Fraunhofer MEVIS verabschiedet Gründer und Institutsleiter Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen

Der international renommierte Mathematiker und vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler Peitgen interessierte sich bereits Anfang der 1990er Jahre im Rahmen seiner Arbeiten im Centrum für Complexe Systeme und Visualisierung (CeVis) der Universität Bremen für medizinische Themen. Im August 1995 gründete er schließlich mit Unterstützung des Landes Bremen das Centrum für Medizinische Diagnosesysteme und Visualisierung (MeVis Research GmbH), das sich auf Fragestellungen der Computerunterstützung in der bildbasierten Medizin fokussierte. Aus dem gemeinnützigen Forschungsinstitut MeVis Research GmbH an der Universität Bremen ist 2009 das heutige Fraunhofer-Institut MEVIS hervorgegangen, das inzwischen eine weltweit anerkannte Position genießt. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Vertragspartner und Auftraggeber sind Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie die öffentlichen Drittmittelgeber.

Ziel der von Peitgen und seinem Team in MeVis vorangetriebenen Forschung war von Beginn an, bildbasierte Softwarelösungen für den Einsatz in der klinischen Routine zu entwickeln. Unter seiner Leitung war MeVis Research als zentraler Forschungspartner in mehreren Modellprojekten zur Brustkrebsdiagnostik und zum Mammographie-Screening auf bundesdeutscher und europäischer Ebene führend beteiligt. Mehrere erfolgreiche Firmenausgründungen aus den Forschungsvorhaben folgten, so wurde das weltweit erste digitale Befundungssystem für die Screening-Mammographie von den Bremern entwickelt. In Ergänzung dazu wurde ein integriertes System für die Befundung von Magnetresonanz-Mammographien entwickelt und auf den Markt gebracht, das die bildgeführte Entnahme von Gewebeproben unterstützt und neue Maßstäbe für die Behandlung von Brustkrebs setzte. Weltweit führend sind zudem die Arbeiten von Peitgens Team zur patientenindividuellen Planung und Risikoanalyse komplexer Leberoperationen. Mit der als internetgestützte Dienstleistung angebotenen Planungshilfe für Chirurgen wurden bisher mehr als 6.000 klinische Leberresektionen und Transplantationen unterstützt.

Im Januar 2009 wurde MeVis Research mit Unterstützung des Landes Bremen und Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft überführt und trägt seither den Namen Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS, kurz: Fraunhofer MEVIS. Fraunhofer MEVIS entwickelt interaktive Assistenzsysteme für den klinischen Arbeitsalltag. Im Fokus stehen medizinische Bilddaten, die zur Früherkennung, Diagnose, Risikoerfassung, Therapieunterstützung und Erfolgskontrolle schwerwiegender Krankheiten, wie Krebs-, Lungen-, Gehirn- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen genutzt werden. In enger Kooperation und Abstimmung mit einem weltweit gespannten Netz aus über 150 Kliniken werden routinetaugliche, klinische Lösungen entwickelt und in einem zertifizierten Entwicklungsprozess gemeinsam mit Industriepartnern zur Produktreife gebracht. Seit 2009 wurden Fraunhofer-Arbeitsgruppen zur biophysikalischen Modellierung und numerischen Simulation sowie zur Physik der Magnetresonanzbildgebung über Stiftungsprofessuren an der Jacobs University und der Universität Bremen aufgebaut. Im Frühjahr 2010 wurde die Fraunhofer MEVIS Projektgruppe ”Bildregistrierung“ an der Universität zu Lübeck gegründet, die sich mit Fragen der zuverlässigen kombinierten Auswertung und Fusion medizinischer Bilddaten beschäftigt. Seit 2011 verfügt Fraunhofer MEVIS in Bremen über einen eigenen 3-Tesla-Magnetresonanztomographen der neuesten Generation, der für die Entwicklung kontrastmittelfreier Bildgebungstechniken und neuer Konzepte zur intelligenten Bildgebung eingesetzt wird. Damit vereint Fraunhofer MEVIS alle Schlüsselkompetenzen unter einem Dach, um die in den medizinischen Bilddaten enthaltenen patientenindividuellen Informationen umfänglich zu erschließen und dem Kliniker für eine sichere Diagnose und maßgeschneiderte Therapie zur Verfügung zu stellen.

Über Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen

Peitgen studierte von 1965 bis 1971 in Bonn Mathematik, Physik und Ökonomie und arbeitete anschließend sechs Jahre am Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn.
Nach seiner Promotion 1973 und Habilitation 1977 lehrte er am Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn als Privatdozent; im selben Jahr wurde er als Professor für Mathematik an die Universität Bremen berufen. Dort war er maßgebend an der Gründung und dem Aufbau eines Instituts für Dynamische Systeme beteiligt. In dessen Rahmen errichtete Peitgen 1982 ein Computergraphiklabor für mathematische Experimente. Seit 1992 ist er Direktor des Centrums für Complexe Systeme und Visualisierung, CeVis, an der Universität Bremen, das er ebenfalls gegründet hat. Von 1985 bis 1991 war er Professor für Mathematik an der University of California at Santa Cruz, von 1991 bis 2012 Professor für Mathematik und Biomedizinische Wissenschaften an der Florida Atlantic University in Boca Raton, Florida. 1995 gründete er das interdisziplinäre Center for Medical Image Computing, MeVis Research GmbH, in Bremen. MeVis Research wurde Anfang 2009 in ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft umgewandelt und trägt heute den Namen Fraunhofer MEVIS – Institut für Bildgestützte Medizin. Im Jahr 1997 gründete Peitgen mit Mitarbeitern das Unternehmen MeVis Medical Solutions (AG), MMS, das seit 2007 an der Frankfurter Börse notiert ist. Die Produkte von MMS sind weltweit führend in der Softwareunterstützung für Brustkrebsdiagnose und Risikoplanung für Leberchirurgie. Peitgen ist Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Peitgen erhielt mehrere Rufe an deutsche und amerikanische Universitäten und war Gastprofessor an Universitäten in Belgien, Brasilien, Canada, USA, Mexiko und Italien. Er ist Autor mehrerer preisgekrönter Bücher und Filme, die dazu beigetragen haben, die Fraktale Geometrie und die Chaostheorie weltweit bekanntzumachen. Er ist Mitherausgeber mehrerer internationaler Fachzeitschriften. Seine wissenschaftlichen Fachgebiete liegen in der Mathematik, Informatik und Medizin: Dynamische Systeme, Numerische Analysis, Fraktale Geometrie, Chaostheorie, Computergraphik, Bildverarbeitung, Datenanalyse und Computerunterstützung in der bildbasierten medizinischen Diagnostik und Therapie.

Peitgen wurde 1992 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste und 2008 in die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen berufen. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, beispielsweise 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 1999 mit dem Karl Heinz Beckurts-Preis und 2005 mit der Werner-Körte-Medaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) für die Entwicklung einer Software, mit deren Hilfe patientenindividuell die Risiken bei komplexen leberchirurgischen Eingriffen erkannt werden können.

Kontakt:

Bianka Hofmann
Fraunhofer MEVIS
Institute for Medical Image Computing
Universitätsallee 29
28359 Bremen

Tel.:+49 421 218 59231
Fax: +49 421 218 98 59231
bianka.hofmann@mevis.fraunhofer.de
www.mevis.fraunhofer.de

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