Fünf Humboldt-Stipendiaten forschen für Medikamente von morgen

Die Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit ihren Forschungsgebieten in Kürze:

Der Glutenunverträglichkeit auf der Spur
Professorin Dr. Veronica Isabel Dodero, Universidad del Sur-INQUISUR, Bahia Blanca, Buenos Aires (Argentinien).
Warum zeigen viele Menschen eine ausgeprägte, negative Reaktion auf Gluten, einem häufigen Bestandteil vieler Getreideprodukte? Mit ihrer Forschung versucht Professorin Dodero, die Entwicklung einer Glutenunverträglichkeit auf molekularer Ebene aufzuklären. Eine Ursache für diese komplexe Autoimmunerkrankung scheint unter anderem der in hohen Mengen im Gluten vorhandene Eiweißstoff Gliadin zu sein. Um dessen Einfluss bei der Entstehung einer Glutenunverträglichkeit genauer zu verstehen, analysiert die Chemikerin Teile des Gliadins, sogenannte Peptide, auf dessen Struktur. Sie erhofft sich, auf mögliche Angriffspunkte für eine Therapie schließen zu können. Sie bleibt für zwei Jahre in Bielefeld.

Pilze als Quelle potenzieller Medikamente zur Malariabekämpfung
Professor Dr. Bruno Lenta Ndjakou, University of Yaoundé, Higher Teacher Training College, Yaoundé (Kamerun).
3.2 Milliarden Menschen fast die Hälfte der Weltbevölkerung – sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO derzeit akut von einer lebensbedrohlichen Malaria-Erkrankung bedroht. Für viele ist eine bezahlbare medizinische Versorgung nicht zugänglich. Um diesen Missstand zu bekämpfen, forscht Professor Lenta an bislang unbekannten Naturstoffen aus Pilzen, die in volksmedizinisch genutzten Heilpflanzen aus seinem Heimatland Kamerun vorzufinden sind. Diese Naturstoffe werden isoliert und auf ihre medizinische Wirkung gegen den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum untersucht. Das Ziel des Wissenschaftlers ist es, der breiten Bevölkerungsschicht in Malaria-geplagten Ländern bezahlbare Medikamente zur Malariabekämpfung zur Verfügung stellen zu können. Professor Lenta forscht für 18 Monate an der Universität Bielefeld, die er bereits mehrfach besucht hat.

Vom traditionellen Heilverfahren bis zum Krebsmedikament
Dr. Negera Abdissa Ayana (Assistant Professor), Jimma University, Jimma City (Äthiopien).
Traditionelle Heilverfahren sind seit langer Zeit ein integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung in Afrika. Traditionelle Heiler verfügen seit Generationen über Wissen über Naturheilkräuter und deren medizinische Wirkung bei Infektionen, Krebs und parasitären Erkrankungen wie Malaria und Leishmaniose. In den meisten Fällen ist der eigentliche Wirkstoff in diesen Pflanzen jedoch unbekannt. Dr. Negera Abdissa Ayana untersucht daher in seiner Forschung traditionell angewandte Heilpflanzen aus Äthiopien auf ihre medizinisch aktiven Verbindungen. Sein Ziel ist es, neuartige und kostengünstige Wirkstoffe zu identifizieren und preiswerte Alternativen zu teuren Krebsmedikamenten zu finden, die auch der Bevölkerung in ärmeren Ländern zugänglich gemacht werden kann. Er forscht für ein Jahr in Bielefeld.

Zyklische Peptide als Ausgangspunkt neuartiger Medikamente
Dr. Elmira Ghabraie, K. N. Toosi University of Technology, Teheran (Iran).
Peptide, kleine Eiweißmoleküle, übernehmen im menschlichen Körper zum Beispiel als Hormone lebenswichtige Aufgaben. Aufgrund dieser wichtigen Funktionen dienen synthetisch hergestellte Peptide häufig als Startpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente. Um die Stabilität solcher Verbindungen im menschlichen Körper zu erhöhen und den frühzeitigen Abbau zu verhindern, forscht Dr. Elmira Ghabraie an der Synthese ringförmiger Peptide, die nicht den natürlichen Abbauprozessen im Körper unterliegen. Um die Bildung dieser zyklischen Struktur zu erreichen, verwendet Dr. Ghabraie die seltene Aminosäure 7-Bromtryptophan. Die Verwendung dieser Aminosäure in einer im Jahr 2010 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Suzuki-Miyaura Kreuzkupplungsreaktion ermöglicht einen Zugang zu neuartigen zyklischen Peptiden mit verbesserten Eigenschaften. Dr. Ghabraie forscht zwei Jahre in Bielefeld.

Die Natur als Vorbild – Eiweiß-ähnliche Moleküle im Kampf gegen Alzheimer
Dr. Sandip Jadhav, Indian Institute of Science Education and Research, Pune (Indien).
Peptide sind im menschlichen Körper überlebensnotwendig. Dennoch bilden diese kleinen Eiweißmoleküle unter bestimmten Umständen große Aggregate, die die zellulären Funktionen stark negativ beeinflussen. Eine der bekanntesten Krankheiten, in der eine Peptidaggregation eine entscheidende Rolle spielt, ist Alzheimer. Diese neurodegenerative Erkrankung ist für zirka 60 Prozent der weltweit 24 Millionen Demenzerkrankungen verantwortlich. Dr. Sandip Jadhav forscht an Peptid-ähnlichen Molekülen, sogenannten Peptidmimetika, die aufgrund ihrer molekularen Zusammensetzung eine bestimmte dreidimensionale Struktur einnehmen. Sein Ziel ist es, mit Hilfe dieser Strukturen die krankheitsauslösenden Peptide gezielt zu binden, noch bevor es zu einer Verdichtung kommen kann. Er forscht für zwei Jahre in Bielefeld.

Bis auf Dr. Sandip Jadhav werden alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch ein Georg Forster-Forschungsstipendium der Humboldt-Stiftung gefördert. Die Stiftung vergibt bis zu 80 Georg Forster-Forschungsstipendien pro Jahr, acht dieser Stipendiatinnen und Stipendiaten gehen in diesem Jahr an die Universität Bielefeld. Mit ihren Forschungsvorhaben sollen die geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung ihres Herkunftslandes oder ihrer Herkunftsregion leisten. Außerdem tragen sie zum Austausch von Wissen und Methoden zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland bei.

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