Gemeinsame Aktion der Dresdner Philharmonie und des Uniklinikums anlässlich des Welt-Pankreaskrebstags am 21. November

Auslöser für die nach wie vor schlechten Prognosen für Patienten mit Pankreaskrebs sind neben fehlender Früherkennungsmethoden die Aggressivität der Krebszellen. Dieser Tumor bleibt oft so lange unerkannt, bis er sich nicht mehr operieren lässt. Doch die Entscheidung für oder gegen eine Operation hängt maßgeblich von der Kompetenz des behandelnden Ärzteteams ab. Das Universitätsklinikum hat für nahezu alle Krebsarten interdisziplinäre Zentren aufgebaut, die unter dem Dach des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) arbeiten. Dazu gehört auch das Viszeralonkologische Zentrum, in dem Patienten wie Martina Claus behandelt werden. Bei der Seniorin wurde der Bauchspeicheldrüsenkrebs in einem Stadium diagnostiziert, der auf den ersten Blick als inoperabel galt. Das Spezialisten-Team des NCT/UCC entschied sich deshalb dafür, mit einer Chemotherapie die Größe des Tumors zu verringern, um ihn dennoch operieren zu können. Die Entscheidung für diese Strategie wurde schnell von Erfolg gekrönt, so dass sich die Chirurgen der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie im NCT/UCC-Tumorboard gemeinsam mit allen weiteren an der Versorgung beteiligten Krebsärzten für eine OP entschieden, die ebenso erfolgreich verlief wie die Chemotherapie. Zurzeit sind im Körper von Martina Claus keine Tumorzellen nachweisbar. Damit das möglichst lange oder gar für immer so bleibt, unterzieht sich die Seniorin derzeit einer weiteren Chemotherapie.

„Die Behandlung dieser Patientin und deren bisher so erfolgreicher Verlauf zeigt, wie wichtig es ist, Patienten in hochdifferenzierten, interdisziplinär organisierten Zentren zu behandeln. Noch vor wenigen Jahren waren solche Erfolge undenkbar. Für den Erfolg von komplexen Pankreasoperationen ist die Erfahrung und Ausstattung des gesamten involvierten Teams entscheidend. Wenn Chirurgen, Anästhesisten, Radiologen und die Pflege optimal geschult und auf einander abgestimmt sind, lässt sich der Anteil an schweren Komplikationen niedrig halten. Insgesamt werden im Dresdner Universitätsklinikum jährlich knapp 150 Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse vorgenommen. Der daraus erwachsene Erfahrungsschatz und die enge Zusammenarbeit zu Forschern und Fachkollegen innerhalb wie außerhalb des Uniklinikums bilden die Grundlage für exzellente Behandlungsergebnisse“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums.

„Krankenversorgung auf höchstem Niveau braucht neben hochqualifizierten und erfahrenen Teams eine verlässliche wie auskömmliche Finanzierung. Das sollte die Öffentlichkeit bei allen Fortschritten und Erfolgen nicht aus den Augen verlieren. Deshalb haben wir den Impuls des TEB e.V. mit dem Welt-Pankreaskrebstag gern aufgenommen. Um mitten in der Stadt auf das Anliegen der Patienten, aber auch der Ärzte, Wissenschaftler und Pflegenden hinzuweisen, ist es ein Glücksfall, dass uns die Dresdner Philharmonie erstmals bei einer öffentlichkeitswirksamen Aktion unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Katrin Erk, Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums.

„Spitzen-Medizin und Spitzen-Orchester sind vereint in ihrem Streben nach Exzellenz – genauso wie der Spitzensport und die Wissenschaft“, erklärt Frauke Roth, Intendantin der Dresdner Philharmonie die Kooperation. „Jeder Musiker der Dresdner Philharmonie weiß, dass wir das Bestmögliche nur im Team erreichen. Mit der Aktion am Kulturpalast strahlt am 21. November ein Licht der Verbundenheit mit der Hochleistungsmedizin.“

„Bauchspeicheldrüsenkrebs hat mein Leben von Grund auf verändert“, so Beate Müller, Bratschistin in der Dresdner Philharmonie. „Als mein Mann vor etwa einem Jahr daran erkrankte, wurde für ihn, aber auch für die ganze Familie auf einen Schlag alles anders“, erinnert sich die Musikerin. „Er hatte eine sehr gute medizinische Betreuung, unterlag aber dem Krebs. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung ist es mir ein besonderes Anliegen, dass anderen Patienten mit dieser Diagnose besser geholfen werden kann, und freue mich, dass die Spitzenforschung in Dresden schon mit großen Schritten dahin unterwegs ist!“

„Den Kampf gegen Pankreaskrebs führen nicht allein die Patienten mit ihren Angehörigen, sie kämpfen gemeinsam mit uns Ärzten, Pflegenden und Wissenschaftlern. Daher ist es wichtig, dass die immer noch schwer diagnostizierbare Krankheit in der Öffentlichkeit nicht länger tabuisiert wird, sondern wir offensiv für die Patienten und ihre Familien einstehen und für eine Behandlung in spezialisierten Zentren ebenso werben wie für eine intensivierte Forschung zur besseren Früherkennung“, sagt Prof. Jürgen Weitz. Der Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie hat deshalb mit seinem Team die Illumination der Semperoper zum Welt-Pankreaskrebstag am Donnerstag organisiert.

Der Welt-Pankreaskrebstag wird in Deutschland durch den TEB e.V. (Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse) initiiert: Der Verein unterstützt Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und deren Nachbarorganen, besonders aber Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, durch intensiven persönlichen Kontakt Erfahrungen auszutauschen, zu informieren und spezifisch zu beraten“, so die 1. Vorsitzende Katharina Stang, die selbst betroffen ist. „Dazu gehört aber auch, auf die Erkrankungen wie Pankreaskrebs aufmerksam zu machen. Wir freuen uns sehr darüber, dass die Viszeralchirurgen des Dresdner Universitätsklinikums und die Musiker der Dresdner Philharmonie den Welt-Pankreaskrebstag unterstützen und somit in besonderer Weise auf das Leid der Betroffenen aufmerksam machen.“

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der aggressivsten Krebsarten, für die es trotz der enormen Fortschritte in der Krebsmedizin bis heute nur selten eine Heilung gibt. Jährlich erkranken rund 16.500 Männer und Frauen in Deutschland an einem Pankreaskarzinom – Tendenz steigend. „Die Tumore sind besonders aggressiv und streuen sehr früh Metastasen“, erklärt Oberarzt Prof. Thilo Welsch. Dazu kommt, dass sich diese Krebserkrankung in den frühen Stadien nicht bemerkbar macht: Viele Patienten spüren den Tumor erst so spät, dass er sich nicht mehr operativ entfernen lässt. Derzeit ist dies nur in 20 Prozent aller Fälle möglich. Und auch eine erfolgreiche Operation bedeutet keine Heilung des Leidens. Aktuellen Statistiken zufolge leben aber inzwischen bis zu 40 Prozent der Operierten auch fünf Jahre nach dem Eingriff noch.

„Gerade daher ist es wichtig, dass alle Pankreaskrebspatienten, bei denen eine OP aus medizinischer Sicht möglich ist, auch operiert werden“, betont Prof. Weitz. Eine Entscheidung darüber sollte in einem spezialisierten Zentrum erfolgen, in dem auch die Therapie stattfindet. „Ein großer Teil der Pankreaskrebspatienten ist 70 Jahre und älter. Viele leiden unter weiteren Erkrankungen – etwa der Gefäße oder des Herzens, häufig sitzt zusätzlich der Tumor an wichtigen Blutgefäßen – weshalb diese Tumore oft primär als inoperabel eingestuft werden. Doch das ist relativ. Wir verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in der besonders schonenden, minimalinvasiven Chirurgie aber auch in Situationen, wenn Blutgefäße befallen sind. Zusätzlich haben die Kollegen der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie unter der Leitung von Prof. Thea Koch eine hervorragende Expertise, sodass wir viele dieser Patienten sicher operieren können“, so der Klinikdirektor weiter. Prof. Weitz empfiehlt deshalb Patienten, sich im Zweifelsfall eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen, um Sicherheit über die Entscheidung der richtigen Therapie zu bekommen. Dieses Angebot des Universitäts KrebsCentrums Dresden steht allen Patienten offen.

Hohe Fallzahlen – bessere OP-Ergebnisse Insgesamt nehmen die Viszeralchirurgen des Dresdner Uniklinikums jedes Jahr 150 Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse vor. „Eine kürzlich veröffentlichte Studie belegt erneut, dass die durch eine große Fallzahl gewonnene Erfahrung der Operateure einen direkten Einfluss auf das Ergebnis des Eingriffs hat“, erklärt Prof. Welsch. Dieser Erfahrungsschatz ist ganz besonders bei den minimalinvasiven OP-Verfahren, der sogenannten Schlüssellochchirurgie, entscheidend. Bei Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse nutzt die VTG-Klinik mittlerweile sehr häufig dieses schonende Verfahren. Wenn sich der Tumor am sogenannten Pankreaskopf gebildet hat, nutzen die Experten, wenn möglich das hochmoderne „da Vinci“-OP-Robotersystem, um das Organ und die umliegenden Lymphknoten zu entfernen.

Damit die komplexe, fachübergreifende Therapie optimal abläuft – fast alle Patienten erhalten zusätzlich zu einer Operation eine Chemo- oder auch Strahlentherapie – finden auch Diagnostik und Therapie des Pankreaskrebses im Viszeralonkologischen Zentrum statt, das nach den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) sowie nach der Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001:2015 für diese Krebserkrankungen zertifiziert ist. Zudem stellen die VTG-Klinik und das Universitäts KrebsCentrum (UCC) sicher, dass die Patienten nach dem jeweils aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis behandelt werden. Dazu trägt auch der Dresdner Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bei, dem Prof. Weitz als Geschäftsführender Direktor angehört. Das NCT hat ein Programm aufgelegt, in dessen Rahmen alle entfernten Pankreastumore genetisch untersucht werden. Dank der Ergebnisse können die Spezialisten die auf die OP folgende Chemotherapie an die Gegebenheiten des Krebsgewebes anpassen und so wirksamer gestalten.

Forscher züchten Krebszellen von Patienten nach

Die Ärzte und Wissenschaftler der VTG-Klinik und des NCT verfolgen das Ziel, für Krebspatienten neue Formen einer maßgeschneiderten Diagnostik und Therapie zu entwickeln und anzubieten. Die in Dresden laufenden Forschungsprojekte zum Pankreaskrebs beschäftigen sich unter anderem mit den Prozessen der Metastasierung, mit Biomarkern zur frühzeitigen Diagnose sowie mit der Nachzüchtung von Krebszellen der operierten Patienten. Anhand dieser Organoide soll künftig die Wirksamkeit von Chemotherapien vor deren Gabe überprüft werden.

Zweitmeinung

http://www.krebscentrum-dresden.de
Weitere Informationen
http://www.welt-pankreaskrebstag.de
http://www.dresdenerchirurgie.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Direktor: Prof. Dr. med. Jürgen Weitz
Telefon 0351 458-2742
juergen.weitz@uniklinikum-dresden.de

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