Globalisierung und nachhaltige Ernährung

Pressemitteilung
Nr. 126/2016

Globalisierung und nachhaltige Ernährung
Göttinger Agrarökonomen erforschen Effekte auf Unter- und Überernährung in Entwicklungsländern

Wachsende Handelsverflechtungen, ausländische Direktinvestitionen großer Agribusiness-Konzerne, neue Technologien und sich rasch wandelnde Verbraucherpräferenzen sind nur einige Beispiele für die vielschichtigen Trends im Zuge der Globalisierung. Agrarökonomen der Universität Göttingen haben diese Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Ernährung in den Entwicklungsländern untersucht. Während die positiven Effekte zu überwiegen scheinen, werden auch negative Wirkungen aufgezeigt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Proceedings of the Nutrition Society erschienen.

Ernährungsprobleme sind besonders in Entwicklungsländern weit verbreitet. „Ein Großteil der weltweit hungernden Menschen lebt in ländlichen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas; viele dieser Menschen sind Kleinbauern“, erläutert der Leiter der Studie Prof. Dr. Matin Qaim vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung. Neue Technologien und verbesserter Zugang zu nationalen und internationalen Märkten haben die Erträge und Einkommen in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer erhöht und damit auch die Ernährung verbessert. Allerdings waren Entwicklungen in der Vergangenheit oft auf nur wenige Getreidearten konzentriert, was zu einer Reduktion der Anbauvielfalt beigetragen hat. Mit Blick auf nachhaltige und ausgewogene Ernährung verfolgen neuere Initiativen deswegen einen breiteren Ansatz.

Ebenso untersuchen die Göttinger Wissenschaftler Vermarktungsverträge zwischen Agribusiness-Firmen und Kleinbauern. Verschiedene Beispiele belegen, dass höhere und stabilere Einkommen aus der Vertragslandwirtschaft zu einer besseren Ernährung beitragen. „Je nach Art der Verträge können sich aber auch andere soziale Effekte ergeben, wie zum Beispiel eine veränderte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau“, so Prof. Qaim. „Eine verstärkte Marktausrichtung kleinbäuerlicher Haushalte kann die Stellung der Frau verschlechtern.“ Spezielle Trainingsprogramme können solche Nebeneffekte verhindern.

Gegenstand der Studie sind außerdem die sich verändernden Konsumgewohnheiten städtischer Haushalte in Entwicklungsländern. „Traditionelle Märkte verlieren schrittweise an Bedeutung. Stattdessen breiten sich Supermärkte und andere moderne Einzelhandelsformate aus“, so Prof. Qaim. Daten aus Afrika zeigen, dass Supermärkte durch effizientere Wertschöpfungsketten Lebensmittel teilweise günstiger anbieten können. Niedrige Verbraucherpreise sind gut für die Bekämpfung von städtischer Unterernährung. „Doch die Verschiebung hin zu stärker verarbeiteten Produkten trägt auch zu Übergewicht und Fettleibigkeit bei – Probleme, die inzwischen auch in Entwicklungsländern auf dem Vormarsch sind.“ Prof. Qaim betont, dass weitere interdisziplinäre Forschung nötig ist: „Ein tieferes Verständnis der komplexen Zusammenhänge kann und muss zur besseren Politikgestaltung für nachhaltige Ernährung beitragen.“

Originalveröffentlichung: Matin Qaim (2016) Globalisation of agrifood systems and sustainable nutrition, Proceedings of the Nutrition Society, Doi: 10.1017/S0029665116000598,

Hinweis an die Redaktionen:
Fotos zum Thema haben wir im Internet unter zum Download bereitgestellt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Matin Qaim
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-4806
E-Mail: mqaim@uni-goettingen.de
Internet:

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