Frühgeborene: Früher Schmerz hinterlässt langfristige Spuren

Die Forscherin unterstreicht daher die Wichtigkeit einer sorgfältigen Behandlung von Schmerzen auf der Neugeborenen-Intensivstation. Für ihre Studie wurde Johanna Hohmeister beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2010 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Das Gehirn bei der Schmerzverarbeitung beobachten

Bei Frühgeborenen befindet sich das schmerzverarbeitende System noch mitten im Reifungsprozess. Schmerzforscher vermuten daher, dass schmerzhafte Reize zu diesem Zeitpunkt die Verarbeitung von Schmerz dauerhaft verändern können. Um diese These zu prüfen, untersuchte Dr. Johanna Hohmeister je neun früh- und reifgeborene Kinder im Alter zwischen 11 bis 16 Jahren, die auf der Neugeborenen-Intensivstation behandelt worden waren, sowie neun reifgeborene Kinder ohne frühen Krankenhausaufenthalt. Sie beobachtete dazu die Gehirnaktivität der Kinder mittels funktioneller Kernspintomografie, während diese schmerzhafte Hitzereize auf die Haut bekamen. Parallel wurde auch das subjektive Schmerzerleben der Kinder während der Reize erfasst.

Frühgeborene reagieren stärker auf Schmerz

Die frühgeborenen Kinder reagierten auf die Reize stärker als die Kinder ohne frühen Krankenhausaufenthalt. Die Hirnaktivität bei schmerzhaften Reizen war bei ihnen intensiver und räumlich ausgedehnter. Während die subjektiv empfundene Schmerzintensität bei den Kindern ohne frühen Krankenhausaufenthalt im Verlauf der Reizwiederholungen nachließ, blieb dieser Gewöhnungseffekt bei den Frühgeborenen aus.

Schmerz bei Neugeborenen sorgfältig behandeln

„Die Befunde unterstreichen die Wichtigkeit einer sorgfältigen Behandlung von Schmerzen auf der Neugeborenen-Intensivstation“, sagt Dr. Hohmeister. Diese wurde lange Zeit vernachlässigt und erst in den letzten Jahren vermehrt berücksichtigt. Gerade die medikamentöse Behandlung von Säuglingen bleibt eine große Herausforderung, da nicht geklärt ist, wie gut Analgetika wie Opioide wirken und welche Nebenwirkungen sie gerade in einem sich entwickelnden Organismus haben können. Auch durch eine fortlaufende Verbesserung der medizinischen Prozeduren könnten Schmerzen weiter reduziert werden. „Inwieweit solche Maßnahmen die beobachteten Effekte allerdings tatsächlich abfangen können, muss noch untersucht werden“, so Dr. Hohmeister.

Titelaufnahme

Johanna Hohmeister, Alexander Kroll, Iris Wollgarten-Hadamek, Katrin Zohsel, Süha Demirakça, Herta Flor, Christiane Hermann: Cerebral processing of pain in school-aged children with neonatal nociceptive input: An exploratory fMRI study. In: PAIN 150 (2010) 257–267 doi:10.1016/j.pain.2010.04.004

Ansprechpartner

Dr. Johanna Hohmeister und Prof. Dr. Christiane Hermann, Abteilung Klinische Psychologie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Tel. 0641 / 99 26081 (Telefonnummer nur für Journalistenanfragen, bitte nicht veröffentlichen!)
(idw, 10/2010)

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