Frühgeburt und Frühchen – Ursachen und Vorsorge zur Vermeidung von Frühgeburten

Weltweit ist jedes 10. Kind ein Frühchen. In Deutschland werden 60.000 Kinder jedes Jahr zu früh geboren. Dies entspricht einem Anteil an Neugeborenen von 8,8 Prozent . Damit stellen die Frühgeborenen die größte Kinderpatientengruppe in Deutschland dar. Trotz dieser hohen Zahl an Frühgeburten ist bislang wenig über die Prävention (Vorsorge) von Frühgeburten und die Probleme und Risiken für die Entwicklung von Frühgeborenen in der Öffentlichkeit bekannt.

Was ist eine Frühgeburt?
Man spricht von einer Frühgeburt, wenn ein Säugling vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt. Eine übliche Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Frühgeborene wiegen in der Regel weniger als 2.500 Gramm. Das Frühchen mit dem niedrigsten Gewicht, welches überlebt hat, kam 2006 in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das Baby wog zu diesem Zeitpunkt 280 Gramm, bei einer Größe von 24 cm.

Ursachen von Frühgeburten
Es gibt vielfältige Ursachen für Frühgeburten:

  • Für etwa 50 Prozent der Frühgeburten sind Scheideninfektionen verantwortlich. Sie steigen in der Scheide auf und lösen unaufhaltsame Wehen aus.
  • Rauchen, Ernährung, Stress können ebenfalls eine Ursache darstellen.
  • Hohes Alter der Erstgebärenden.
  • Mehrlingsgeburten, auch durch Fruchtbarkeitsbehandlungen.

Das Problem bei der Ursachenforschung ist, dass es nur ungenügendes Zahlen- und Datenmaterial über Frühgeburten gibt.

Gibt es sinnvolle Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung von Frühgeburten?
Besonders wichtig ist es, über die Ursachen von Frühgeburten aufzuklären und Schwangere und ihre Familien überhaupt auf das Thema aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren.

Darüber hinaus ist die Selbstmessung- und beobachtung während der Schwangerschaft von entscheidender Bedeutung. Mit Hilfe eines speziellen Handschuhs kann die Frau ganz einfach selber den pH-Wert am Scheideneingang feststellen und somit Veränderungen, die auf eine Infektion hinweisen könnten, frühzeitig erkennen. Diese wichtige Untersuchung steht leider nicht allen Schwangeren flächendeckend zur Verfügung, da sie von der Krankenkassenzugehörigkeit abhängt.

Zudem fehlt es an umfangreicher Aufklärung der Frauen bei Kinderwunsch über die Prävention der schweren Krankheit Spina Bifida, die alle Neugeborenen treffen kann. Die simple präventive Einnahme von Folsäure etwa kann helfen das Risiko für Spina Bifida zu reduzieren.

Überlebenschancen von Frühchen und Folgen von Frühgeburten:
Die Überlebensrate bei Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm liegt bei 66 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für bleibende Schäden ist hoch.

Häufigste Spätfolgen:

  • Entwicklungsverzögerung
    Von einer Entwicklungsverzögerung spricht man, wenn das Kind sich nicht altersentsprechend entwickelt, z. B. mit einem bestimmten Alter noch nicht sitzt, nicht dreht, krabbelt, läuft oder spricht.
  • Chronische Atemwegserkrankungen
  • Motorische Störungen
  • Aufmerksamkeitsstörungen

    Frühgeburten im Europäischen Vergleich: Die Benchmarkstudie
    Die Benchmarkstudie „Too Little, too Late: Why Europe should do more for Preterm Infants“, 2009/2010 durchgeführt von EFCNI („European Foundation for the Care of Newborn Infants“), untersuchte die politischen und medizinischen Rahmenbedingungen rund um das Thema Frühgeburt in dreizehn EU-Mitgliedsstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden und Tschechien.

    Während im Europäischen Durchschnitt der Anteil von Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche knapp über sieben Prozent liegt, schneidet Deutschland mit 8,8 Prozent schlechter ab und belegt damit hinter Österreich mit 11, 1 Prozent den vorletzten Platz.

    Mit Ausnahme von Schweden, Großbritannien und Portugal gibt es in den anderen untersuchten Ländern kaum  koordinierte Programme zur frühkindlichen Versorgung, sondern lediglich bruchstückhafte Versuche.

    Aktuelle Entwicklungen in Deutschland – Frühgeburten und spezialisierte Geburtszentren
    Der Gemeinsame Bundesausschuss hat im Juni 2010 beschlossen, dass Babys unter 1250 Gramm ab Januar 2011 nur noch in spezialisierten Geburtszentren behandelt werden dürfen, die jährlich mindestens 30 dieser so genannten Extremfrühchen behandeln. Dies soll sicherstellen, dass die Überlebenschancen dieser besonders schutzbedürftigen Neugeborenen erhöht werden, da die Entwicklungschancen von Frühgeborenen mit der Erfahrung der Fachkräfte und des Pflegepersonals steigen. Bei drohender extremer Frühgeburt wird eine Verlegung der Mütter an das Zentrum vorgeburtlich angestrebt, das Kind dort in der kritischen Phase seiner Erkrankung behandelt und nach Stabilisierung an ein Krankenhaus in Wohnortnähe zurückverlegt. Wichtig ist hierbei, dass auch die interdisziplinäre und langfristige Nachsorge gewährleistet ist.

    Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht über 1250 Gramm können weiterhin in normalen Kliniken behandelt werden. Damit soll eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt werden.

    Wo findet man Informationen und Unterstützung bei einer möglichen Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche (SSW)?

    Mit der Kampagne „ene, mene, mini“ möchten die Initiatoren EFCNI und Dräger den Frühchen eine Stimme geben und damit das Thema Frühgeburt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und Politik rufen. Auf der Website finden Sie Berichte von betroffenen Eltern und heute erwachsenen Frühgeborenen sowie Informationen rund um das Thema Frühgeburt www.ene-mene-mini.de

    Der Bundesverband „Das Frühgeborene Kind“ hilft mit umfassendem Informationsmaterial, Selbsthilfegruppen und einer Hotline:
    www.fruehgeborene.de

    Das Frühchen-Netz ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe für die Eltern frühgeborener Kinder
    www.fruehchen-netz.de

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat ein Online-Portal zur Förderung einer gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eingerichtet
    www.kindergesundheit-info.de

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