Gamescom 2018: OASIS erreicht Computerspielabhängige – Über 27.000 Menschen seitdem im Selbsttest

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„Wir sind mit diesem ersten Ergebnis mehr als zufrieden“, so Oberarzt Dr. Jan Dieris-Hirche, seit Anfang des Jahres neuer Leiter der Medienambulanz. „Es bestätigt, dass das Thema unsere Gesellschaft erreicht hat und auch in Zukunft weiter beschäftigen wird.“ Gemeinsam mit Medienpsychologin (M. Sc.) Laura Bottel betreuen Jan Dieris-Hirche und Bert te Wildt, der Anfang des Jahres in die Leitung der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen wechselte, das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Hilfeprojekt OASIS, welches deutschlandweit die Versorgung von Internet- und Computerspielsüchtigen verbessern helfen soll.

Unter http://www.onlinesucht-ambulanz.de können sich Interessierte seit September 2016 einem Selbsttest unterziehen und erhalten direkt Rückmeldung, ob möglicherweise eine Internetabhängigkeit besteht. Neben Online-Sexsüchtigen nutzen vor allem Computerspielabhängige das OASIS-Angebot. Auch Angehörige von Computerspielsüchtigen suchen in diesem Hilfe-Programm Rat und Unterstützung. Die Zwischenbilanz im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass sich deutlich mehr Betroffene direkt anmelden als Angehörige, und damit den Schluss zugelassen, dass es OASIS in besonderem Maße gelingt, die Betroffenen dort abzuholen, wo sich nicht nur ihre Sucht, sondern eben auch die meiste Lebenszeit abspielt.

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Das Prinzip von OASIS ist einfach: Im Rahmen von zwei webcam-basierten Online-Sprechstunden steht im ersten Gespräch die Diagnostik im Vordergrund und im zweiten Gespräch die individuelle Vermittlung zu Anlaufstellen bei den Betroffenen vor Ort wie Fachkliniken, -ambulanzen und Beratungsstellen. Ziel ist es, nicht nur therapeutische Möglichkeiten vor Ort zu vermitteln, sondern auch Behandlungsbereitschaft zu erzeugen – in Form eines Beziehungsangebots. „Da Leidtragende aber auch die Angehörigen sind, steht OASIS ebenso erwachsenen Angehörigen von Betroffenen ab 14 Jahren zur Verfügung“, ergänzt Psychologin Laura Bottel.

Vor kurzem erst hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gaming Disorder bzw. die Computerspielabhängigkeit als eigenes Störungsbild in ihren Katalog von psychischen Krankheiten aufgenommen. Die Internetabhängigkeit ist als eine Verhaltenssucht in der Gesellschaft allerdings noch nicht vollständig anerkannt. Sie erzeugt einen großen Leidensdruck, hat negative Folgen für Körper und Psyche und ist daher behandlungsbedürftig. Die Betroffenen zeigen ein exzessives Nutzungsverhalten mit krankhafter Impulsivität, Kontrollverlust und Entzugserscheinungen. Das komplette soziale und berufliche Umfeld bricht weg, und im schlimmsten Fall tragen sie sich mit Suizidgedanken.

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Mit Unterstützung der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler, die die Medienambulanz in Bochum besucht hatte und sich seitdem für die gesellschaftliche Anerkennung der Internetsucht stark macht, sowie in Zusammenarbeit mit dem ZTG – Zentrum für Telematik und Telemedizin und dem Fachverband Medienabhängigkeit konnte das deutschlandweit einzigartige OASIS-Angebot auf den Weg gebracht und entwickelt werden.


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