Freie Radikale in der Medizin und Dermatologie

Für ihre grundlegenden Arbeiten in der Medizin und Dermatologie auf dem Gebiete der reaktiven Sauerstoff Radikale wurde Professor Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm, vom Oxygen Club of California (USA) und der European Society of Free Radical Research (Europa) ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 7. Internationalen Tagung „Oxidative Stress in Biology and Medicine“ auf Andros (Griechenland) statt.

Unter freien Radikalen versteht man kurzlebige, aggressive Sauerstoff-Verbindungen, die beispielsweise durch intensive Sonnenbestrahlung entstehen. Freie Radikale enthalten ungepaarte Elektronen, was sie sehr reaktionsfreudig macht. Dadurch stören sie Stoffwechselprozesse und fördern Zellveränderungen.
Karin Scharffetter-Kochanek gelang es im Laufe ihrer klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit unter anderem, die Signalwege der Hautalterung nach UV-Einwirkung aufzuklären und Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Außerdem erarbeitete sie eine heute zur Standardbehandlung gehörende Methode zur Behandlung von verhärteter (fibrosierter) Haut bei Sklerodermiepatienten mittels UVA-Bestrahlung. Bei Sklerodermie leiden die Betroffenen an Bindegewebsverhärtung der Haut oder auch der Organe. Dank dieser Methode können Fehlstellungen und Gelenkversteifungen bei diesen Patienten verhindert werden.

In weiteren Arbeiten konnte Karin Scharffetter-Kochanek mit Ihrem Team und PD Dr. Anca Sindrilaru, Funktionsoberärztin am Universitätsklinikum Ulm, die Beteiligung von überaktivierten Fresszellen (Makrophagen) und deren ungebremste Freisetzung von freien Radikalen als Ursache nicht heilender Wunden (chronisch venöse Ulzera) herausarbeiten und so wichtige Erkenntnisse für neue Therapien liefern. Diese Arbeit trägt auch dazu bei, andere schwere Krankheiten wie Arteriosklerose und multiple Sklerose besser zu verstehen. Derzeit untersuchen Scharffetter-Kochanek und ihr Team die Rolle von durch freie Radikale freigesetzten Faktoren für die Entwicklung spinozellulärer Karzinomer (bösartige Hauttumore) und malignen Melanomen (schwarzer Hautkrebs). Ihre aktuelle Forschung soll langfristig ein weiteres therapeutisches Standbein bei diesen aggressiven Tumoren schaffen. „Diese Auszeichnung zeigt, wie Grundlagenforschung und die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden in der Universitätsmedizin Hand in Hand gehen“, freut sich Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Vorstands des Universitätsklinikums Ulm.

Auf die Frage, wie erfolgreiche Forschung entsteht, meint Scharffetter-Kochanek „gute Ideen entstehen bei jungen Grundlagenwissenschaftlern und Medizinern immer dann, wenn Freiräume erhalten bleiben oder geschaffen werden. Hier sind alle in der Pflicht, kreative Ideen weiter zu fördern und Raum für Forschung zu lassen.“

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