Wer früher fragt, ist schneller gesund

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Diesen Satz kennt sicherlich jeder. Doch wird auch gefragt? Leider viel zu selten, stellen Apotheker fest. Viele Patienten haben sich anhand von Freunden, Verwandten, Werbung und Internet ein gefährliches Halbwissen aufgebaut. Sie haben nicht das Gefühl, ein Beratungsgespräch zu benötigen. Auf den Apotheker machen sie einen selbstsicheren Eindruck und scheinen sich mit dem Medikament schon bestens auszukennen. Erika Fink, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, kennt dieses Problem: „Es ist immer vom aufgeklärten Patienten die Rede, aber gerade in Gesundheitsfragen herrscht noch viel Aufklärungsbedarf. Erst wenn Apotheker eine kritische Rückfrage stellen, zeigt sich, dass Arzneimittel vielfach falsch eingenommen werden. Verträglichkeit und Wirksamkeit von Medikamenten variieren von Patient zu Patient. Der Apotheker kann helfen, den richtigen, individuellen Weg zu finden. Patienten müssen aber auch den Mut haben, Fragen zu stellen.“

Apotheker wie Patienten müssen gleichermaßen am Dialog interessiert sein. Möchten Patienten zum Beispiel ihren Cholesterinspiegel ohne „Chemie“ mit Naturstoffen senken, kann der Apotheker helfen. Denn Naturstoffe senken zwar den Cholesterinspiegel, doch das reicht meist nicht. Wenn die Werte von 300 auf 280 sinken, hat das Mittel zwar gewirkt, doch ein guter Wert ist das noch immer nicht. Apotheker unterstützen den Patienten, größere Erfolge zu erzielen.

Ebenso ist die Selbstmedikation mit Schmerzmitteln ein sensibles Thema, das der Kommunikation bedarf. Bei längerer Einnahme rufen Schmerzmittel Schmerzen hervor. Patienten greifen dann fälschlicherweise vermehrt zu Medikamenten, obwohl eine Reduzierung richtig wäre. Apotheker müssen ihre Patienten ansprechen, wenn ihnen der vermehrte Konsum von Schmerzmitteln auffällt, aber auch Patienten müssen auf sich aufmerksam machen, wenn Unregelmäßigkeiten bei der Einnahme von Medikamenten auftreten.

Apotheker erleben täglich, dass Patienten umso stärker zur „sprachlosen“ Selbstmedikation tendieren, je unangenehmer ein Thema ist. Spüren Patienten ein Jucken oder Schmerzen im Analbereich, kaufen sie daher auf ihre Vermutung hin Hämorrhoidensalbe und weichen Rückfragen aus. Doch eine Eigendiagnose kann das Problem auch verschlimmern. Hamorrhoidensalben enthalten sehr oft ein schmerzstillendes Mittel. Die akuten Beschwerden verschwinden dadurch, der Patient fühlt sich zunächst bestätigt. Wird die Salbe abgesetzt, kommen die Beschwerden häufig wieder. Der Patient leidet eventuell an einer Pilzinfektion oder einem Ekzem. In einem Beratungsgespräch kann der Apotheker an einen Arzt vermitteln, der die richtige Therapie in die Wege leitet.

Natürlich möchte niemand gerne in einer Apotheke, wenn andere Patienten in Hörweite sind, über Hämorrhoiden, Pilzerkrankungen oder andere Krankheiten sprechen. Das muss auch nicht sein. Die meisten Apotheken bieten einen abgeschlossenen Beratungsraum an, in dem vertrauliche Gespräche geführt werden können.

Ein vertrauensvolles Gespräch zwischen beiden Parteien ist für eine gute und schnelle Genesung unerlässlich. Für den Apotheker heißt das, den Patienten zu befragen: Wie oft nehmen Sie das Medikament? Wogegen nehmen Sie es ein? Wirkt es gut? Nehmen Sie gleichzeitig noch andere Medikamente ein? Der Patient sollte offen und ehrlich antworten. Stellt der Apotheker diese Fragen einmal nicht, liegt es in der Verantwortung des Patienten, sich diese Informationen einzufordern, so Erika Fink. Der Patient solle nachfragen, ob er das Medikament richtig einnimmt und was er beachten muss. Auch darüber, welche Unverträglichkeiten bestehen oder ob eine Schwangerschaft vorliegt, sollte dem Apotheker Auskunft gegeben werden.

Erika Fink rät Patienten, ihre Apotheke danach auszuwählen, wie gut man dort auf ihre spezielle Situation eingeht. In der Apotheke ihres Vertrauens sollten sie sich als Stammkunde erfassen lassen. Dann werden alle Arzneimittel, die der Patient einnimmt, gespeichert und die Verträglichkeit abgeglichen. Ebenso lässt sich zurückverfolgen, welche Arzneimittel früher eingenommen wurden und welche freiverkäuflichen Medikamente der Patient einnimmt. So ist jederzeit eine fundierte Auskunft möglich, dem Patienten, aber auch dem Arzt gegenüber – und es gibt Situationen, da sind diese Informationen von großem Wert.

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