Fritz Mattejat mit Diotima-Preis geehrt

Für seine Verdienste um die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist dem Marburger Professor Dr. Fritz Mattejat am Freitag in Berlin der Diotima-Ehrenpreis der Bundespsychotherapeutenkammer verliehen worden.

Bis vor kurzem lautete die Devise, psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen würden sich mit zunehmendem Alter bessern. Heute weiß man, dass sich Schwierigkeiten dadurch eher verfestigen. Psychotherapie ist deshalb mittlerweile das Mittel der Wahl für die Behandlung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher. Es stehen dafür vielseitige und wirksame Methoden zur Verfügung – und viele hervorragende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die sie anzuwenden verstehen. Sowohl zur Methodenevaluation als auch zu einer adäquaten Ausbildung der Therapeuten hat der Preisträger entscheidend beigetragen.

„Prof. Dr. Fritz Mattejat hat wichtige wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen und wissenschaftlich begründeter Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung erbracht“, beschreibt Prof. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, die Leistungen des Marburger Psychotherapeuten. „Als Versorgungsforscher ist es für ihn dabei immer entscheidend gewesen, Psychotherapie dort zu untersuchen, wo sie stattfindet.“ Auch in der Therapieforschung interessierte ihn also insbesondere die pragmatische Anwendung, die Frage, ob Therapie, wie sie in der realen Gesundheitsversorgung geleistet wird, für die Patienten auch wirklich hilfreich ist.

Fritz Mattejat ist seit 40 Jahren als Psychotherapeut tätig. Bereits an der Berliner Klinik für Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters bildete Familientherapie in den 1970er Jahren Mattejats Forschungsschwerpunkt. „Wir können Kinder und Jugendliche nur dann sinnvoll behandeln, wenn wir sie in ihrem Umfeld sehen und eng mit ihren Familien zusammen arbeiten“, betonte der Geehrte. Diesem Credo folgte er auch als Leiter der Familienambulanz der Marburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an die er 1980 wechselte, sowie seit 1981 als Ausbilder junger Psychotherapeuten am damals neu gegründeten Marburger Weiterbildungsseminar für Kinder-, Jugendlichen- und Familientherapie.

Als nach der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes 1999 die Therapieausbildung neu organisiert werden musste, gründete Mattejat mit Kollegen aus Psychiatrie und Psychologie das Institut für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin an der Philipps-Universität Marburg (IVV). Während in anderen Instituten die Kindertherapie eher als Nebenprodukt betrachtet wurde, bildet sie am IVV den Schwerpunkt. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, mit denen man eine kleine Erwachsenentherapie durchführt. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten brauchen ganz spezielle Fertigkeiten, um ihren Patientinnen und Patienten sowie deren Familie zu helfen“, erklärt er. Deshalb freue er sich ganz besonders, dass der Diotima-Preis der Psychotherapeutenkammer dieses Jahr an Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten geht: „Das ist ein deutliches Zeichen, dass man die Bedeutung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in den Vordergrund stellen möchte. Mir war es schon immer ein Anliegen, dass die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als wichtiger, der Erwachsenentherapie gleichwertiger, Zweig der Psychotherapie geachtet wird.“

Mit dem Diotima-Preis ehrt die deutsche Bundespsychotherapeutenkammer seit 2009 Personen, die sich in besonderer Weise um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Preis an zwei Kinderpsychotherapeuten: Hans Hopf aus Baiersbronn und den Marburger Psychologen Fritz Mattejat. Der Preis ist benannt nach einer Lehrerin des Sokrates, Diotima aus Mantinea. Diotima inspirierte Sokrates, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Diotima-Preisträger Fritz Mattejat stellt die Seele der Kinder in den Mittelpunkt.
(Katja John)

Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin:
Katja John
Institut für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin (IVV)
Tel.: 06421 / 586 3118
E-Mail: katja.john@med.uni-marburg.de

Scroll to Top