Gesundheit – der Schlüssel für glückliche Kinder

Es war ein ereignisreiches Jahr, das Jahr 1997: Bundespräsident Roman Herzog hielt seine berühmte „Ruck-Rede“, Bundeskanzler Helmut Kohl gab mit einem Spatenstich den Startschuss zum Bau des neuen Bundeskanzleramts in Berlin und der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder heiratete zum vierten Mal. Deutschland, Österreich und Italien vereinbarten die Abschaffung der Grenzkontrollen zwischen den drei Staaten und der erste Roman über Harry Potter wurde zum Bestseller. Vielleicht nicht so spektakulär aber ebenso bemerkenswert: Eine Gruppe engagierter Kinder- und Jugendärzte an der Universitätskinderklinik München hob eine Stiftung aus der Taufe mit dem Ziel: die Gesundheit von Kindern durch bessere Prävention zu fördern.

„Der Impuls zur Gründung der Stiftung Kindergesundheit kam aus unserer alltäglichen beruflichen Erfahrung an der Kinderklinik der Universität München (LMU)“, berichtet der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko. „Wir mussten immer wieder Kinder in der Klinik betreuen, die unter Krankheiten litten, die mit effektiver Prävention mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen wären“.
Gesundheit sei eine essentielle Voraussetzung für das Lebensglück von Kindern, für die volle Entfaltung und Nutzung ihrer Talente, betont Professor Berthold Koletzko, international renommierter Stoffwechselexperte der Münchner Universitätskinderklinik und Gründer und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, die jetzt ihr 20-jähriges Jubiläum feierte. Zur gesundheitlichen Prävention gehören Maßnahmen, die das Entstehen von Krankheiten verhindern, Krankheiten frühzeitig erkennen und damit die Heilungschancen erhöhen, und Maßnahmen, die das Fortschreiten und Komplikationen von Erkrankungen verhindern.
Die Fortschritte der Kindermedizin sind unübersehbar. Dank Impfungen, Ernährungsberatung, medizinischer und sozialer Betreuung und Vorsorge wurde die Kindersterblichkeit auf früher unvorstellbar niedrige Werte gedrückt. Allein in den 55 Jahren zwischen 1960 und 2015 sank die Säuglingssterblichkeit von 33,8 auf 3,1 Promille (nicht Prozent!). Manche der „klassischen“, übertragbaren Kinderkrankheiten sind so selten geworden, dass viele junge Erwachsene sie nicht mehr kennen und sich ihre lebensgefährlichen Folgen gar nicht vorstellen können
Neue Risiken für Körper und Seele von Kindern und Jugendlichen
Dennoch haben sich auch schon vor zwanzig Jahren neue Gefahren für die Gesundheit der Kinder abgezeichnet. Professor Koletzko blickt zurück: „Wir registrierten mit Unbehagen eine Verschiebung von den körperlichen zu den psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Zum anderen machte uns die Zunahme von chronischen Gesundheitsstörungen Sorgen: Die Zahl der Kinder, die unter Übergewicht oder allergischen Erkrankungen litten, stieg trotz Anstrengungen der Medizin mit beunruhigender Geschwindigkeit weiter“.

Leider spielte damals ebenso wie auch noch heute die Prävention im deutschen Gesundheitssystem nur eine marginale Rolle, erläutert Professor Koletzko. „Kinder unter 18 Jahren stellen zwar mehr als 16 Prozent unserer Bevölkerung, sie werden aber im politischen Alltag oft übersehen“. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: So wies die Statistik für das Jahr 2015 Ausgaben im deutschen Gesundheitswesen von insgesamt 344,2 Milliarden Euro aus, während die Ausgaben für Prävention und Gesundheitsschutz lediglich 11,27 Milliarden Euro ausmachten, also nur wenig mehr als drei Prozent.
Effektive Prävention muss früh einsetzen, fordert die Stiftung Kindergesundheit seit ihrer Gründung. In ihren „Münchner Thesen“ heißt es dazu: „Schon in der Schwangerschaft und im Kindesalter werden die Grundlagen für die langfristige Gesundheit bis in das hohe Alter gelegt. Im Kindesalter bestehen besonders gute Ausgangschancen für wirksame und kosteneffektive Präventionsmaßnahmen. Vorbeugende Maßnahmen vor und während der Schwangerschaft sowie im Säuglings- und Kleinkindalter können viele Krankheiten verhindern. Gesundheitsrelevante, nachhaltige Veränderungen des Lebensstils lassen sich bei Kindern und jungen Familien eher erreichen als Veränderungen fest eingefahrener Gewohnheiten älterer Menschen“.
Erfolgreich erprobte und international anerkannte Projekte
Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren entwickelte die Stiftung Kindergesundheit entsprechend ihrer Mission eine beeindruckende Reihe wichtiger Projekte zur Prävention von kindlichen Erkrankungen. Hier einige Beispiele ihrer erfolgreichen und auch international anerkannten und ausgezeichneten Aktivitäten:
Die Stiftung unterstützte über viele Jahre die weltweit größte Langzeitstudie zur Vorbeugung von Allergien, die German Infant Nutrition Intervention (GINI) Studie. Darin wurden etwa 6.000 Säuglinge nach der Geburt mit ihren Familien eingeschlossen, um beeinflussbare Risikofaktoren für das Auftreten allergischer Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis zu charakterisieren. Inzwischen sind die Teilnehmer erwachsen geworden und werden im Alter von nunmehr 20 Jahren nachuntersucht.
Das in einem multidisziplinären Netzwerk mit verschiedenen Partnern entwickelte Projekt „TigerKids“ der Stiftung Kindergesundheit ist ein spielerisches Programm für mehr Bewegung und gesündere Ernährung in Kindergärten, das auch die Eltern mit einbezieht. Das Programm wurde in mehr als 6000 Einrichtungen eingesetzt und erreichte mehr als 300 000 Familien. „Bei diesem Projekt konnten wir zeigen, dass man mit ganz einfachen Verhaltensänderung im Kindergarten einen großen Erfolg haben kann“, freut sich Professor Koletzko. „Nach einem Jahr war die Häufigkeit von Übergewicht in der TigerKids-Gruppe um mehr als vier Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe waren 18 Prozent der Kinder übergewichtig, in der TigerKids-Gruppe 13,9 Prozent. Das ist ein Rieseneffekt für ein preiswertes Projekt. Die Maßnahmen haben pro Kind und Jahr weniger als zwei Euro gekostet. Bei rund 1,8 Millionen adipösen Kindern in Deutschland würden schon ein Prozent weniger Übergewichtige eine Einsparung von fünf bis sechs Millionen Euro Kosten bedeuten“.
Aufbauend auf dem TigerKids-Projekt wurde das Programm „Rakuns“ zur Gesundheitsförderung in Grundschulen entwickelt. Es wird sehr erfolgreich in mehr als 10.000 Schulen bundesweit eingesetzt, in Kooperation mit der Krankenkasse IKK Classic.
Ebenfalls weite Verbreitung fanden die Informationsmedien der Stiftung Kindergesundheit: Sie entwickelte Plakate zu den Themen kindliches Übergewicht, Rauchen in der Schwangerschaft und Gewalt gegen Kinder sowie Broschüren zur Vorbeugung gegen den plötzlichen Säuglingstod SIDS und zum gesunden Trinkverhalten für Kinder und ihre Familien.
Neue Herausforderungen durch die sozialen Medien
Als wichtiges Thema der Gesundheit erkannten die Gründer der Stiftung schon 1997 den Umgang von Kindern und Jugendlichen mit den Bildschirmmedien. „Anfangs haben wir uns vor allem mit den vor dem Fernsehgerät oder mit einem Gameboy verbrachten Zeiten befasst, denn Smartphones waren damals noch so gut wie unbekannt“, sagt Professor Koletzko. „Heute sind 84 Prozent der Deutschen online und nahezu jeder 14- bis 29-Jährige geht über ein Smartphone ins Netz“.

Deshalb investiert auch die Stiftung Kindergesundheit ihre Aktivitäten verstärkt in die digitale Vermittlung von Informationen. So wurde eine App für Smartphone und Tabletts entwickelt mit praktischen Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen für Kleinkinder. Im Rahmen eines neuen europäischen Projekts zur besseren Erforschung von Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) bietet die Stiftung demnächst elektronische Kurse, sogenannte „e-learnings“ für Gesundheitsberufe und Patienten an.
Ihr 20-jähriges Jubiläum feierte die Stiftung Kindergesundheit im Rahmen eines Symposiums, zu dem der „Freundeskreis der Stiftung Kindergesundheit“ ausgewiesene Experten aus Wissenschaft und Politik eingeladen hatte. Im Mittelpunkt des Symposiums standen die Ungleichheit gesundheitlicher Chancen von Kindern in Deutschland, ihre Überforderung durch elektronische Medien sowie aktuelle Präventionsstrategien für die Gesundheitsförderung. Anlässlich des Jubiläums übernahm Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link das Amt der Schirmherrin der Stiftung von ihrer Vorgängerin Dr. Irene Epple-Waigel.
Die gelungene Wohltätigkeitsveranstaltung mit prominenten Gästen aus Kreisen von Wirtschaft, Wissenschaft und Medien erbrachte als Erlös Spendengelder von mehr als 26.000 Euro.

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