Frühtherapie der MS und langfristige Behandlung mit lnterferon beta-1b reduzieren Schubrate und verbessern Prognose der MS-Patienten

Durch eine Frühtherapie der MS und eine langfristige immunmodulierende Behandlung mit lnterferon beta-1b lässt sich die Prognose der Patienten signifikant bessern. ln den Studien zur Frühtherapie lässt sich eine statistisch eindeutige Reduktion der jährlichen Schubrate zeigen, eine Verzögerung der Progression zu schwereren Folgestadien (CDMS) und es gibt Hinweise auf Überlebensvorteile aus der Langzeitbeobachtung der ursprünglichen Verumgruppe der Zulassungsstudien.

MS-Frühtherapie mit lnterferon beta-1b reduziert jährliche Schubrate

Belegt wurde zudem eine signifikante Reduktion der jährlichen Schubrate durch eine frühe Behandlung mit lnterferon beta-1b (Betaferon®) und einen über den achtjährigen Beobachtungszeitraum hinweg weitgehend stabilen Krankheitsverlauf, wie Dr. med. Sven Schippling, UniversitätsSpital Zürich, anläßlich der Konferenz „Innovationen, Kooperationen und Visionen in der Neurologie“ in Berlin darlegte. Dies spiegelt nicht zuletzt die mit 6,6 Prozent geringe Rate von Patienten wieder, die innerhalb von acht Jahren auf eine Eskalationstherapie umgestellt wurden.

Vorteil einer initialen Therapie der MS mit Langzeitdaten der Interferon beta-1b-Zulassungsstudie

ln den 21-Jahresdaten der RRMS-Zulassungsstudie konnte darüber hinaus ein signifikanter Überlebensvorteil in jener Patientengruppe gezeigt werden, die im Vergleich zur ursprünglichen Placebogruppe initial mit Betaferon® (Interferon beta-1b) behandelt worden war.

In Berlin wurde auch ein Ausblick auf die Zukunft gewagt mit begründeten Hoffnungen auf weitere Therapiefortschritte. lntensiv wird daran gearbeitet, die MS-Behandlung weiter zu optimieren. Ein Baustein hierzu könnte der sich noch in der Entwicklung befindliche Wirkstoff Alemtuzumab sein, wie bei der Pressekonferenz „lnnovationen, Kooperationen und Visionen in der Neurologie“ deutlich wurde, zu der Bayer HealthCare nach Berlin eingeladen hatte. Neben lnterferon ß-1b gibt ein weiteres Medikament Anlass zur Hoffnung, zukünftig die MS effektiver behandeln zu können. Dabei handelt es sich um Alemtuzumab, das über eine Zellreduktion eine Art „Reset“ des Immunsystems des MS-Patienten ermöglicht, erklärte Privatdozent Dr. Tjalf Ziemssen, Leiter des Multiple Sklerose Zentrums (MSZ), Klinik und Poliklinik für Neurologie am Klinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

Alemtuzumab zur Therapie der MS – monoklonaler Antikörper erweist sich als weiterer Meilenstein

Der monoklonale Antikörper Alemtuzumab befindet sich in Phase lll der klinischen Entwicklung zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Die bisherigen Studienergebnisse lassen hoffen, dass sich diese Substanz nach Zulassung künftig als weiterer Meilenstein in der MS-Therapie etablieren wird, da das Ausmaß der beobachteten positiven Effekte auf akkumulierte Behinderung und Schubrate die Wirkung anderer in Studien getesteter Medikamente auf diese Endpunkte teilweise deutlich übersteigt. Der humanisierte Antikörper richtet sich gegen das Oberflächenantigen CD-52, das auf Vorläuferzellen der B-und T-Zellen exprimiert wird. Das bewirkt eine Depletion der CD-S2-positiven lmmunzellen. Alemtuzumab ist in der EU wie auch in den USA zur Behandlung von Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) vom B-Zell-Typ (B-CLL) zugelassen.

Alemtuzumab – 2. Infusions-Behandlung erst nach 12 Monaten

ln Studien wird Alemtuzumab ferner hinsichtlich wegen seiner Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung der Multiplen Sklerose untersucht. Dabei wird der Antikörper als Zyklustherapie gegeben: Die Patienten erhalten an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine lnfusion des Medikaments, wobei ein zweiter Behandlungszyklus mit drei Infusionen nach 12 Monaten erfolgt.

Alemtuzumab  – Reduktion der Schubrate um rund 70 Prozent im Vergleich zur Therapie mit lnterferon ß-1a

Professor Dr. med. Volker Limmroth, Direktor der Klinik für Neurologie und Palliativmedizin am Klinikum Köln-Merheim, stellte Ergebnisse des laufenden Entwicklungsprogramms mit Alemtuzumab bei der MS vor. Erste Pilotstudien sowie die Phase ll-Studie CAMM223 belegen die therapeutische Bedeutung von Alemtuzumab bei der MS. So wurde bei der RRMS (Relapsing/Remitting Multiple Sclerosis) wie auch der SPMS (Secondary Progressive Multiple Sclerosis) eine deutliche Reduktion der Schubrate unter Alemtuzumab gesehen.

ln CAMM223 wurde die Schubrate bei der RRMS laut Prof. Limmroth durch Alemtuzumab, das als Zyklustherapie einmaljährlich mit mehreren Infusionen an aufeinandefolgenden Tagen verabreicht wird, um rund 70 Prozent im Vergleich zu einer aktiven Vergleichstherapie mit subcutan appliziertem lnterferon ß-1a s.c. gesenkt. Gleichzeitig wurde die Behinderungsprogression signifikant vermindert – sogar mit Hinweisen auf eine Verbesserung des EDSS. lnzwischen liegen auch erste Daten aus Phase lll-Studien vor.

Innovationen durch Kooperation zwischen lndustrie und Wissenschaft

Hoffnungen auf weitere Behandlungsfortschritte gründen sich auf eine Kooperation von industrieller und akademischer Forschung. Dass die Entwicklung von lnnovationen durch eine engere Verzahnung der beiden Forschungsbereiche gefördert werden kann, machte Professor Dr. Karl Max Einhäupl, Direktor der Neurologischen Klinik und Vorstandsvorsitzender der Charité Berlin, deutlich: ,,lndustrie und Wissenschaft haben ihre Stärken und Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen, die im ldealfall komplementär genutzt werden und bei der Entwicklung von lnnovationen quasi reißverschlussartig ineinandergreifen“, erklärte der Neurologe. Wird ein solcher kooperativer Ansatz verfolgt, so können laut Professor Einhäupl die biologischen und pharmakologischen Grundlagen oft besser verstanden werden und die jeweilige Substanz kann zielgerichteter entwickelt werden. Die Kooperationen zwischen lndustrie und Wissenschaft aber bedürfen nach Einhäupl der Transparenz und müssen öffentlich diskutiert werden.

Die Neurologie ist für Bayer ein wichtiges Therapiefeld

,,Bayer ist bei der Multiplen Sklerose (MS) Pionier mit langfristigem Engagement. Wir haben nicht nur als Erster im Jahr 1993 eine wirksame, innovative Behandlung für die MS angeboten, sondern auch laufend in das klinische Entwicklungsprogramm, in ein umfassendes Begleitprogramm zur Steigerung der Compliance und in die Beratung für Arzte und Patienten investiert“, sagte Oliver Kohlhaas, Leiter der Geschäftseinheit Specialty Medicine bei Bayer HealthCare Deutschland.

,,Durch unser langjähriges Engagement verfügt Bayer heute über die umfangreichsten Langzeitergebnisse, die jemals zu einer Therapie der MS erhoben wurden“, so Oliver Kohlhaas weiter. ,,So ist es durch eine große gemeinsame Anstrengung mit den besten Prüfzentren gelungen, Daten von 98,4 Prozent der teilnehmenden Patienten aus der 1989 durchgeführten Zulassungsstudie zu erheben. Ein solches Engagement in Langzeitstudien ist auch unter pharmazeutischen Unternehmen eher selten“.

Das BETAPLUS-Betreuungsprogramm für MS-Patienten wird kontinuierlich und zeitgemäß weiter entwickelt: Mit Hilfe von myBETAapp® können MS-Patienten jetzt ihr persönliches lnjektionstagebuch direkt auf ihrem l- oder smartphone führen. Damit wird das lnjektionsmanagement weiter vereinfacht und die Mobilität der Patienten unterstützt.

„Die Neurologie ist und bleibt für Bayer ein wichtiges Therapiefeld. Daher wird auch in andere neurologische lndikationen investiert“, betonte Kohlhaas. „lm Herbst 2011 haben wir den nicht-ergolinen Dopaminagonisten Rotigotin (Leganto®) als innovative, hochmoderne Pflasterapplikation und somit als weitere Option zur Behandlung von Patienten mit einem Morbus Parkinson oder einem Restless-Legs-Syndrom (RLS) auf den deutschen Markt gebracht. Und im Dezember 2011 hat der Faktor-Xa-Hemmer Xarelto® die Zulassung für die Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern erhalten“.

Quelle

lnnovationen, Kooperationen und Visionen in der Neurologie
Bayer HealthCare
Pressekonferenz; Freitag, 2. März 2012, Berlin

Referate

  • Bayer’s Engagement im Bereich Neurologie
    Oliver Kohlhaas
    Leitung Specialty Medicine
    Bayer HealthCare Deutschland
    Leverkusen
  • Innovationsförderung durch Kooperation von Wissenschaft und lndustrie
    Professor Dr. med. Karl Max Einhäupl
    Vorstandsvorsitzender Charité Universitätsmedizin Berlin
  • Vorteile für MS-Patienten durch frühzeitigen Behandlungsbeginn und medikamentöse Langzeittherapie
    Dr. med. Sven Schippling
    UniversitätsSpital
    Zürich
  • Alemtuzumab: Blick in die Zukunft
    Professor Dr. med. Volker Limmroth
    Direktor, Klinik für Neurologie und Palliativmedizin
    Ärztlicher Direktor, Klinikum Köln – Merheim
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