Für eine bessere Diagnostik und Therapie von Nervenschmerzen: Aktionstag gegen den Schmerz

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen von Nerven oder direkte Schädigung von Rückenmark oder Gehirn. Zu den vielfältigen Ursachen zählen z. B. Polyneuropathie bei Diabetes, Gürtelrose, Rückenmarksverletzungen oder Multiple Sklerose.

Nervenschmerzen besser analysieren

Einschießende Schmerzen, Brennen, Kribbeln, aber auch sensible Ausfälle wie verminderte Wahrnehmung von Kälte oder unangenehme Taubheit sind typische Symptome. Die Diagnose ist schwierig, da es kein einheitliches Beschwerdebild gibt: Jedes Symptom kann in beliebiger Kombination mit anderen auftreten und das ganz unabhängig von der Grunderkrankung. Um die typischen Veränderungen der Hautsensibilität genau messen zu können, hat der DFNS e.V. die Quantitativ Sensorische Testung (QST) entwickelt und standardisiert. Die QST prüft mit sieben Tests die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck. Der Forschungsverbund bietet standardisierte QST-Schulungen im Referenz-Schulungszentrum in Mannheim unter Leitung von Prof. Rolf-Detlef Treede an, um die hohe Qualität der QST zu sichern. Zudem ist eine Zertifizierung von QST-Laboren möglich. Das Qualitätssiegel hat der DFNS zusammen mit der Certkom e.V. erarbeitet.

Nervenschmerzen besser verstehen

Die QST nach DFNS-Standard liefert ein Sensibilitätsprofil des einzelnen Patienten, das Rückschlüsse auf die Nervenschädigung erlaubt: Sind feine oder dickere Nervenfasern betroffen? Liegt die Verletzung im zentralen oder peripheren Nervensystem? Diese Informationen können für eine möglichst zielgerichtete „mechanismenbasierte“ Therapie bedeutend sein.
Um QST-Profile optimal beurteilen zu können, hat der DFNS eine zentrale Datenbank aufgebaut, die im Team von Prof. Christoph Maier, Bochum, verwaltet wird. Diese enthält derzeit anonymisierte Daten von knapp 3000 Patienten sowie über 600 gesunden Probanden. Durch den Vergleich der Patientendaten mit den gesunden Probanden konnte der DFNS geschlechts- und altersspezifische Normwerte für jeden QST-Wert ermitteln. Darüber hinaus wurde eine Blut- und DNA-Bank, angesiedelt bei Prof. Thomas R. Tölle in der Geschäftsstelle des DFNS e.V. in München, aufgebaut, mit der genetische Ursachen von Nervenschmerzen erforscht werden sollen.
Mit der Datenbank konnten bereits Untergruppen von Patienten identifiziert werden, die ähnliche Sensibilitätsprofile haben. In laufenden und künftigen Studien, die das Zentrum Kiel unter Prof. Ralf Baron koordiniert, wird nach medikamentösen Therapieoptionen für die einzelnen Untergruppen gesucht.

Nervenschmerzen besser erforschen

Je mehr Informationen in die Datenbank einfließen, desto genauere Analysen und stichhaltigere Erkenntnisse sind möglich. Deshalb hat sich der Verbund international vernetzt. In dem auf Initiative des DFNS begründeten Netzwerk Neuropain erforschen zwölf führende europäische Zentren die Entstehungs-mechanismen, objektive Diagnosekriterien und bessere Therapiestrategien neuropathischer Schmerzen. Im Netzwerk Europain kooperieren 23 akademische und industrielle Partner aus ganz Europa, um die Entwicklung neuartiger Pharmakotherapien zu erleichtern und verlässliche Biomarker für Schmerz zu entwickeln. Letztlich soll die Lebensqualität chronischer Schmerzpatienten nachhaltig verbessert werden.

Bildmaterial „QST-Bildserie“ zum Download:
http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/presse/fotoserie_QST.html

Über den DFNS e.V.:
Ein bedeutender Schritt für die Nachhaltigkeit des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz wurde mit der Gründung des DFNS e.V. erreicht. Der gemeinnützige Verein macht sich auch über die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hinaus für die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik, Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen stark. Ziel ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.

Pressekontakt:
Vedrana Romanovic
DFNS e.V.
Neurologische Klinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München

Tel.: +49 89 4140 – 7915
Fax: +49 89 4140 – 4655
e-mail: romanovic@lrz.tum.de

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