Ganztagsschule in Bewegung

Sportpädagogen und Mediziner beklagen regelmäßig, dass sich Kinder in Deutschland und Österreich zu wenig bewegen. Die Einführung der Ganztagsschule bietet für Schulen die Chance, zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote in den Schulalltag zu integrieren und so einen Ausgleich zum klassischen „sitzenden“ Lernen, aber auch zum oftmals von Computer und TV geprägten Freizeitverhalten vieler Schüler zu schaffen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts soll insbesondere ermittelt werden, inwieweit es den Schulen gelingt, Sport- und Bewegungsangebote in den Ganztag einzubauen. Hierzu wird zunächst eine Bestandsaufnahme an möglichst allen niederbayerischen und oberösterreichischen Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien zu den Bewegungsangeboten und den hierfür verantwortlichen Personen vorgenommen. Vorschule und berufliche Schule werden teilweise mit ausgewählten Fragestellungen einbezogen. Eine anschließende Feinanalyse an wenigen ausgewählten Schulen mit und ohne zusätzliches sportliches Ganztagsangebot soll dann ermöglichen, detaillierte Schulporträts zu erstellen. Dabei wird nicht nur unter die Lupe genommen, wie genau Sport und Bewegung in den Schulalltag integriert werden, sondern auch wie die zusätzlichen Angebote bei Schülern, Lehrern und Eltern ankommen. Untersucht wird zudem, welche fachliche Qualifikation die Personen haben, die Bewegungs- und Sportangebote an Schulen leiten, und welche Rolle externe Partner wie Sportvereine spielen.
Das Projekt ist insgesamt auf drei Jahre angelegt. In einer Langzeitstudie über die gesamte Projektdauer wird beobachtet werden, ob zusätzliche Sportangebote zu signifikanten Veränderungen bei ausgewählten Merkmalen führen. So wäre z. B. ein motorischer Leistungsfortschritt bei Schülern oder eine erhöhte persönliche Zufriedenheit denkbar. Die ausführliche Datenanalyse soll zudem klären, ob sich aus den bisherigen Erfahrungen Handlungsempfehlungen für die Gestaltung der eines bewegten Ganztags formulieren lassen. Zudem wird geprüft, wie sich eine gezielte Lehrerfortbildung an ausgewählten Schulen bewährt.
Ein besonderer Schwerpunkt bei der Analyse der gewonnenen Daten wird darauf liegen, ob bei den untersuchten Merkmalen signifikante Unterschiede zwischen den Schularten sowie regionale Unterschiede zwischen Bayern und Oberösterreich festgestellt werden können. Das Projekt mit Gesamtkosten von rund 466.000 Euro ist vor diesem Hintergrund grenzüberschreitend angelegt und wird im Rahmen des INTERREG-Programms Bayern-Österreich 2007-2013 aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Das Projekt steht außerdem in engem Bezug zum Verbundforschungsprojekt „Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule“ der Universitäten Marburg, Jena und Braunschweig. Dadurch können die Ergebnisse nicht nur mit den Daten aus Österreich, sondern auch mit Daten aus anderen deutschen Bundesländern verglichen werden.
(idw, 10/2010)

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