Venenerkrankungen

Venenerkrankungen – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

Venenerkrankungen, insbesondere die chronisch venöse Insuffizienz der Beinvenen, besitzen eine große medizinische und sozioökonomische Bedeutung. In der Bundesrepublik Deutschland sind Venenerkrankungen eine Volkskrankheit, da circa 30% der Bevölkerung unter Erkrankungen der Venen leiden. Die jährlichen Krankheitskosten für Behandlung, Arbeitsausfall und Berentung als Folge von Venenleiden werden höher als 500 Millionen Euro veranschlagt.

  1. Was sind Venen und wie funktionieren sie?
  2. Was ist die so genannte Varikose?
  3. Wie äußert sich eine primäre Varikose?
  4. Was unterscheidet die sekundäre von der primären Varikose?
  5. Was ist eine Phlebothrombose?
  6. Wie wird eine Phlebothrombose ausgelöst, diagnostiziert und therapiert?
  7. Was ist ein Venengeschwür?
  8. Wie wird ein Venengeschwür therapiert?
  9. Was ist eine Venenentzündung?
  10. Weitere Informationen, Anlaufstellen….

1. Venen: Was sind Venen und wie funktionieren sie?
Venen sind Gefäße, die das nähr- und sauerstoffarme Blut zum Herzen transportieren. Da in Venen der Blutdruck niedriger ist als in Arterien, die das Blut vom Herzen weg transportieren, fließt es in den Venen viel langsamer als in den Arterien. Außerdem befindet sich etwa viermal mehr Blut in den Venen als in den Arterien. Um die gleiche Menge transportieren zu können, sind Anzahl und Durchmesser der Venen größer als die der Arterien. Da der in Venen herrschende Druck nicht ausreicht, das Blut selbsttätig aus Armen, Beinen und Körperstamm in Richtung Herz zurück zu pumpen, muss das Blut durch Druck von außen herzwärts transportiert werden. Dieser Druck wird vorrangig von der Skelettmuskelpumpe erzeugt. Durch das Zusammenziehen der Skelettmuskeln werden die in der Nachbarschaft verlaufenden tiefen Venen verengt. Dadurch wird das in ihnen fließende Blut herzwärts gedrückt.

Damit das venöse Blut nicht wieder zurückfließen kann, besitzen die Venen in Abständen Venenklappen, die wie Rückschlagventile funktionieren. Wird nun von der umgebenden Muskulatur kein Druck mehr aufgebaut, fließt das Blut zum Teil zurück. Dadurch werden die Klappensegel passiv aufgebläht, verschließen die Gefäßöffnung und verhindern so ein weiteres Zurückfließen des Blutes.

Normalerweise fließen 90% des Blutes über die tiefen Venen und 10% über die oberflächlichen Venen zum Herzen. Das Blut der oberflächlichen Venen gelangt dabei über Querverbindungen zwischen den Gefäßen den so genannten Perforantes, in die tiefen Venen.
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2. Varizen: Was ist die so genannte Varikose?
Krampfadern, medizinisch Varizen genannt, sind krankhaft veränderte Venen. Überwiegend treten sie an den Unterschenkeln auf. Charakteristisch sind ein vergrößerter Durchmesser mit zum Teil sackartigen oder schlauchförmigen Erweiterungen und einer Gefäßverlängerung mit Schlängelungen und Bildungen von Knäulen. In den Krampfadern ist die Klappenfunktion, die einen Rückfluß des Blutes verhindert, verloren gegangen.

Durch den venösen Stau kommt es zu einer erhöhten Volumen- und Druckbelastung in diesen Gefäßen. In weiterer Folge kommt es zu einer Umkehr der Strömung. Das venöse Blut fließt nun in die falsche Richtung, nämlich von den tiefen zu den oberflächlichen Venen, die dadurch zunehmend überlastet werden. Der Überlastung der oberflächlichen Venen folgt, dass das Blut schließlich in den unteren Venenabschnitten versackt. Von außen betrachtet sind dies die Krampfadern.

Je nach Lokalisation werden drei verschiedene Krampfadertypen unterschieden:

  • suprafasziale, die von den oberflächlichen Venen ausgehen
  • transfasziale, die von den Gefäßverbindungen zwischen oberflächlichen und tiefen Venen ausgehen
  • subfasziale Formen, die von tiefen Venen ausgehen

Häufig finden sich Kombinationen verschiedener Formen.
Außerdem gibt es sowohl eine primäre als auch eine sekundäre Varikose.
Etwa 40% aller Erwachsenen haben Krampfadern unterschiedlichen Schweregrades, wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind.
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3. Varikose: Wie äußert sich die primäre Varikose?
Die primäre Varikose, im Volksmund das Krampfader-Leiden genannt, beginnt meist schon im frühen Erwachsenenalter. Wichtige Faktoren für die Entstehung sind die familiäre Vorbelastung mit einer angeborenen Venenwandschwäche sowie das Alter, begünstigt durch zusätzliche Belastungen wie eine sitzende oder stehende Tätigkeit, Schwangerschaft und Übergewicht. Am häufigsten ist eine an der Oberfläche gelegene Vene betroffen, die so genannte Vena saphena magna. Es können jedoch auch alle Venenabschnitte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Als Beschwerden werden meist ein Schwere- oder Spannungsgefühl in den Beinen empfunden, besonders abends und unter Belastungsbedingungen wie langem Stehen, Sitzen und Wärme. Die primäre Varikose wird vom Arzt vor allem mittels einer Ultraschalluntersuchung diagnostiziert. Die Untersuchung verläuft in der Regel schmerzfrei. Unbehandelt schreitet die Krankheit fort und endet in einer so genannten chronisch venösen Insuffizienz. Als Komplikationen können Entzündungen der und Blutungen aus den erkrankten Venen auftreten. Behandelt werden Krampfadern mit dem Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe oder dem Anlegen von Kompressionsverbänden. Außerdem können sie mittels eines kleinen ärztlichen Eingriffs verödet werden. Eine andere Methode ist das Venen-Stripping, bei dem die krankhaften Venen gezogen werden. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist auch eine ausreichende Bewegung, um die Muskelpumpen zu aktivieren. Langes Sitzen, Stehen und Überwärmung der Beine sollten ebenso vermieden werden. Übergewicht sollte abgebaut werden.
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4. Was unterscheidet die sekundäre von der primären Varikose?

Eine sekundäre Varikose entsteht nach einem Krankheitsereignis wie zum Beispiel einer Bildung von Blutgerinnseln in einer tiefen Vene, der so genannten tiefen Beinvenenthrombose. Es kommt also erst in der Folge zur Bildung von Krampfadern, da sich das Blut einen neuen Weg bahnen muss.
Die sekundäre Varikose ist häufig schwächer ausgeprägt als die primäre. Außerdem tritt sie meist einseitig auf. Charakteristisch ist eine Bildung von Krampfadern am Fußinnenrand (Corona phlebectatica paraplantaris).

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Eine isolierte Behandlung sichtbarer Krampfadern mittels Verödung oder Operation ist nutzlos, teilweise sogar schädlich. Meistens wird lediglich eine Kompressionstherapie durchgeführt.
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5. Was ist eine Phlebothrombose?
Mit Phlebothrombose ist eine mit zunehmendem Alter häufige, gefährliche Erkrankung gemeint, bei der es aus verschiedenen Gründen zu einer Bildung von Blutgerinnseln in den Venen kommt.

Folgen einer Gerinnselbildung können sein:

  • bläuliche Verfärbung
  • Beinschwellung
  • Beinüberwärmung
  • Hervortreten der Venen
  • Schmerz
  • Pulsanstieg
  • erhöhte Temperatur

Als folgenreiche Komplikation können sich Gerinnsel in den Lungengefäßen ansiedeln und schließlich zu einem durchaus tödlichen Lungenversagen führen, was in der Fachsprache als Lungenembolie bezeichnet wird. Auch die Entstehung eines "offenen Beines", postthrombotisches Syndrom genannt, ist eine mögliche Folge der Thrombose.
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6. Wie wird eine Phlebothrombose ausgelöst, diagnostiziert und therapiert?
Für eine Phlebothrombose gibt es verschiedene auslösende oder begünstigende Faktoren. Die bekanntesten sind:

  • Krampfadern
  • Bettlägerigkeit, langes Sitzen, vor allem bei Flug-, Zug- und Autoreisen
  • mangelnde Flüssigkeitsaufnahme
  • Operationen, vor allem im Beckenbereich
  • Unfallbedingte Beinverletzungen
  • hormonelle Verhütungsmittel, zum Beispiel die "Pille"
  • Nikotin
  • Störungen im Gerinnungssystem, die zu einer verstärkten Gerinnungsneigung führen
  • Übergewicht
  • Einengung der Gefäße im Beckenbereich

Die Diagnose der Erkrankung erfolgt unter anderem mittels Beinumfang-Messung, Ultraschalluntersuchung und dem so genannten D-Dimer-Test, bei dem im Blut Bestandteile des Gerinnsels nachgewiesen werden können. Bei einer frischen Thrombose, vor allem bei jungen Erwachsenen, sollte eine so genannte Frühtherapie durchgeführt werden, bei der der Thrombus entweder operativ entfernt wird oder mittels Medikamenten "aufgelöst" wird. Meist jedoch kommt eine Therapie in Frage, die ein weiteres Voranschreiten der Erkrankung, eine Verhinderung der Lungenembolie und des postthrombotischen Syndroms zum Ziel hat. Dabei wird Heparin verabreicht, ein Medikament, das zu einer Verdünnung des Blutes führt. Auch bei einer Thrombose wird zusätzlich eine Kompressionstherapie durchgeführt. Ob die Verordnung von Bettruhe erforderlich ist, wird unter Medizinern noch diskutiert.
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7. Was ist ein Venengeschwür?
Ein Venengeschwür, das venöse Ulcus cruris, stellt das Endstadium der meisten Venenerkrankungen dar und ist in seiner Entstehungsweise uneinheitlich. Meist entwickelt es sich auf dem Boden bestehender Gewebsveränderungen, ausgelöst durch äußere Einwirkungen. Es kann aber auch unvorhergesehen, also spontan zur Entstehung eines Venegeschwürs kommen. Häufig tritt es in der Knöchelregion am Unterschenkel auf. Nach Ort des Auftretens werden verschiedene Formen beschrieben.

Das venöse Ulkus cruris ist aufgrund der Abflussstörung beziehungsweise der Stauung grundsätzlich feucht, der Ulkusgrund ist schmierig-gelblich belegt. Subjektiv bestehen meist nur wenig Schmerzen. Häufig kommt es mit der Zeit zu einer Infektion der Wunde. Typisch sind auch Blutungen aus der Wunde. Selten entsteht eine Krebserkrankung. Je tiefer das Geschwür liegt, desto schwieriger gestaltet sich eine mögliche Therapie. Folglich werden auch die Ergebnisse schlechter.
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8. Wie wird ein Venengeschwür therapiert?

  • 1. Lokale Wundbehandlung:
    Grundsätze der Therapie sind ein Feuchthalten des betroffenen Gebietes und eine Vermeidung von Infektionen.
    – Debridement: Wundreinigung (Entfernung von abgestorbenem
    Gewebe, Krusten und Belägen
    – Antiinfektiöse Behandlung: desinfizierende Umschläge
    – Regenerationsfördernde Behandlung: Feuchtbehandlung mit

    "interaktiven Wundverbänden". Alternativ auch
    Vakuumversiegelungs- technik. Später Deckung durch Hauttransplantat.

  • 2.) Therapie der Grunderkrankung:
    Kompressionstherapie oder venenoperative Eingriffe

  • 3.) Präventive Maßnahmen:

    Behandlung bereits in Frühstadien der Erkrankung

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9. Was ist eine Venenentzündung?
Eine umschriebene Entzündung der Venenwand und deren Umgebung mit Gerinnselbildung und Gefäßverschluss wird in der Medizin als Thrombophlebitis bezeichnet.

Zu 90% entwickelt sich eine Thrombophlebitis im Bereich eines unterschiedlich langen Krampfader-Abschnitts. Man spricht dann von einer Varikophlebitis.
Es besteht ein schmerzhafter, derb tastbarer, geröteter und überwärmter Strang, jedoch keine Beinschwellung. Selten greift die Entzündung auf die tiefen Beinvenen über. Meist wird eine Thrombophlebitis mittels Kompressionsverband behandelt. Begleitend können Medikamente gegeben werden, die gegen Schmerzen und Entzündung wirken.
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10. Weitere Informationen, Anlaufstellen….

Forum FOCUS-online

(N.Koch-Khoury, MEDIZIN ASPEKTE)

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