Georg-Speyer-Haus unter neuer Leitung

Der Mediziner und Tumorbiologe Prof. Dr. Florian Greten arbeitete zuletzt an der Technischen Universität München. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Interaktion verschiedener Zelltypen im so genannten „Tumor Microenvironment“, das auch als „Tumor-Mikromilieu“ bezeichnet wird. Seine Arbeitsgruppe lieferte in den letzten zehn Jahren wichtige Beiträge zu diesem hoch aktuellen Forschungsgebiet und zu der Erkenntnis, dass es für die Tumorentstehung nicht ausschließlich auf die Veränderung einer einzelnen Zelle durch Mutationen ankommt. Vielmehr benötigen diese mutierten Tumorzellen ein entsprechendes Mikromilieu, das sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Zelltypen in ihrer unmittelbaren Umgebung zusammensetzt. Diese umgebenden Zellen können das Tumorwachstum durch die Freisetzung von Botenstoffen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

„Ein genaues Verständnis der Zusammensetzung dieser Zellen im Tumor-Mikromilieu und ihrer Botenstoffe stellt eine ungemein attraktive Möglichkeit dar, Angriffspunkte für neuartige Tumortherapien zu finden“, so Professor Greten. Ein Vorteil solcher Strategien, die sich nicht direkt gegen die Tumorzellen richten, sondern gegen das umliegende „Gerüst“ des Tumors, könne unter anderem die Vermeidung von Resistenz-Entwicklung sein. „In den kommenden Jahren wird es daher ein besonderes Anliegen des Georg-Speyer-Hauses sein, diese komplexen Zell-Zell-Interaktionen zu erforschen und innovative therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren.“ Darüber hinaus plant Professor Greten den Aufbau einer Struktur, die es dem Institut zukünftig erlauben soll, neu entwickelte Thera-piestrategien nach standardisierten Verfahren in präklinischen Tumormodellen zu testen.

Professor Greten studierte Humanmedizin in Hamburg und Wien und wurde 1998 in Hamburg zum Dr. med. promoviert. Danach begann er seine klinische und wissenschaftliche Ausbildung in der Inneren Medizin der Universitätsklinik Ulm. Von 2000 bis 2004 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of California in San Diego. Nach der Rückkehr nach Deutschland baute er am Klini-kum rechts der Isar der TU München im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der DFG seine eigene wissenschaftliche Arbeitsgruppe auf. Von 2010 bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt war er Professor für Molekulare Gastrointestinale Onkologie der TU München. Seine Arbeiten wurden mit einer Reihe renommierter Wissenschaftspreise ausgezeichnet, darunter der Deutsche Krebspreis im Jahr 2012.

Mit dem Georg-Speyer-Haus übernimmt Prof. Florian Greten ein international angesehenes Institut mit großer Tradition in der deutschen biomedizinischen Forschung. Das Georg-Speyer-Haus wurde im Jahr 1906 von der Frankfurter Bürgerin und Mäzenin Franziska Speyer zum Andenken an ihren verstorbenen Mann als gemeinnützige Stiftung gegründet. Sein erster Direktor, der Nobelpreis-träger Paul Ehrlich, erarbeitete hier die Grundlagen der modernen Wirkstoff-Forschung. Die Grundfinanzierung des Georg-Speyer-Hauses wird zu gleichen Teilen durch das Land Hessen (HMWK) und den Bund (BMG) getragen.

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