Schilddrüse

10 Fragen und 10 kurze Antworten Schilddrüsenfunktion

Wenige Organe spielen bei unserem Wohlbefinden eine so große Rolle wie unsere Schilddrüse. Die von ihr produzierten lebenswichtigen Hormone bringen den Körper "in Schwung". Fehlen diese oder können sie nicht richtig wirken, so spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), dem Thema unsere heutigen Fragen und Antworten. Unsere Schilddrüse: ein Organ, das nicht nur bei Laune hält, sondern auch intelligent macht.

Was versteht man unter einer Schilddrüsenunterfunktion?
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsartiges Organ, das sich vor der Luftröhre und unterhalb des Kehlkopfes befindet. Es stellt die Versorgung des Körpers mit den Hormonen T3 und T4 sicher. Diese haben auf die eine oder andere Art eine Funktion in fast allen Bereichen unseres Körpers. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, benötigt die Schilddrüse Jod, welches wir mit der Nahrung zu uns nehmen müssen. Deutschland gilt als Jodmangelgebiet, was bedeutet, dass eine Jodversorgung allein aus gängigen Nahrungsmitteln im Allgemeinen nicht ausreicht. "Oberbefehlshaber" der Schilddrüse ist die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse. Sie sorgt mit ihrem Steuerungsstoff TSH dafür, dass die Schilddrüse stets genug Hormon (T3 und T4) produziert. Finden sich nicht genug Hormone im Blut, dann spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion.
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Kann man sie einfach nachweisen?
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann meist mit einem Bluttest nachgewiesen werden. Zusätzlich deutet oft das äußere Erscheinungsbild des Patienten auf eine Fehlfunktion dieses Organs hin. Typischerweise wird zunächst die Konzentration des oben genannte Steuerungshormons TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyroidea=Schilddrüse) in einer Blutprobe bestimmt. Ist es erniedrigt, dann hat die TSH-ausschüttende Drüse, die Hypophyse, genug Schilddrüsenhormone im Blut erspürt und auf eine weitere Anregung der Thyroidea verzichtet. Ist es erhöht, so liegt ein Zustand vor, in dem zu wenig T3 und/oder T4 im Blut vorliegen. Ein Grund für die Hypophyse, die Produktion anzukoppeln. In manchen Fällen können zusätzlich zu diesem einfachen "Screeningtest" weitere Untersuchungen notwendig werden.
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Gibt es typische äußere Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion?
Wie oben schon angedeutet, spielen Schilddrüsenhormone in fast allen Organen unseres Körpers eine Rolle. Es verwundert deshalb nicht, dass auch die Symptome einer Unterversorgung mit T3 und T4 vielgestaltig sein können. In ihrer Summe sind sie aber für diese Krankheit relativ typisch. Liegt zuwenig T3 und/oder T4 im Blut vor, so fühlen sich die Patienten häufig schlapp, leistungsunfähig. Der rechte Antrieb fehlt, man hat zu nichts Lust. Kälte wird schlecht vertragen. Die Haut ist trocken und kühl, das Haar brüchig. Oft leiden Betroffene an Verstopfung. Die Stimme ist heiser. Der Herzschlag ist oft verlangsamt. Gelegentlich kommt es im Verlauf zur Entwicklung einer Herzschwäche. Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion spüren nicht selten die Auswirkungen dieses Zustandes auf ihre Geschlechtsorgane: der weibliche Zyklus kann gestört sein, die Spermienproduktion beim Mann vermindert. Schilddrüsenfunktionsstörungen können so für eine Unfruchtbarkeit verantwortlich sein. Speziell im Alter kann sich hinter einer depressiven Stimmungslage auch oft eine Hormonstörung verbergen.
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Wie entsteht ein Mangel an Schilddrüsenhormon und wie behandelt man ihn?
Zunächst einmal ist zwischen einem angeborenem und einem erworbenen Mangel zu unterscheiden. Eines von 5000 Neugeborenen kann per se nicht genügend Schilddrüsenhormone bilden. Bis zum Alter von 40 ist diese Erkrankung dann eher selten, im höheren Lebensalter ist die Ursache oft in einer Entzündung der Schilddrüse zu sehen. Sehr häufig (50%) ist es auch schwierig, die eigentliche Ursache festzustellen; es fehlt einfach das Hormon, ohne dass es gelingen würde, für diese Tatsache einen Grund zu finden. Man spricht dann von einer idiopathischen Hypothyreose. Seltener ist die Ursache in Medikamenten zu suchen oder in einer Geschwulst, die auf die Schilddrüse drückt und so die Funktion beeinträüchtigt. Natürlich kann auch die Funktion des "Aufpassers", der Hypophyse, gestört sein. Es leuchtet auch dem medizinischen Laien ein: im Falle eines Mangels ist es am besten, das Fehlende zu ersetzen, sofern nicht Medikamente oder andere beeinflußbare Ursachen hinter der geringen Hormonproduktion stehen. Glücklicherweise ist die Medizin heute in der Lage, dies zu tun. In der Regel wird das fehlende Hormon T4 gegeben, da es im Körper in genügend großer Menge in T3, den "Bruder" des T4, umgewandelt wird.
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Welche Rolle spielt die Ernährung bei einer Schilddrüsenunterfunktion?
Besteht eine Schilddrüsenunterfunktion, so sollten gewisse Regeln der Ernährung beachtet werden. Manches Nahrungsmittel kann nämlich die Produktion von Schilddrüsenhormonen noch verringern; dies geschieht hauptsächlich dadurch, dass einem wesentlichen Grundbaustein dieser Botenstoffe, dem Jod, der Zugang zur Schilddrüse erschwert wird. Zu nennen sind hier Mais, Rüben, Kohl, Rettich, Radieschen und Gartenkresse. Auch Umweltgifte wie Fungizide, Herbizide, oder Insektizide haben eine ähnliche Wirkung. Niemand hält sich aber vermutlich gerne in der Nähe dieser Stoffe auf, mit oder ohne Schilddrüsenunterfunktion. Sie sind hier mehr der Vollständigkeit halber genannt, wenngleich sie in Spuren natürlich in Nahrungsmitteln vorkommen. Letztlich kann aber auch durch eine besonders sorgsame Ernährung eine Medikamenteneinnahme in der Regel nicht vermieden werden, sie ist aber sicherlich eine ergänzende Maßnahme.
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Wie kann eine Entzündung zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen?
Wir haben weiter oben gehört, dass eine häufige Ursache einer Unterfunktion der Schilddrüse eine Entzündung sein kann. Wie kann diese nun entstehen? Zur Erklärung müssen wir einen kleinen Streifzug in das Immunsystem unseres Körpers machen. Dringen Schädlinge in unseren Körper ein, so wird ein äußerst komplexes System aus Abwehrmaßnahmen aktiv. Ein wesentlicher Bestandteil davon sind die sogenannten Antikörper – Proteine, die in der Lage sind, fremde Strukturen zu erkennen und somit einen Angriff auf unseren Körper wirksam abzuwehren. Aus nicht immer gut verstandenen Gründen bilden sich aber gelegentlich Antikörper gegen Bestandteile unseres eigenen Körpers. Man mutmaßt, dass dieser Bildung allerdings meist Viren oder Bakterien zugrundeliegen, die den körpereigenen Strukturen ähneln. So etwas gibt es auch bei der Schilddrüse: hier steht zum Beispiel eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus im Verdacht, die Attacke auf die Schilddrüse auszulösen. Dies löst dann eine Entzündung des Gewebes aus. Die hormonbildenden Zellen werden in der Folge funktionsuntüchtig und es entsteht ein Mangel an T3 und T4.
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Weshalb ist eine funktionierende Schilddrüse im Kindesalter wichtig?
Eine funktionierende Schilddrüse hält den Körper in Bewegung und sorgt für seine Entwicklung. Besonders wichtig ist dies natürlich in Phasen, in denen der Körper stark wächst. Es ist deshalb Routine, die Funktion der Schilddrüse nach der Geburt zu untersuchen. Gelegentlich ist nämlich bei der Anlage dieses Organs nicht alles mit rechten Dingen zugegangen: die Thyroidea kann zu klein sein, am falschen Ort liegen oder gar ganz fehlen. Werden in Folge dieser Fehlbildungen zu wenig Hormone gebildet, so ist die Zeit knapp. Es gilt die Faustregel, dass drei Wochen nach der Geburt eine angeborene Hypothyreose erkannt sein muss. Wesentlich schlägt sich nämlich die sonst beeinträchtigte Entwicklung im wichtigsten Organ des Nervensystems, dem Gehirn nieder: Intelligenzdefekte sind die Folge. Der Besuch einer höheren Schule kann bereits unmöglich sein.
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Was versteht man unter Radioiodtherapie?
Als Radiojodtherapie bezeichnet man die Behandlung unterschiedlicher Schilddrüsenerkrankungen mit radioaktivem Jod. Dieses wird in die Schilddrüse aufgenommen und zerstört dort kontrolliert das Gewebe. Notwendig werden kann eine solche Therapie beispielsweise beim Morbus Basedow, der klassischen Schilddrüsenüberfunktion, bei der Antikörper die Schilddrüse zu einer Mehrproduktion von Hormonen anregen oder auch beim häufigen Kropf aufgrund eines Jodmangels. Eine Radiojodtherapie wird meist gut vertragen; es gibt auch keine Hinweise auf eine Erhöhung des Risikos einer Krebserkrankung. Obwohl mit dieser Therapie die zugrundeliegende Erkrankung ausgeschaltet wird, schafft sie doch in der Mehrzahl der Fälle ein neues Problem: nach der Therapie ist die Schilddrüse regelmäßig nicht mehr in der Lage, Schilddrüsenhormone zu produzieren. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist die Folge und ein lebenslanger Ersatz erforderlich.
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Was müssen speziell Frauen in Bezug auf die Schilddrüse beachten?
Zwei Perioden im Leben einer Frau verdienen hinsichtlich der Schilddrüse besondere Beachtung: eine Schwangerschaft sowie die Zeit der Wechseljahre.
Möchte eine Frau ein Kind zur Welt bringen, so sollte vor dieser Entscheidung der Status der Schilddrüsenhormone geprüft werden: in Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass bei etwa 2% der Schwangeren eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dies kann schwere Konsequenzen haben: die Rate der Fehlgeburten dieser Mütter ist deutlich erhöht. Und auch die geistige Entwicklung von Kindern dieser Mütter ist unter Umständen beeinträchtigt. Was bereits oben für den Zeitraum nach der Geburt erläutert wurde gilt analog auch für die Schwangerschaft: Kinder von Müttern mit einer Hypothyreose schnitten in Intelligenztests im Durchschnitt schlechter ab als Vergleichspersonen. In den Wechseljahren einer Frau spielt die Schilddrüse dahingehend eine Rolle, dass viele der "typischen" Syptome der dieses Lebensabschnitts einer Frau unter Umständen auch einer Schilddrüsenfunktionsstörung zuzuschreiben sind. Hier sollte darauf geachtet werden, dass nicht die eine Erkrankung die Diagnose der anderen verschleiert.
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Wer berät mich bei weitergehenden Fragen?
Sollten Sie weitergehende Fragen zur Thematik Schilddrüse haben, so können Sie sich vertrauensvoll an Ihren Hausarzt wenden. Auf der Seite der Patientenselbsthilfe existiert mit der Schilddrüsenlige in Deutschland eine Dachvereinigung der zu diesem Thema zugehörigen Selbsthilfegruppen. Neben Kontakt zu anderen Betroffenen erhalten Sie hier eine Vielzahl weiterführender Hinweise rund um die Schilddrüse.

Linktipp für Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen
Aktuelle Informationen von Betroffenen und Angehörigen bietet die Selbsthilfegruppe "Die Schmetterlinge e. V." in ihrem umfassenden Forum-Angebot. Darüber hinaus bietet der Verein auch telefonische Hilfe an:

Die Schmetterlinge e. V.
sd-bv.de
E-Mail: mailto:info@sd-bv.de

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