Gamescom 2018: Bochumer Medienambulanz hilft bei Internetsucht Betroffenen und Angehörigen

„In unserer Mediensprechstunde ist für junge Erwachsene ab 18 Jahren eine diagnostische Abklärung einer möglicherweise vorliegenden Internetabhängigkeit möglich“, beschreibt Oberarzt Dr. Jan Dieris-Hirche, Leiter der Medienambulanz in Bochum, das Erstangebot. Die häufigsten Arten einer Internetabhängigkeit sind die Online-Computerspielabhängigkeit und Internetpornografie- bzw. Cybersexabhängigkeit. Erst im Juni 2018 wurde die Internet-Computerspielabhängigkeit seitens der Weltgesundheitsbehörde (WHO) offiziell als eigenes Störungsbild anerkannt. „Aber auch die Abhängigkeit von sozialen Netzwerkseiten oder Informationsrecherche ist mittlerweile ein Phänomen, welches immer mehr Anlass zur Sorge gibt“, verweist Dieris-Hirche auf das eskalierende Problem der Internetabhängigkeit.

Die Medienambulanz bietet neben der Diagnostik sowie (teil-)stationären Angeboten gezielt zwei ambulante Psychotherapie-Gruppen an – jeweils für Online-Computerspielabhängige sowie für Pornografie- bzw. Cybersexabhängige. Hierbei besteht auch das Angebot, als Proband an wissenschaftlichen Studien teilzunehmen. Derzeit werden für ein Forschungsprojekt noch Betroffene mit Computer- oder Internetpornografie-Sucht gesucht. Wissenschaftler der Medienambulanz der LWL-Universitätsklinik sowie des Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR) der Universität Duisburg-Essen erhoffen sich mit der aktuellen Studie Erkenntnis darüber, wie Bilder von Spielszenen eines bevorzugten Computerspiels oder pornografische Bilder auf die süchtige Person wirken. An der Studie können Betroffene ab 18 Jahren teilnehmen, die einen problematischen Gebrauch von Internetpornografie oder von einem der folgenden Online-Computerspiele aufweisen: Battlefield, D3, Dota 2, GTA5, League of Legends, StarCraft 2, World of Warcraft.

Die Teilnahme an dieser Studie ist einmalig im Bochumer Klinikum, dauert etwa 100 Minuten und wird mit 20 Euro vergütet. Interessierte können sich bei Magdalena Pape unter magdalena.pape@rub.de melden.

„Uns ist es wichtig, im Rahmen unserer Forschungstätigkeit und mit Hilfe unserer Angebote Patientinnen und Patienten jenseits der virtuellen Welt Wege in ein erfülltes Leben in der Realität aufzuzeigen“, erklärt Jan Dieris-Hirche den Ansatz der Medienambulanz.

Kontakt zur Medienambulanz: Tel. 0234 5077-3333 und E-Mail anja.volke@lwl.org
Öffnungszeiten montags – freitags, 8.00 Uhr – 16.00 Uhr (Termine nach telefonischer Vereinbarung)

Weitere Informationen sind im Internet unter www.lwl-uk-bochum.de/klinik-fuer-psychosomatische-medizin-und-psychotherapie oder www.fv-medienabhaengigkeit.de) abrufbar.

Hintergrund
Die Internetsucht gilt als Verhaltenssucht, die mit Depressionen, sozialen Ängsten sowie Störungen von Aufmerksamkeit und Aktivität (ADHS) einhergehen. Die online-süchtigen Heranwachsenden sind oftmals bis zu 16 Stunden am Tag ununterbrochen im Netz. Sie vernachlässigen ihre Körperpflege, Ernährung und Gesundheit, haben soziale Probleme im persönlichen Umfeld und sind nicht mehr in der Lage, Leistungen in Schule, Ausbildung und Beruf zu erbringen. Schlimmstenfalls sind die oft jungen Patienten sogar suizidal.

PD Dr. Bert te Wildt, der Anfang des Jahres in die Leitung der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen wechselte, gründete 2012 die Medienambulanz in Bochum. Vor drei Jahren führte das neuartige Phänomen des digitalen Zeitalters die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler nach Bochum, wo sie die Medienambulanz besuchte, um sich im Gespräch mit Experten über das Krankheitsbild, aktuelle und zukünftige Behandlungsmöglichkeiten sowie Präventionsmaßnahmen zu informieren. Im Jahr darauf startete die Klinik mit dem Online-Ambulanz-Service für Menschen mit Internetsucht (OASIS). Über die Homepage www.onlinesucht-ambulanz.de können Betroffene einen Selbsttest absolvieren und mittels webcambasierten Beratungsgesprächen erste Hilfsangebote erhalten.

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