Gesundheitskompetenz ist auch altersabhängig

Umarmendes Paar

Die Gesundheitskompetenz der Deutschen ist verbesserbar. Bei mehr als 50 Prozent der Patientinnen und Patienten ist sie eingeschränkt. Mit individuell auf den jeweiligen Patienten ausgerichteten Massnahmen können Ärzte schon mit geringem Aufwand viel zu einer Optimierung des Verständnisses für Gesundheit und Krankheit beitragen.

Gesundheitskompetenz – Zahlen

Eine repräsentative Befragung von 2.000 Personen, durchgeführt von der Arbeitsgruppe „Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft“ der School of Public Health der Universität Bielefeld unter Leitung von Frau Professor Dr. Doris Schaeffer, kam zu folgendem Ergebnis:(1)

 In Deutschland weist mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf: 54,3 %

  • 7,3 %: exzellente Gesundheitskompetenz
  • 38,4 %: ausreichende Gesundheitskompetenz
  • 44,6 %: eingeschränkte Gesundheitskompetenz
  • 9,7 %: inadäquate Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz – Deutschland auf Platz 5
Im Vergleich von acht europäischen Ländern liegt Deutschland hinsichtlich der Gesundheitskompetenz an Platz fünf, hinter Griechenland, Polen, Irland und den Niederlanden. Nur Österreich, Spanien und Bulgarien weisen im Vergleich zu Deutschland eine geringere Gesundheitskompetenz auf (Abb.1). (2)

Gesundheitskompetenz

Abb.1: Prozentuale Verteilungen der allgemeinen Gesundheitskompetenz pro Land und bei 7.795 teilnehmenden Personen. (2)

Ursachen (1)

  •   Hohes Alter
  •   Migrationshintergrund
  •   Niedriger selbsteingeschätzter Sozialstatus
  •   Niedrige funktionale Bildung

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist der Zusammenhang von höherem Alter und einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz besonders beachtenswert. Bereits heute machen ältere Menschen in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung den Hauptteil der Patienten aus und sind häufiger als andere Bevölkerungsgruppen mit chronischen Erkrankungen konfrontiert.Schlussfolgerungen (1,3)

Die Arbeitsgruppe um Professor Schaeffer kommt zu dem Schluss, dass es eine wichtige Aufgabe des Gesundheitssystems und der Politik ist, die Gesundheitskompetenz systematisch zu fördern. Für den ärztlichen Versorgungsalltag bedeutet dies, dass Ärzte sich intensiver auf Menschen mit niedriger Gesundheitskompetenz einstellen und ihre Kommunikations- und Informationsweise stärker an deren Aufnahme- und Verständnisvermögen anpassen müssen. Um das Ziel zu erreichen, werden u.a. folgende Ansätze und Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Spezielle Gesprächsmethoden verwenden, etwa die Teach-Back-Methode (1,3)
  • Gesprächsführung anpassen
  • Handlungsanleitungen geben (3)
  • Informationen in „Häppchen“ aufteilen (3)
  • Zahl der Botschaften begrenzen (3)
  • Aktiv zuhören und Fragen stellen (3)
  • Bereitstellung verständlicher und zielgruppengerechter Informationen (1)
  • Intensiverer Einsatz von Video- und Audio-Materialien (1,3)
  • Absicherung der Qualität der Informationen im Internet (1)
  • Intensivierung der Forschung auf dem Feld der Gesundheitskompetenz (1)Referenzen
  1. Schaeffer et al. Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland. DÄB 2017; Jg. 114,4:53-61; 114https://www.aerzteblatt.de/pdf/114/4/m53.pdf
  2. WHO Gesundheits-Kompetenz-Bericht 2016; https://aok- bv.de/imperia/md/aokbv/gesundheitskompetenz/who_health_literacy_fakten_deutsch.pdf
  3. Schmidt-Kaehler S et al. Gesundheitskompetenz. Verständlich informieren und beraten; Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz; http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/downloads/Material- _und_Methodensammlung.pdf
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