Gesundes Essverhalten schon im Säuglingsalter lernen

Essenlernen heißt für Säuglinge in den ersten zwölf Monaten vor allem einen Hunger- und Sättigungsrhythmus zu entwickeln. Über verschiedene Signale (z.B. durch Blickverhalten, Gesichtsausdruck, Körperhaltung, mit Worten oder Lauten) teilt der Säugling den Eltern Hunger und Sättigung mit. Bei diesem, unter Responsive Feeding bekannten wechselseitigen Prozess zwischen Eltern und Kind, sollten Eltern die Signale des Kindes wahrnehmen, richtig interpretieren und entsprechend reagieren. In diesem Prozess sorgen Eltern für ein angemessenes Nahrungsangebot – jedoch entscheidet das Kind selbst, was und wie viel es trinkt und isst. Ablenkungen während des Essens sollten vermieden werden, genauso wenig sollten Säuglinge zum Essen gedrängt oder damit beruhigt werden. Wenn das Kind die Mahlzeit ablehnt oder sie früher abbricht, genügen 1-2 Versuche, das Kind zum Essen zu ermutigen. Extraspeisen als Ersatz sollten nicht angeboten werden. Die Wahrnehmung dieser Hunger- und Sättigungssignale hilft einer Überfütterung und potentiell übermäßiger Gewichtszunahme vorzubeugen. Darüber hinaus sollte Säuglingen die Möglichkeit gegeben werden, neue Lebensmittel zu entdecken und physiologisch mit allen Sinnen (Seh-, Tast-, Geruch-, Gehör- und Geschmackssinn) zu erfahren. Geschmacksvorlieben bilden sich durch wiederholtes Probieren. Führen Eltern neue Lebensmittel oder Speisen ein, sollten sie dem Säugling mehrmals ohne Zwang und mit Geduld angeboten werden. Die neuen Lebensmittel sollten in Auswahl und Textur auf die psychomotorische Entwicklung des Säuglings abgestimmt sein. Lehnt das Kind diese neuen Lebensmittel ab, sollten sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder angeboten werden. Entscheidend ist der schrittweise Aufbau einer abwechslungsreichen Ernährung, denn frühkindliche Geschmackserfahrungen können sich auf spätere Geschmacks- und Lebensmittelpräferenzen auswirken. Eine entspannte und angenehme Atmosphäre beim Essen kann die Entwicklung des Ernährungsverhaltens positiv beeinflussen. Während der gemeinsamen Mahlzeiten werden nicht nur die physiologischen Bedürfnisse der Nahrungsaufnahme erfüllt, sondern auch das Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit und Zuwendung im Sinne einer sozialen Interaktion. Durch den Ritualcharakter regelmäßiger Mahlzeiten wird das kindliche Sicherheitsbedürfnis gestillt, Strukturen geschaffen und Verlässlichkeit erzeugt. Auf diese Weise kann das Kind lernen, dass es Zeiten zum Essen/Trinken und Zeiten für andere Aktivitäten wie Spielen, Krabbeln, Kuscheln, Nach-draußen-Gehen gibt.

Das Thema ‚Essenlernen im Säuglingsalter‘ ist Bestandteil der aktualisierten Handlungsempfehlungen zur Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen des Netzwerks Gesund ins Leben.

Expertenkonsens als Basis für Handlungsempfehlungen

Die erstmals 2010 erschienenen Empfehlungen zur Ernährung im ersten Lebensjahr und in der Stillzeit wurden anhand der derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage im Rahmen eines Revisionsprozesses überarbeitet. Dafür wurden die Empfehlungen aller relevanten nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Institutionen zu Ernährung, Gesundheit, Nahrungsmittelallergien und Bewegung von Schwangeren, Stillenden und Kindern im ersten Lebensjahr recherchiert und geprüft.

Ergänzend wurden Metaanalysen, systematische Übersichtsarbeiten, Leitlinien sowie weitere einschlägige Fachpublikationen miteinbezogen. Es wurde kein Anspruch auf eine systematische Recherche erhoben. Die vom wissenschaftlichen Beirat des Netzwerks Gesund ins Leben im Konsens formulierten Handlungsempfehlungen entsprechen dem Evidenzniveau einer Expertenempfehlung. Die Handlungsempfehlungen werden von den Berufsverbänden der Frauenärzte, Hebammen und der Kinder- und Jugendärzte sowie den Deutschen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe und für Kinder- und Jugendmedizin unterstützt. Diese interdisziplinäre Verständigung auf bundesweit einheitliche Handlungsempfehlungen im Bereich Ernährung und Bewegung ist europaweit einzigartig.

Die aktualisierten Handlungsempfehlungen sind hier erhältlich:

• Online unter

• Als Sonderdruck gegen eine Versandpauschale von 3 Euro bestellbar unter

Über Gesund ins Leben:
Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen Familien befassen. Das Ziel ist, Eltern einheitliche Botschaften zur Ernährung und Bewegung zu vermitteln, damit sie und ihre Kinder gesund leben und aufwachsen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert Gesund ins Leben als Teil des Nationalen Aktionsplans IN FORM:

Über IN FORM:
IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern:

Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

Kontakt:
Dr. Katharina Reiss
Geschäftsstelle: Netzwerk Gesund ins Leben
aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.
Heilsbachstraße 16
53123 Bonn
Tel.: 0228 8499-169 Fax: 0228 8499-177
E-Mail: k.reiss@aid-mail.de
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