Gesucht: Medikament gegen chronische Lebererkrankung

Für ihre hervorragende Forschung auf dem Gebiet der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen hat die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg Dr. Anita Pathil-Warth, Abteilung für Gastroenterologie der Medizinischen Universitätsklinik, mit dem Friedrich Reutner-Preis ausgezeichnet. Die junge Wissenschaftlerin entwickelte mit Kollegen eine Wirkstoffverbindung, die im Tierversuch die nicht-alkoholische Leberverfettung stoppt und die daraus hervorgehende Entzündung ausheilen lässt. Bisher gibt es keine Medikamente gegen die chronische Erkrankung – Betroffene müssen darauf hoffen, dass eine allmähliche Gewichtsreduktion und die genaue Einstellung von Blutzucker und Fettstoffwechsel ihre Leber vor weiteren Schäden schützt.

Mit dem jährlich vergebenen und mit 6.000 Euro dotierten Preis unterstützt Stifter Professor Dr. Friedrich Reuter, Ehrensenator der Universität Heidelberg, Nachwuchswissenschaftler der Medizinischen Fakultät, die noch keine etablierte Position inne haben. Die Preisvergabe fand am 6. Juli 2013 im Rahmen der Promotionsfeier in der Aula der Universität statt.

Hepatitis heilte im Tierversuch aus

Ungefähr jeder fünfte Erwachsene in Deutschland leidet an einer sogenannten nicht-alkoholischen Leberverfettung. Die Erkrankung wird anders als bei der alkoholischen Fettleber nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht. Die Folgen sind allerdings dieselben: Bei ca. 20 Prozent der Betroffenen kann die Verfettung Entzündungen (Fettleber-Hepatitis) bis hin zu Leberzirrhose und -krebs auslösen.

Gemeinsam mit ihrem Team untersucht die 31-jährige Medizinerin eine Verbindung aus Gallensäure (Ursodeoxycholsäure / UDCA) und einem sogenannten Phospholipid (Lysophosphatidylethanolamid / LPE), einem natürlichen Bestandteil der Zellhüllen im Körper. UDCA ist ein gängiges Medikament bei Erkrankungen von Leber und Galle mit wenigen Nebenwirkungen. „UDCA alleine wirkt nicht ausreichend gegen Fettlebererkrankungen. Die Verbindung mit dem entzündungshemmenden Phospholipid LPE verstärkt die Schutzwirkung“, so Pathil-Warth. Die Wirkstoffverbindung bewährte sich im Tierversuch sowohl bei Fettleber durch Übergewicht als auch bei Fettleber als Folge einer Stoffwechselstörung: Die Leberwerte der Mäuse besserten sich, die Fetteinlagerungen in den Leberzellen gingen zurück und Entzündungsreaktionen klangen ab.

Pathil-Warth ist überzeugt: „Die neue Verbindung könnte sich hervorragend als Medikament gegen die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis eignen.“ Nun arbeitet die Gruppe an einer geeigneten Verabreichungsform, damit der Wirkstoff zukünftig – zunächst im Rahmen klinischer Studien – als Tablette eingenommen werden kann. Parallel will die Wissenschaftlerin die genaue Wirkungsweise des potentiellen Arzneistoffes klären.

Preis der Dr. Feldbausch-Stiftung für Erforschung von Tumorstammzellen

Bei der Promotionsfeier wurde außerdem der Preis der Dr. Feldbausch-Stiftung in Höhe von 2.500 Euro an Dr. Sebastian Dieter, Abteilung Translationale Onkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und Deutschen Kebsforschungszentrum, verliehen. Dieter untersuchte in einem aufwändigen und mehrjährigen Projekt im Rahmen seiner Promotion Tumorstammzellen des Darmkrebs (kolorektales Karzinom). Mit Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Hanno Glimm an der Abteilung für Translationale Onkologie entdeckte er, dass sich diese Zellen sehr unterschiedlich entwickeln: Manche bildeten auch nach mehrmaliger Transplantation Tumoren und Metastasen, andere trugen nur vorübergehend zum Tumorwachstum bei. Einige wurden erst verzögert aktiv und sind eventuell dafür verantwortlich, dass Jahre nach einer Behandlung aus überlebenden Krebszellen erneut Tumoren heranwachsen. Die Ergebnisse könnten in Zukunft dazu beitragen, gezielte Therapieansätze zur Bekämpfung der verschiedenen Krebsstammzellen zu entwickeln.

Die Dr. Feldbausch Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Landau in der Pfalz. Sie fördert überdurchschnittliche Leistungen in Forschung, Kunst und Kultur.

Bildzeilen:

Literatur:
Pathil A, Mueller J, Warth A, Chamulitrat W, Stremmel W. Ursodeoxycholyl lysophosphatidylethanolamide improves steatosis and inflammation in murine models of nonalcoholic fatty liver disease. Hepatology 2012 May;55(5):1369-78. doi: 10.1002/hep.25531.

Sebastian M. Dieter, Claudia R. Ball, Christopher M. Hoffmann, Ali Nowrouzi, Friederike Herbst, Oksana Zavidij, Ulrich Abel, Anne Arens, Wilko Weichert, Karsten Brand, Moritz Koch, Jürgen Weitz, Manfred Schmidt, Christof v. Kalle, Hanno Glimm. Distinct Types of Tumor-Initiating Cells Form Human Colon Cancer Tumors and Metastases. Cell Stem Cell. 2011 Oct 4;9(4):357-65. doi: 10.1016/j.stem.2011.08.010.

Internet:


Kontakt:
Dr. Anita Pathil-Warth
Abteilung für Gastroenterologie
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 38102
E-Mail: Anita.Pathil-Warth@med.uni-heidelberg.de

Dr. Sebastian Dieter
Sektion Angewandte Stammzellbiologie
Abteilung Translationale Onkologie
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und Deutsches Kebsforschungszentrum
Tel.: 06221 / 56 38 317
E-Mail: Sebastian.Dieter@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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93 / 2013

JB

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