Glioblastome (Gehirntumore) mit Angiogenesehemmer Bevacizumab therapieren

Die Therapie des Glioblastom gerät in Bewegung. Das Glioblastom ist der häufigste, hirneigene Tumor im Erwachsenenalter. Er hat trotz intensiver Forschung eine sehr schlechte Prognose[1]. Seit Jahrzenten besteht  die Standardtherapie in der makroskopischen Entfernung des Gehirntumors, der anschließenden Bestrahlung und der adjuvanten Chemotherapie mit Temozolomid. Selbst bei Einsatz dieser therapeutischen Optionen überlebt ein Patient mit Glioblastom nach Diagnose im Mittel nur 15 Monate [2]]. Lediglich 
8 % aller Patienten leben nach zwei Jahren noch [2].

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es 130 verschiedene Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS).1 Gliome sind primäre ZNS-Tumoren, die sich aus hirneigenen Zellen entwickeln. Sie sind der häufigste Typ maligner primärer Hirntumoren und machen etwa 30 % aller primären Tumoren des Gehirns und ZNS aus.

Hauptkennzeichen des Glioblastoms ist die massive Vermehrung von Blutgefäßen, die den Tumor mit Sauerstoff und Glukose versorgen. Die Bildung dieser Gefäße wird hauptsächlich durch die tumorspezifische Ausschüttung von Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) verursacht [4]. Diese Erkenntnis gab die Rationale, die Wirksamkeit von Angiogenesehemmern zu untersuchen.

Angiogenesehemmer Bevacizumab zur Behandlung von Glioblastomen

Bevacizumab ist ein Angiogenesehemmer, ein humanisierter Antikörper, der die Bioeffekte von VEGF spezifisch blockiert [3]. In zwei Phase-III-Studien und einer Phase-II-Studie wurde die Wirksamkeit von Bevacizumab bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom untersucht. Die Ergebnisse der Studien wurden kürzlich auf dem amerikanischen Krebskongress in Chicago vorgestellt. Sowohl die Studie AVAglio als auch die deutsche Studie Glarius geben deutliche Hinweise auf die Wirksamkeit von Bevacizumab in dieser Indikation.

Die Studienergebnisse untermauern, dass Bevacizumab zu einer wichtigen neuen Therapieoption in der Behandlung von Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom werden könnte. Mit AVAglio und Glarius belegen zwei Studien die Wirksamkeit des VEGF-Inhibitors in dieser Indikation. Patienten mit negativem Methylierungsstatus scheinen besonders von der Behandlung mit Bevacizumab zu profitieren. Das Zulassungsgesuch für die Erstlinientherapie des Glioblastoms mit Bevacizumab wurde bei der EMA eingereicht.

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Quellen:

  1. Wen P et al., N Engl J Med 2008; 359 (5): 492-507
  2. Tran B et al, J Clin Neurosci 2010; 17 (4): 417-21
  3. Spencier P, Expert Rev Anticanc Ther 2012; 12 (1): 9-18
  4. Merrill M et al., J Neurosurg 2005; 103 (5): 853-868
  5. Chinot O et al., Neuro-Oncol 2012; 14 (Supp. 6); vi102: Abstract OT-03
  6. Wick W et al., J Clin Oncol 2013; 31 (15 Suppl I): Abstract 2002
  7. Henrikkson R et al., J Clin Oncol 2013; 31 (15 Suppl I): Abstract 2005
  8. Gilbert M et al., J Clin Oncol 2013; 31 (15 Supp. I): Abstract 0001
  9. Clinicaltrials.gov. NCT00884741 RTOG-0825 trial.
      http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00884741?term=NCT00884741&rank=1
  10. Hegi M et al., N Engl J Med 2005; 352, (10): 997-1003
  11. Herrlinger U et al., J Clin Oncol 2013; 31 (Suppl): Abstract LBA 2000 
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