierzu der M. latissimus dorsi, ein grosser Rückenmuskel, benutzt. Eine gängige Prozedur wird als Tram-Flap bezeichnet. Ein Stück des Muskels wird mobilisiert und an einem ihn versorgenden Gefäß- und Nerven“stil“ unter der Haut in die gewünschte Region verschoben und geformt. Der versorgende Gefäß-/Nervenstrang kann auch zunächst abgelöst und dann wieder angenäht werden (dann handelt es sich um ein „freies Transplantat“). Die Brustwarze wird oft aus einer Hauttransplantation aus dem Schambereich rekonstruiert (dunklere Färbung). Der Hautdefekt am Rücken wird entweder vernäht oder sukzessive mit oberen Hautschichten etwa aus dem Oberschenkel gedeckt.

4. Exkurs: das Mammakarzinom. Was ist das?
Hier soll kurz der eigentliche Themenbereich verlassen und auf die Erkrankung hingewiesen werden, die am häufigsten eine Rekonstruktion der Brust notwendig macht: das Mammakarzinom bzw. die bösartige Krebserkrankung der Brust. Hierbei handelt es sich um den häufigsten bösartigen Tumor der Frau (18% aller Krebserkrankungen der Frau). Pro 1 Mio. Einwohner erkranken im Jahr ca. 700 Frauen. Mediziner unterscheiden als Hauptvarianten das duktale sowie das lobuläre Karzinom. Hauptsächlich macht sich ein Mammakarzinom als tastbarer, eher derber, kaum verschiebbarer Knoten bemerkbar. Da die Frau ihre Brust selbst am besten kennt, wird ein solcher Knoten oft von ihr selbst entdeckt. Eine weitere häufige Diagnosemöglichkeit ist die Mammografie oder die Röntgenuntersuchung der Brust. Je nach Ausbreitung der Krebserkrankung kommen unterschiedliche Therapieformen in Betracht: Bestrahlung, Chemotherapie oder Operation. Letzterer wird heutzutage im Wesentlichen brusterhaltend durchgeführt. Nichtsdestotrotz kann eine teilweise Rekonstruktion der Brust notwendig werden.

5. Wie wird eine Brust vergrößert?
Die häufigste Form einer Brustvergrößerung unter „normalen Umständen“ ist sicherlich die Einbringung eines Implantates. Prinzipiell ist natürlich auch die Methode unter Punkt 3 verwendbar, jedoch ist diese sicherlich nicht besonders gängig. Vor einer Operation sollte möglichst eine Kontrolle des Gewebes durch Mammografie oder Ultraschall erfolgen, um eine genaue Kenntnis über den Zustand des Gewebes (und eine eventuell bestehende Erkrankung) zu erhalten. Immer wieder wird auch eine Brustvergrößerung mittels körpereigenem Fettgewebe (gewonnen durch Fettabsaugung) angeboten. Dies kann nur als unseriöse Praktik bezeichnet werden; das Risiko steht hierbei in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen: Eigenfett kann absterben und das Entstehen von Zysten oder Abszessen bzw. entzündlichen Reaktionen fördern. Die eigentliche Operation zum Einsetzen eines Implantates ist nur ein kleiner Eingriff: ein Schnitt wird in er Achselhöhle, der Unterbrustfalte oder im Bereich des Brustwarzenvorhofes gesetzt. Durch diese Öffnung hindurch wird ein Hohlraum erzeugt, in den ein Implantat eingebracht werden kann. Ein Implantat kann entweder unter oder über den Brustmuskel eingebracht werden. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, die am besten individuell mit dem behandelnden Arzt diskutiert werden sollten.

6. Was für Implantate werden benutzt?
Nach der Form unterscheidet man anatomische von runden Implantaten. Beide Varianten können oberhalb bzw. unterhalb des Brustmuskels eingesetzt werden. Wird ein Implantat unter den Muskel eingebracht, so ist seine Form besser durch das darüberliegende Gewebe verborgen. Wird der Brustmuskel bewegt, kommt es allerdings auch zu einer sichtbaren Bewegung des Implantates. Anatomische Einlagen bergen, bedingt durch ihre Form, ein erhöhtes Risiko einer Drehung. Dabei kann es vorkommen, dass sich eine unerwünschte Silhouette nach aussen abzeichnet. Das Material, welches implantiert wird, besteht in den meisten Fällen aus Silikon. Möglich sind aber auch Varianten wie Hydrogel oder, heute veraltet, Sojaöl. Generell sollte das verwendete Material inert, also nicht mit dem umliegenden Gewebe reaktiv sein, so dass auch im Falle einer Beschädigung keine ernsten Konsequenzen resultieren. Manche Materialien existieren auch in anatomisch günstigeren Formen als andere; Silikoneinlagen sind beispielsweise in der sog. Tropfenform erhältlich. Hydrogel gilt als besonders günstig in der Vorbeugung der so genannten Kapselfibrose.

7. Wie wird eine Brust verkleinert?
Eine Brustverkleinerung kommt im Allgemeinen dann in Frage, wenn Beschwerden im Bereich des Rückens, der Schultern oder des Nackens entstehen. Durch eine so genannte Reduktionsplastik kann das Gewicht und die Größe einer natürlichen Brust verringert werden; ein aktiverer Lebensstil wird so wieder möglich. Ein Vorteil eines solchen Eingriffes am Rande: die Ästhetik der Brust verbessert sich durch eine gleichzeitig erfolgende Straffung. Technisch wird bei einer Mammareduktion zunächst die Brustwarze umschnitten und der Schnitt bis zur Unterbrustfalte fortgesetzt. Überflüssiges Fettgewebe sowie kann nun entfernt werden. Wird sehr viel Material entfernt, kann es nötig werden, die Brustwarze von ihrem Untergrund zu lösen und an neuer Stelle zu fixieren. Schlussendlich resultiert eine umgekehrt T-förmige bzw. eine vertikale Narbe.

8. Was für allgemeine Risiken gibt es bei einer solchen Operation der Brust?
Operationen an der Brust sind kleine Eingriffe. Werden sie nicht fachgerecht durchgeführt, können jedoch neben medizinischen Risiken auch ästhetisch unbefriedigende Ergebnisse entstehen. Deshalb ist es besonders wichtig, nicht primär auf den Preis zu achten. Die heutzutage zu beobachtende Tendenz, operative Eingriffe aus Kostengründen im Ausland durchführen zu lassen, ist vor diesem Hintergrund als bedenklich zu bezeichnen. Medizinisch besteht bei jeder Verletzung der Haut ein Risiko von Infektion oder Blutung. Werden notwendige Gefäße durchtrennt, so können nach der Operation Durchblutungsstörungen auftreten. Dies gilt in besonderem Maße für Raucherinnen. Letzte Konsequenz eines solchen Zwischenfalls kann ein Gewebsverlust sein. Möglich ist auch eine Beeinträchtigung der nervlichen Versorgung der Brust. Lokale Gefühllosigkeit kann die Folge sein.

Bei Implantatoperationen besteht die Möglichkeit einer lokalen Gewebereaktion im Sinne einer Kapselbildung, also einer Verhärtung von Bindegewebe um beispielsweise das Silikonkissen herum. Wird ein Implantat beschädigt, so kann das umliegende Gewebe mit einer Fremdkörperreaktion antworten.

9. Wird eine solche Operation von den Krankenkassen getragen?
Eine Brustvergrößerung fällt oft in den Bereich der so genannten ästhetischen Chirurgie. Dies bedeutet, dass medizinisch keine eigentliche Indikation zu einer Operation besteht. Ausnahmefälle sind bei starker psychischer Belastung oder angeborenen Defekten zu suchen. In letzteren Fällen ist meist eine Kostenübernahme durch gesetzliche Versicherungsträger möglich, in ersteren nicht. Brustverkleinerungen werden in der Regel dann bezahlt, wenn pro Brust durch die Operation ein Gewicht von etwa 400 g entfernt werden kann. Im Falle einer Brustentfernung aufgrund einer Krebserkrankung sind Brustaufbau bzw. -rekonstruktion natürlich auch im Rahmen einer gesetzlichen Krankenkasse möglich. Da jedoch viele individuelle Regelungen beachtet werden müssen, sollten Sie sich, falls Sie sich für eine Operation der Brust interessieren, am besten individuell von einem Arzt Ihres Vertrauens bzw. Ihrer Krankenkasse beraten lassen.

10. Wohin kann ich mich mit weitergehenden Fragen wenden?
Lassen Sie sich am besten von einem qualifizierten Arzt beraten. Bei der Suche nach einem solchen helfen Ihnen die grossen chirurgischen Fachgesellschaften der Plastischen Chirurgie, die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V, die Deutsche Gesellschaft für plastische und Wiederherstellungschirurgie oder die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen weiter.

  • Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V,
    Frau Simone Schloeter
    Königsteiner Straße 55a
    65812 Bad Soden a. T.Tel: 06196 6524923
    Fax: 06196 6524925
    E-Mail: info@gacd.de
    Internet: www.gacd.de
  • Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie e.V.
    Diakoniekrankenhaus Rotenburg (Wümme) gGmbH
    Elise-Averdieck-Str. 17
    27356 Rotenburg (Wümme)Tel.: 04261 77 2126, 2127
    Fax: 04261 77 2128
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  • Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen
    Geschäftsstelle: Luisenstraße 58/59
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