Gliomtherapie mit Methadon: bisher nur experimentell getestet – Wirkung beim Menschen unklar

Bei Gliomen gab es einen einzigen positiven tierexperimentellen Befund, dessen Übertragung auf die Situation beim Menschen nicht unbedingt möglich ist. In diesem tierexperimentellen Befund hat die Behandlung mit Methadon zu einer Verlangsamung des Wachstums von Glioblastomzellen, die unter die Haut von immungeschwächten Mäusen transplantiert wurden, geführt.

Durch eine Pressemitteilung der Autoren der tierexperimentellen Studie wurde bei vielen Patienten der Eindruck erweckt, dass eine Behandlung von Glioblastomen mit Methadon die Wirkung von Chemotherapie verstärkt und die Tumorzellen fast vollständig zerstört, sodass selbst „austherapierte“ Patienten von einer solchen Behandlung profitieren könnten. Die Aussagen beruhen größtenteils auf Experimenten in der Zellkulturschale. Sie reflektieren nicht den wissenschaftlichen Stand dieses Therapieansatzes und sind auf die Situation beim Menschen nicht übertragbar.

Wir weisen schlussfolgernd auf folgende Punkte hin:

> Bei der Behandlung von Patienten mit Glioblastomen mit Methadon handelt es sich um eine experimentelle Therapie
.
> Ein Nutzen dieser Therapie ist bislang durch keine Studie an Patienten belegt, sondern beruht lediglich auf einer tierexperimentellen Studie.

> Der Einsatz von Methadon außerhalb kontrollierter klinischer Studien ist nicht gerechtfertigt.

> Eine aktive Werbung – z.B. über das Internet – für den Einsatz dieser Methode ist problematisch, da sie unerfüllbare Erwartungen wecken könnte und da sie Patienten dazu bewegen könnte, zugunsten dieser experimentellen Therapie auf nachgewiesenermaßen wirksame Behandlungsmethoden zu verzichten.

> Methadon ist potenziell reich an unerwünschten Wirkungen, die die Lebensqualität der Patienten unnötig einschränken.

> Insbesondere niedergelassene Kollegen werden zu einer nicht gerechtfertigten Verschreibung unter möglicherweise anderen als der Tumortherapie dienenden Gründen gedrängt.

Unterzeichner
Prof. Dr. med. Wolfgang Wick
Sprecher der NOA – Vorstand und Beirat

Prof. Dr. med. Ralf Gold
1. Vorsitzender der DGN

Referenz
Pressemitteilung des Universitätsklinikums Ulm vom 10. Juni 2013

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Die NOA wurde 1987 in Würzburg als Arbeitsgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft gegründet und besteht aus mehr als 300 Mitgliedern. Seit Ende der 90er Jahre stehen neben der Strukturierung der interdisziplinären Zusammenarbeit vor allem die Entwicklung und Durchführung klinischer Studien sowie die Erstellung von Leitlinien im Arbeitsmittelpunkt. Daneben fungiert die NOA über die jährlichen Tagungen und die Summer School Neuroonkologie als wissenschaftliche Plattform und Fortbildungsinstrument für die Deutsche Neuroonkologie. Überdies ist die NOA als Vertreterin der Neuroonkologie an der Bearbeitung gesundheitspolitischer Fragen beteiligt. Sie dient außerdem als Ansprechpartner für Patienten- und Angehörigenorganisationen.

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1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold
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