Gicht

Ist der Spiegel an Harnsäure zu hoch, so kommt es schnell zu Gelenkentzündungen und Gicht. Durch eine purinarme Ernährung kann man die Menge an Harnsäure reduzieren. Die Veranlagung für Gicht ist erblich. Ihre Entstehung wird aber maßgeblich durch falsche Ernährungsgewohnheiten beeinflusst.

Gicht – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Was versteht man unter Harnsäure?
Harnsäure-Kristalle – ein Wort mit dem wir vor allem Ästhetik verbinden. Eine chemische Substanz, die in einer festen Systematik geordnet sind. Gänzlich unerwünscht ist die Kristallbildung der Harnsäure jedoch, wenn sie in unseren Gelenken auftritt. Die Folge ist ein akuter Gichtanfall – eine Konsequenz unseres Wohlstandslebens. Die Harnsäure ist eine Substanz, die im Körper im Wesentlichen durch den Abbau von Purinen anfällt. Purine sind Bestandteile der DNA, unserer Erbsubstanz, und deshalb in jeder tierischen oder pflanzlichen Zelle vorhanden. Zu kleinen Teilen wird die Harnsäure im Körper auch selbst produziert. Purine oder Harnsäure an sich sind unschädlich. Erst wenn das streng regulierte Gleichgewicht von Auf- und Abbau der Purine oder Produktion und Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es zu Problemen. Der Mediziner unterscheidet „primär“ und „sekundär“ erhöhte Harnsäurespiegel.

2. Wieso kann die Harnsäure erhöht sein?
Primäre Ursachen vermehrten Anfallens von Harnsäure im Blut umfassen auf der einen Seite die verminderte Ausscheidung über die Niere, die am häufigsten bei falscher Ernährung (purinreiche Kost) und Übergewicht auftritt. Sehr selten können bestimmte Störungen der in den Stoffwechsel der Purine eingebundenen Enzyme für einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut sorgen. Am häufigsten unter diesen sehr seltenen Erkrankungen ist das Lesch-Nyhan-Syndrom. Harnsäureerhöhung aufgrund einer anderen Erkrankung („sekundär“) kommt vor bei vermehrter Bildung oder Freisetzung von Erbsubstanz, beispielsweise bei Leukämien und anderen Krebserkrankungen unter Therapie oder beider vermehrten Zersetzung roter Blutkörperchen („Hämolyse“). Schließlich ist noch die große Gruppe der durch die Niere bedingten Harnsäureerhöhungen zu nennen, die aus verschiedensten Gründen die Ausscheidung der Harnsäure beeinträchtigen können.
Weitere Informationen
Dr. Mauersberg/Wald: Gicht
Charité Berlin: Harnsäure-Test

3. Was ist das Wohlstands-Syndrom und was hat es mit Gicht zu tun?
Das Wohlstandssyndrom oder „metabolisches Syndrom“, wie es auch genannt wird, umfaßt wesentliche Erkrankungen der modernen Gesellschaft: Übergewicht, Zuckerkrankheit oder Vorstufen davon, Fettstoffwechselstörungen sowie Bluthochdruck. Gicht zeigt ein erhöhtes Auftreten in Zusammenhang mit diesen Erkrankungen, die alle miteinander in Beziehung stehen. Auslösende Faktoren sind neben Übergewicht auch eine dadurch bedingte verminderte Ansprechbarkeit der Muskelzellen auf Zucker mit im Blut ansteigenden Insulinspiegeln. Das metabolische Syndrom begünstigt das Entstehen einer Arterienverkalkung.
Weitere Informationen
Diabetesgate.de: Insulinresistenz

4. Wie kann man Gicht und erhöhte Harnsäure diagnostizieren?
Bei der Erkennung der Erkrankung helfen das persönliche Gespräch (Ananmese), das typische Erscheinungsbild sowie bestimmte Laborparameter. Gicht muß nicht immer zwangsläufig Beschwerden machen. Leicht erhöhte Harnsäurespiegel können über Jahre ohne Symptome bestehen. Ebenso kann ein akuter Gichtanfall auch ohne erhöhte Harnsäure auftreten. Das am häufigsten befallene Gelenk ist das Großzehengrundgelenk, das gerötet und druck- und berührungsempfindlich ist. Seltener ist das Knie- oder Sprunggelenk betroffen. Die Entzündungsreaktion kann mit Fieber einhergehen. Neben der Bestimmung der Harnsäure im Blut helfen spezielle Tests, die Diagnose zu sichern (Harnsäureausscheidung in 24 h, Verhältnis von Harnsäure zu Kreatinin etc.) Bei unklaren Beschwerden kann der Colchizintest hilfreich sein.
Weitere Informationen
Wikipdedia: Colchezin

5. Was passiert beim Gichtanfall?
Wie einleitend bemerkt, sind das wesentliche Übel eines Gichtanfalls die Kristalle, die sich bei übermäßiger Harnsäurekonzentration im Blut in der Gelenkflüssigkeit bilden können. Um sie zu beseitigen, werden sie von spezialisierten „Freßzellen“ aufgenommen, die sie aber nicht „verdauen“ können. Dies führt zur Freisetzung von Entzündungsstoffen.

6. In welchen Stadien kann ein Gichtanfall verlaufen?
Das „Entwicklungsstadium“ entspricht der erhöhten Harnsäure ohne wesentliche Symptome. Übermäßige Nahrungsaufnahme oder Fasten können dieses Stadium in einen akuten Gichtanfall überführen. Wie bereits erwähnt, muß im akuten Anfall die Harnsäure nicht erhöht sein. Zwischen zwei Gichtanfällen spricht man vom sogenannten interkritischen Stadium. Spätfolgen der Gicht sind durch die heute übliche medikamentöse Therapie selten geworden.

7. Wie zeigt sich die heute seltene chronische Gicht?
Wird eine Gicht nicht ausreichend behandelt, so können sich auch noch heute klassische Symptome zeigen. Diese definieren sich im Wesentlichen über Harnsäureablagerungen an verschiedenen Stellen des Körpers – Tophi. Man findet selbige beispielsweise an Ohrmuschel, Großzehe, Ferse, Sehnenscheiden oder Schleimbeuteln. Durch Ablagerungen zwischen zwei Knochen fallen im Röntgenbild weiterhin Defekte auf. Die Niere kann ebenfalls Zielorgan sein. Dies äußert sich dann in Form von Nierensteinen, die auf dem Röntgenbild nicht sichtbar sind. Menschen, die unter dieser Form der Gicht leiden, haben überzufällig häufig Harnwegsinfekte.
Weitere Informationen
Patientenleitlinien: Harnwegsinfekt

8. Wie behandelt man die erhöhte Harnsäure/Gicht?
Eine Therapie der Gicht muß stets verschiedene Ansätze verfolgen. Zunächst einmal ist eine konsequente Nahrungsumstellung, wie detailliert im folgenden Absatz erläutert, notwendig. Extreme Ernährungssituationen wie Fasten oder übermäßige Nahrungsexzesse sollten generell vermieden werden. Alkohol ist einer Gicht ebenfalls nicht förderlich, da die durch bestimmte Metaboliten entstehende Übersäuerung des Blutes die Ausscheidungskapazität der Niere für Harnsäure beeinträchtigt.

Im akuten Anfall einer Gicht ist das Mittel der Wahl Colchizin, der Extrakt der Herbstzeitlosen. Es hemmt die Aktivität der Freßzellen und vermindert so die Entzündungsreaktion. Selbstverständlich sollte auch auf eine ausreichende Schmerzbekämpfung geachtet werden. Zur Dauerbehandlung eignen sich Stoffe, die die Entstehung von Harnsäure vermindern. Mittel der Wahl ist Allopurinol. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass im akuten Anfall eine vorbestehende Allopurinoldosis nicht verändert werden bzw. eine Neugabe vermieden werden sollte.

9. Welche Lebensmittel sind bei Gicht erlaubt und welche nicht?
Allgemein sollte versucht werden, ein normales Gewicht zu erreichen bzw. herbeizuführen. Durch diese Maßnahme kann oft schon eine deutliche Senkung des Harnsäurespiegels erreicht werden. Der Eiweißbedarf sollte nach Möglichkeit nicht über Innereinen, Fleischextrakte, geräucherte Fische oder -konserven gedeckt werden. Geflügelhaut ist ebenfalls äußerst purinreich. Obst und Gemüse sind im allgemeinen gut verträglich – Ausnahmen sind etwa Spinat, Erbsen, Spargel, Linsen oder Erdnüse. Fettreiche Nahrungsmittel sollten nach Möglichkeit nicht aufgenommen werden (Obergrenze 70 g Fett/Tag). Die Trinkmenge sollte um 2 l liegen, um die Ausscheidungsfunktion der Niere zu fördern. Vollkornprodukte und somit langsam verarbeitete Kohlenhydrate sind den „schnellen“ Zuckern vorzuziehen.
Weitere Informationen
Wikipedia: Kohlenhydrate

10. Wo gibt es weitere Informationen?
Spezielle Selbsthilfegruppen zum Thema Gicht existieren nicht. Weitere, allgemeinere Informationen zum Thema Gicht bieten jedoch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder die Deutsche Rheumaliga.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Deutsche Rheumaliga

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