Gefahr aus dem Schweinestall

Wenn Menschen ins Krankenhaus kommen, ist ihr Immunsystem häufig geschwächt. Krankheitserreger, die kerngesunden Menschen selten schaden, können dann gefährlich werden. Das Bakterium Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Musterbeispiel: Bis zu 70 Prozent aller Menschen tragen den Keim zwar unbeschadet auf der Haut, bei geschwächten Patienten kann er aber schwere Infektionen, wie Haut- und Weichgewebeinfektionen, Lungen- und Knochenentzündungen, hervorrufen. Für Krankenhäuser ist das eine Herausforderung: Einige Stämme des Bakteriums lassen sich mit Antibiotika schwer bekämpfen („MRSA“, Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Aber auch außerhalb der Krankenhäuser wurden MRSA in den vergangenen Jahren bei Nutztieren wie Schweinen, Rindern und Geflügel immer häufiger nachgewiesen.

S. aureus kann zwischen Menschen und Tieren übertragen werden; wie das Bakterium die Spezies-Barriere überwindet, ist unklar. Um diese und weitere Fragen rund um den Erreger zu klären, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über die nächsten drei Jahre mit rund 2,5 Millionen Euro den bundesweiten Forschungsverbund „MedVet-Staph“. Mehr als 800.000 Euro davon gehen nach Münster.

„Die Übertragung zwischen Mensch und Tier wurde in den vergangenen Jahren beobachtet“, so Dr. Robin Köck, Koordinator des Forschungsverbundes, vom Institut für Hygiene am Universitätsklinikum Münster. „Der Erreger lässt sich bei mehreren Nutztieren nachweisen, er findet sich etwa in 70 Prozent der Schweine haltenden Betriebe in Deutschland. Die S.-aureus-Stämme unterscheiden sich aber in ihrer Verbreitungsfähigkeit – manche kommen nur bei Mensch oder Tier vor, andere überschreiten diese Barriere. Herauszufinden, welche Eigenschaften dafür verantwortlich sind, ist eines unserer Ziele“. Außer den Forschungsgruppen der Uni Münster sind Human- und Veterinärmediziner, Biologen und Agrarwissenschaftler aus mehreren Einrichtungen in das Forschungsnetzwerk eingebunden: Neben der Freien Universität Berlin, der Universität des Saarlandes und der Universität Würzburg sind das Robert-Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Friedrich-Loeffler-Institut dabei.

In Münster sind das Institut für Hygiene, das Institut für Medizinische Mikrobiologie und die Poliklinik für Parodontologie an „MedVet Staph“ beteiligt. Das Institut für Hygiene befasst sich mit der Frage, wie verbreitet MRSA aus dem Tierreservoir bei Patienten in Krankenhäusern sind und wie sich MRSA-Keime, die vom Tier auf den Menschen übertragen worden sind, im menschlichen Wirt evolutionär verändern. Die Mikrobiologie unter Projektleiter Prof. Dr. Karsten Becker untersucht schwerpunktmäßig, welche Faktoren bei manchen MRSA-Stämmen eine Übertragung zwischen Mensch und Tier ermöglichen und welche besonderen Eigenschaften Tier-MRSA als Krankheitsauslöser aufweisen. Die Parodontologie unter Prof. Dr. Dag Harmsen baut eine nationale Datenbank für zoonotische (also zwischen Mensch und Tier übertragbare) S. aureus auf, in der die Erkenntnisse aller beteiligten Projektpartner zusammengeführt werden.

Redaktion: Dr. Thomas Bauer
(E-Mail: thbauer@uni-muenster.de; Telefon: 0251 83-58937)

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