Für kleine Patienten im Einsatz: Neue Kinderneurochirurgin am Universitätsklinkum Ulm

Die Fahrerinnen und Fahrer im Klinikshuttle, das Patient*innen wie auch Mitarbeiter*innen zu den Klinikstandorten am Michels-, Safran- und Oberen Eselsberg bringt, kennt Frau Prof. Aurelia Peraud mittlerweile recht gut. Denn am Universitätsklinikum Ulm werden Kinder und Jugendliche normalerweise in der am Michelsberg ansässigen Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin) behandelt. Frau Prof. Peraud wird allerdings in Zukunft deutlich mehr Kinder und Jugendliche in den sehr modernen OP-Sälen am Oberen Eselsberg neurochirurgisch versorgen. Vor allem für komplexe, technisch anspruchsvolle Eingriffe am Gehirn oder am Rückenmark benötigt die Chirurgin die hochtechnischen Gerätschaften, die dort in den OPs im Einsatz sind. In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Michelsberg werden weiterhin technisch weniger aufwendige Operationen wie das Legen von Shunts oder die Korrektur von Schädelfehlbildungen und angeborenen spinalen Fehlbildungen durchgeführt. An beiden Standorten wird Frau Prof. Peraud Sprechstunden für betroffene Kinder anbieten – und so pendelt die Chirurgin jeden Tag zwischen Michels- und Oberem Eselsberg.

Da den jungen Patient*innen nach den Operationen auch am Oberen Eselsberg eine kindgerechte Betreuung durch Kinderkrankenschwestern und -pfleger zukommen soll, werden hierfür derzeit in der Neurochirurgischen Klinik weitere Strukturen geschaffen. Neben weiteren Betten auf der Station G4, auf der auch jetzt schon Kinder und Jugendliche nach Operationen versorgt werden, soll ein weiterer OP-Saal für die neurochirurgische Versorgung von Kindern ausgestattet werden. Das zukünftige Team soll aus einer Oberärztin/ einem Oberarzt, einer Assistenzärztin/ einem Assistenzarzt sowie einer Fachkraft für Medizinisch-Technische Funktionsassistenz bestehen. Eine weitere wissenschaftliche Stelle ist ebenfalls eingeplant, denn auch die Forschung auf diesem Gebiet ist Frau Prof. Peraud ein wichtiges Anliegen. Sie selbst forscht vorrangig zu kindlichen Hirntumoren und spinalen Dysraphien, also Schließungsstörungen des Neuralrohrs.

Besonders wichtig ist Frau Prof. Peraud, einen guten Draht zu den Eltern der betroffenen Kinder aufzubauen, für die ihre Türe immer offen steht. „Kinder sind einfach toll, deswegen mache ich das. Doch eine Operation bei Kindern ist vor allem auch für die betroffenen Eltern eine sehr schwierige Situation. Mir ist es deshalb wichtig, dass sie ihre Fragen, Sorgen und Ängste mit mir besprechen können und damit mehr Sicherheit für ihre Entscheidungen gewinnen. Das wirkt sich dann auch auf die Kinder aus, die so mehr Vertrauen fassen“, erklärt die pädiatrische Neurochirurgin.

Frau Prof. Peraud, die ihre Ausbildung zur Fachärztin an der Neurochirurgischen Klinik am Klinikum Großhadern in München absolvierte, war bisher als Oberärztin an der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik desselben Klinikums tätig und leitete dort die Kinderneurochirurgie sowie die Epilepsiechirurgie. Dort operierte sie zum Beispiel Kinder, die einen Hirntumor haben oder einen Wasserkopf (Hydrozephalus). „Ich war 24 Jahre in meiner alten Stelle beschäftigt, da fällt es nicht leicht, zu gehen“, gibt Frau Prof. Peraud zu. „Aber hier an der Universitätsklink Ulm wurde ich herzlich aufgenommen und freue mich auf die Möglichkeit, zahlreichen neuen Patient*innen und deren Eltern zu helfen und natürlich auch darauf, mein Wissen an den medizinischen Nachwuchs weiterzugeben.“
Die Behandlungsschwerpunkte der gebürtigen Münchenerin liegen auf der neurochirurgischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Tumoren im Gehirn und am Rückenmark bzw. der Wirbelsäule, der Epilepsiechirurgie sowie der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Patient*innen mit einem Wasserkopf. Ihre Leidenschaft für die Kinderneurochirurgie entdeckte Frau Prof. Aurelia Peraud in Toronto, wo sie 2002 ein Jahr als Clinical and Research Fellow am renommierten „Hospital for Sick Children“ sowie am „Arthur and Sonia Labatt Brain Tumor Research Center“ arbeitete. Seit diesem lehrreichen Aufenthalt in der „Wiege der Neurochirurgie“ schlage ihr Herz besonders für die kleinen Patienten, so die 51-Jährige.

Über Frau Prof. Perauds Entscheidung für Ulm freuen sich nicht nur die Patient*innen, sondern auch der Ärztliche Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Professor Dr. Christian Rainer Wirtz: „Wir sind sehr froh, dass wir Frau Prof. Peraud für unser Universitätsklinikum gewinnen konnten, denn Spezialist*innen auf ihrem Gebiet sind rar. Von ihrer Expertise werden unzählige Kinder und Jugendliche profitieren sowie auch das Universitätsklinikum, da Frau Prof. Peraud mit ihrem Fachbereich auch in Lehre und Forschung zusätzlich neue, wichtige Impulse setzen wird.“ Die ersten kleinen Patient*innen ließen am neuen Arbeitsplatz der Neurochirurgin nicht lange auf sich warten: „Etliche Kinder und Eltern haben mir gesagt, ‚wir fahren für Sie auch die 130 Kilometer nach Ulm`“, so Frau Prof. Peraud. Und tatsächlich: das erste Kind, das sie in Ulm operiert, ist ihr und ihrem exzellenten Ruf aus München nach Ulm gefolgt.

Der Vorstand des Universitätsklinikums Ulm begrüßt Frau Prof. Peraud an ihrer neuen Wirkungsstätte und hat bereits weitere Investitionsmittel für die Kinderneurochirurgie bereitgestellt. Die pädiatrische Neurochirurgie wird als wichtiger Eckpfeiler der weiteren Neurochirurgischen Strategie des Universitätsklinikums angesehen.

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