Gelungener Auftakt: Interdisziplinäres Kompetenzzentrums „Zukunft Alter“ an der KSFH eröffnet

Nach dem Pontifikalamt in der Campuskirche, das durch Bischof Dr. Konrad Zdarsa zelebriert und in dessen Verlauf bereits darauf hingewiesen wurde, wie bedeutsam und grundlegend die ‚Sorge um den Menschen‘ in der inhaltlichen Ausrichtung der Hochschule sei, begrüßte zunächst der Präsident der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Prof. Dr. Hermann Sollfrank die Vertreter aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Hochschule. Er bezog sich dabei auch auf aktuelle Zahlen und Prognosen des Statischen Bundesamtes. Nach Amtsangaben sind bereits heute knapp 30 Prozent aller Deutschen 60 Jahre alt oder älter. Prognostiziert werden zwei gegenläufige Entwicklungen: während der Anteil an Menschen, die im erwerbsfähigen Alter sind, laut Bundesamt „besonders stark schrumpft“, wird bis 2060 jeder dritte Bundesbürger 65 Jahre oder älter sein. In der Fürsorge für diese Menschen bedarf es auf kommunaler und institutioneller Ebene zunehmend andere Konzepte und Strukturen, um diesen Entwicklungen gerecht zu werden. „Unser bisheriges Bild vom Alter als dem ‚letzten und passiven Lebensabschnitt‘ greift zu kurz, um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen“, betont Prof. Dr. Hermann Sollfrank, „wir brauchen neue und zugleich innovative Handlungsoptionen, um die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu sichern. Als eine Hochschule in kirchlicher Trägerschaft, die sich seit jeher auf die Ausbildung von Sozial-, Pflege- und pädagogischen Berufen spezialisiert – und auch ausschließlich im Bereich des Sozialen und Gesundheitswesens forscht – sind wir in unserer Expertise nicht nur hervorragend aufgestellt, sondern meines Erachtens in der Pflicht, hier einen proaktiven und gesellschaftsrelevanten Beitrag zu leisten.“ Themenschwerpunkte, zu denen an den beiden Hochschulstandorten in München und Benediktbeuern systematisch geforscht werden soll, sind z. B. Palliative Care und Hospizarbeit, Spiritualität und Alterspastoral, Versorgungskonzepte in Pflege und Sozialer Arbeit und Kompetenzerhalt bzw. -erwerb und Lernen im Alter. Um in diesen Themenfeldern auch weiterhin aktiv zu sein, Forschungsprojekte voranzutreiben und valide Forschungsergebnisse zu liefern, bedarf es allerdings, so die ergänzenden Worte des Präsidenten, nicht nur der immateriellen Ausstattung, sondern auch der finanziellen Unterstützung. Prof. Dr. Hermann Sollfrank nutzte den feierlichen Anlass, um sich bei Dr. Harald Mosler, Vorstand der Josef und Luise Kraft-Stiftung für sein ideelles und auch finanzielles Engagement an der Hochschule zu bedanken. Die Josef und Luise Kraft-Stiftung ermöglicht der Hochschule die wissenschaftliche Mitarbeit von Dr. Christoph Ellßel im Kompetenzzentrum „Zukunft Alter“ und finanziert mit Prof. Dr. Anita Hausen bereits die zweite Stiftungsprofessur im Fachbereich Pflege. „Die Stiftungsgelder der Josef und Luise Kraft-Stiftung haben bereits grundlegend zum Ausbau von Lehre und Forschung beigetragen, ohne jemals auch nur ansatzweise in die Wissenschaftsfreiheit einzugreifen. Dafür möchte ich mich im Namen der Hochschule herzlich bedanken.“

Prof. Dr. Constanze Giese, Dekanin des Fachbereichs Pflege, betonte in ihrer anschließenden Begrüßung, wie sehr die Hochschule mit der Einrichtung eines neuen Kompetenzzentrums „für Menschen arbeitet, die Hilfe brauchen.“ Gleichzeitig wies sie daraufhin, dass es eben nicht nur Fluch, sondern auch Segen sei, alt werden zu dürfen: „Lebensqualität und Teilhabe sollten keine Frage des Alters sein. Eine Schmälerung von Qualität tritt erst dann auf, wenn kranken und hilfsbedürftigen Menschen keine angemessenen Angebote bereitgestellt werden“, sagt die Dekanin, deren Fachbereich in der patientennahen Akademisierung nachweislich zu den führenden in Bayern zählt. Prof. Dr. Constanze Giese leitete dann auch den anschließenden Festvortrag von Prof. Dr. Anita Hausen ein, die seit dem letzten Jahr Inhaberin der Stiftungsprofessur ‚Versorgungsforschung und Versorgungskonzepte mit dem Schwerpunkt pflegerische Versorgung im Alter‘ an der KSFH ist. In ihrem wissenschaftlichen Vortrag ging die Stiftungsprofessorin auf systemunabhängige und –immanente Entwicklungen in der Versorgungsforschung ein, wie z. B. die Zunahme an alterskorrelierter chronischer Erkrankungen, die Fortschritte in Medizin, Pflege und Technik oder dem Fachkräftemangel. Zugleich zeigte die Wissenschaftlerin verschiedene Definitionen der Versorgungsforschung auf und forderte einen Paradigmenwechsel von der Defizit- zur Ressourcenorientierung.

An dem Format der ‚Grußwortinterviews‘, die von Prof. Dr. Bernd Reuschenbach, Professor im Fachbereich Pflege, moderiert wurden, nahmen Prof. Dr. Monika Bobbert (Universität Münster), Prof. Dr. Birgit Dorner (wissenschaftliche Leitung der Abteilung Forschung an der KSFH), Dr. Thomas Goppel, MdL, Dr. Harald Mosler (Josef und Luise Kraft-Stiftung) und Prof. Dr. Barbara Staudigl (Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Trägerin der Hochschule „Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern“) teil. Auf die Frage, was sich die Podiumsteilnehmer von dem neuen Kompetenzzentrum erwarten, fokussierte sich Prof. Dr. Monika Bobbert auf das Gelingen der interdisziplinären Arbeit, hier appellierte sie an die beteiligten Disziplinen, sich nicht nur „nebeneinander“, sondern miteinander zu positionieren. Zugleich hob die Münsteraner Professorin hervor, dass das Kompetenzzentrum hier ein wichtiger Kristallisationspunkt sei, um die Menschen oder Themenfelder zusammenzubringen, die bei der Qualitätsfindung aktiv beteiligt sein sollten. Die KSFH-Professorin Dr. Birgit Dorner weist auf den hohen Mehrwert des neuen Kompetenzzentrums im Hochschulumfeld hin: noch stärker als bisher könne hier mit langjährigen Praxispartnern zusammengearbeitet werden, auch könnten neue Promotionsmöglichkeiten hervorgehen, weitere Wissenschaftler engagiert und neue Themen gefunden werden. „Kommunen werden früher oder später ihre Versorgung in der Stadt umgestalten, ambulante Pflegestützpunkte schaffen und auch den Bildungshunger älterer Generationen stillen müssen. Die KSFH ist mit ihren Schwerpunktsetzungen in der Sozialen Arbeit, in der Pflege und in der Pädagogik in der Lage, hier Wissen bereitzustellen.“ Die Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Prof. Dr. Barbara Staudigl zeigte sich in ihren Worten ebenfalls sehr zugewandt: „Als Trägerin der Hochschule haben wir hier von vornherein gemeinsam an einem Strang gezogen, wir befürworten unbedingt die Forschungsaktivitäten, die im Rahmen des neuen Kompetenzzentrums stattfinden und bei denen das Wohlergehen des Menschen im Vordergrund steht.“ Dr. Harald Mosler, Vorstand der Josef und Luise Kraft-Stiftung, sprach in diesem Kontext von der Kraft der Privatwirtschaft, die sich hier sinnstiftend finanziell einbringen kann. Dr. Thomas Goppel sieht darüber hinaus in der Gründung des Kompetenzzentrums „Zukunft Alter“ einen wichtigen Schritt in der Reputation von sozialen und pflegerischen Berufen, die im Vergleich zu anderen Berufszweigen noch immer zu schlecht bezahlt werden.

Sitz des Kompetenzzentrums „Zukunft Alter“ ist in München das Erdgeschoss des Katholischen Pfarramts St. Johann Baptist in der Kirchenstraße 37 und in Benediktbeuern der Konventbau des Klosters. Bei Rückfragen können Sie sich gerne jederzeit an folgenden Kontakt wenden: Sibylle Thiede, sibylle.thiede@ksfh.de, 089-48092-1466

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