Gewebespenden retten auch in Corona-Zeiten Menschenleben

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Gewbespenden – Das liegt hauptsächlich an den zusätzlichen gesundheitlichen Risiken für Spendenempfänger und an intensivmedizinischen Kapazitäten, die für COVID-19-Patienten freigehalten werden, sowie den eingeschränkten Transportmöglichkeiten für Organe oder Knochenmark. Auch in der weitaus häufigeren Gewebespende werden die Prioritäten neu gesetzt. Dort liegt der Fokus nun auf lebenserhaltende Transplantationen.

„Operative Eingriffe an den Augenhornhäuten gelten bis auf wenige Notfalloperationen als aufschiebbar und sind dementsprechend bundesweit deutlich zurückgefahren worden“, sagte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH), Dr. Frank-Peter Nitschke. „Während der Corona-Pandemie kommen vor allem kardiovaskuläre Gewebe wie Herzklappen und Blutgefäße in der Notfallmedizin weiterhin lebensrettend zum Einsatz.“ Auch muskuloskelettale Gewebespenden wie Knochen und Knorpel werden gebraucht, vorrangig in der Tumor- und Unfallchirurgie nach schweren Krebserkrankungen oder Verletzungen.
Seit fünf Jahren realisiert die GTM-V in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V) in Rostock die Bereitstellung von Transplantaten bundesweit.

Sicherheit geht vor, doppelte Überprüfung auf SARS-CoV-2
Auf Empfehlung der obersten Bundesbehörde, des Paul-Ehrlich-Instituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Langen (Hessen), werden alle Gewebespender der GTM-V auf mögliche Kontakte zu Corona infizierten Patienten bzw. Symptomen einer Infektion geprüft. Seit dem 23. März 2020 werden alle Spender zusätzlich einem standardisierten RT-PCR-Test auf SARS-CoV-2 unterzogen. „Darüber hinaus werden diese mit dem ELISA-Antikörper-Test auf eventuell vorhandene Antikörper und eine mögliche überstandene Corona-Infektion untersucht. Beides sind Ausschlussgründe für eine Nutzung der Gewebe“, betonte Nitschke. Das sei jedoch eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn bislang gebe es keine Hinweise auf eine Übertragung der Corona-Viren durch Implantation, Transplantation, Infusion oder Transfer von menschlichen Zellen oder Gewebe. Die Datenlage bezüglich der Antikörperentwicklung und eines fehlenden Übertragungsrisikos ist derzeit zu dünn.

Dennoch sind viele Patienten verunsichert und scheuen eine Augenhornhauttransplantation in Corona-Zeiten. Dabei spielt weniger die Angst vor einer Übertragung durch die Gewebespende eine Rolle, sondern eher das vermeintlich höhere Ansteckungsrisiko in den Ambulanzen und Kliniken. „Wir gehen deshalb von einer enormen Bugwelle an aufgeschobenen Operationen in der Augenheilkunde zum Ende des Jahres aus“, so der Tansplantationsmediziner.

Aktuell werden monatlich nur 30 Prozent der Augenhornhäute ausgeliefert. Aber schon im Mai soll aufgrund der niedrigen Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern und der doppelten COVID-Sicherheitsmaßnahmen in den mit der GTM-V kooperierenden Augenzentren wieder ca. 60 Prozent der Transplantationen im Monat durchgeführt werden. Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis zu fünf Jahren haltbar sind, müssen Augenhornhäute nach maximal 34 Tagen transplantiert werden. „Insofern sind wir sehr froh, auch aus ethischen Gründen gegenüber unseren Spendern, dass wir trotz der Corona-Pandemie alle Augenhornhäute an erkrankte Empfänger bringen konnten.“

Spendenbereitschaft weiterhin hoch, verlässliches Kliniknetzwerk
Die Geschäftsführer der GTM-V, Dr. Frank-Peter Nitschke und Dr. Axel Manecke, appellierten an alle Familien, sich weiterhin aktiv mit dem Thema der Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen. „Der Bedarf ist nicht geringer geworden, wird sich nur zum Teil auf einen späteren Zeitpunkt verschieben“, so Dr. Axel Manecke. „Dabei ist es von besonderer Bedeutung, dass eine Gewebespende bis ins hohe Alter und auch bei bestimmten Vorerkrankungen möglich ist. Zurzeit sind wir sehr dankbar, dass durch alle Netzwerkkliniken in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen trotz aller Zusatzbelastungen durch die Corona-Krise dennoch eine anhaltend hohe Unterstützung der Spendeprozesse gewährleistet wird. Momentan beobachten wir die Entwicklung der Pandemie sehr genau und bereiten uns organisatorisch bereits mit Hochdruck auf einen erhöhten Bedarf an Augenhornhäuten vor, wenn alle Klinikeinrichtungen wieder im Normalbetrieb arbeiten“, informierte Manecke.

Die GTM-V hat sich vor fünf Jahren mit dem Ziel gegründet, die unnötigen Engpässe und Wartezeiten in der Gewebemedizin in Deutschland deutlich zu reduzieren. Ca. 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Ausgangsmaterial für die Herstellung dieser Transplantate sind dabei vorrangig humane Augenhornhäute, Spenderherzen und Blutgefäße, Plazenta, Knochen, Sehnen und Faszien sowie Haut.
„Diesem Ziel sind wir näher gekommen“, unterstrichen die Geschäftsführer. „Durch unser Netzwerk an Kliniken mit engagierten Teams und einem optimierten Spendemanagement konnten wir erheblich zur Entspannung der Lage beitragen, insbesondere bei den Augenhornhauttransplantaten.“ Inzwischen gehört die kooperierende Gewebebank (GBM-V) zu den größten in Deutschland.

Auf der Basis der Kooperationen mit den Krankenhäusern wurden im vergangenen Jahr 3.506 Meldungen von potenziellen Spendern registriert. Die Mitarbeiter der GTM-V führten insgesamt 961 Gewebespenden durch. Dabei wurden 3.715 Gewebepräparaten entnommen und an gewebeprozessierende Einrichtungen (Gewebebanken) abgegeben, darunter 1.909 Augenhornhäute.

GTM-V – Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH
Geschäftsführer: Dr. med. Frank-Peter Nitschke/Dr. med. Axel Manecke
Wilhelm-Külz-Platz 3, 18055 Rostock
T +49 381-444 30 50
E frank-peter.nitschke@gtm-v.de
E axel.manecke@gtm-v.de


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