Georg Forster-Forschungspreis für brasilianischen Forscher – Zusammenarbeit mit dem MDC

Prof. Santos Forschungsschwerpunkt sind die so genannten Angiotensin Peptide. Sie sind Teil eines komplizierten Systems aus Hormonen und Enzymen, das den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers sowie den Blutdruck reguliert und als Renin-Angiotensin-System (RAS) bezeichnet wird. Die Angiotensine dieses Systems sind Hormone, die großen Einfluß auf die Regulation des Herz-Kreislauf-Systems haben und bei der Entstehung von Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- sowie Nierenerkrankungen eine Rolle spielen. Medikamente, die die Aktivität dieser Angiotensine hemmen, gehören zu den erfolgreichsten Therapieoptionen für diese Erkrankungen.

1988, während eines Forschungsaufenthalts in der Cleveland Clinic in Cleveland, Ohio, USA, entdeckte Prof. Santos ein neuartiges Angiotensin-Peptid, kurz Ang-(1-7) genannt. Er konnte zeigen, dass dieses Angiotensin eine schützende Funktion hat und Gegenspieler von Angiotensin II ist, das den Blutdruck in die Höhe treibt.

Alamandine – ein neues Hormon im Renin-Angiotensin-System
In Zusammenarbeit mit Prof. Bader am MDC entdeckte er, dass Ang-(1-7) unter anderem sowohl bei Entzündungen, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch bei der Stoffwechselkontrolle schützend wirkt. Die Zusammenarbeit von Prof. Santos und Prof. Bader führte daher auch bereits zur Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen gegen Herzkreislaufkrankheiten und zu einigen gemeinsamen Patenten. Am MDC wird Prof. Santos sich jetzt auf die Analyse der Funktionen eines weiteren Hormons aus dem Renin-Angiotensin-System konzentrieren, dem Alamandine, das er kürzlich zusammen mit Prof. Bader entdeckt hat.

Prof. Santos wurde im Dezember 1951 in Rio de Janeiro geboren und hat in Sao Paulo und Belo Horizonte Biologie und Medizin studiert. Er war zu Forschungsaufenthalten in den USA und ist seit 1998 regelmäßig am MDC in Berlin. Seit 1984 ist er an der renommierten Bundesuniversität von Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais, einer der größten Universitäten Brasiliens, tätig, und erhielt dort 2002 einen Lehrstuhl.

Prof. Santos hat sich auf seinem Forschungsgebiet einen internationalen Ruf erworben und zahlreiche Ehrungen erhalten. So war er von 2010 – 2013 Präsident der Interamerikanischen Gesellschaft für Bluthochdruckforschung – sie umfasst sowohl Nord- als auch Südamerika, und jeweils für zwei Jahre Präsident der Brasilianischen Gesellschaften für Physiologie und Hypertonie. Dazu ist er Mitglied in der Brasilianischen Akademie der Wissenschaften und im Council on Hypertension der American Heart Association (AHA).

Georg Forster – Universalgelehrter und Revolutionär
Der Prof. Santos zuerkannte Forschungspreis ist benannt nach Georg Forster (1754 – 1794), einem der bedeutendsten deutschen Universalgelehrten, Weltumsegler, Schriftsteller und Revolutionär. Mit dem Forschungspreis werden, so die Alexander von Humboldt-Stiftung, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr „bisheriges Gesamtschaffen“ ausgezeichnet, deren „grundlegende“ Forschungen „das eigene Fachgebiet … nachhaltig geprägt haben“.

Derzeit arbeitet im Labor von Prof. Bader darüberhinaus die mexikanische Biologin und Immunologin Dr. Lorena Gómez-García vom Mexikanischen Institut für Kardiologie (Instituto Nacional de Cardiologia) in Mexiko-Stadt. Sie erhielt ein Forschungsstipendium der AvH, das ebenfalls nach Georg Forster benannt ist.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
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