Frauen in der Pathologie – Tagungs-Diskussion über Arbeitsbedingungen und Karrierechancen

1898 stimmten die Teilnehmer des „XXVI. Deutsche Aerztetages“ dafür, dass auch Frauen Medizin studieren dürfen. Sie taten dies großzügig, weil sie annahmen (und wohl auch hofften), dass davon nur wenige junge Frauen Gebrauch machen würden. Die Herren befürchteten nämlich, die Patientenversorgung, Forschung und allgemein das Ansehen des Arztberufes könne darunter leiden. Das verrät das Protokoll von damals.
Heute sind 60 Prozent der Studienanfänger und 65 Prozent der Berufseinsteiger in der Medizin weiblich. Fünf der 36 universitären Pathologischen Institute in Deutschland werden von Frauen (Ordinaria) geleitet. DGP-Tagungspräsidentin Prof. Dr. Ruth Knüchel-Clarke war 2003 die erste Pathologie-Ordinaria. Das ist zwar ein guter Schnitt – verglichen mit anderen medizinischen Fächern, die zwar etliche Professorinnen, aber nach wie vor keine Ordinaria in ihren Reihen haben –, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch Stolpersteine auf dem Weg zu einer Medizinerinnen-Karriere gibt.

Früher ging es ums Studium, heute um Karrieremöglichkeiten
Ging es einst um Teilhabe an sich, geht es der heutigen „Generation Y (= Why?)“ auch um eine gute Work-Life-Balance. Junge Frauen und Männer wollen beides: Karriere und Familie. Beim Ringen um diese Vereinbarkeit sind es jedoch meist die Frauen, die dafür karrieretechnisch zurückstecken.
Das zeigt auch eine Umfrage des Hartmannbundes von 2014: Demnach streben zwar 50 Prozent der jungen Medizinerinnen eine Karriere als Ober- oder als Chefärztin an. Doch gleichzeitig sind zwei Drittel der Frauen überzeugt, dass sie nicht die gleichen Chancen auf eine Karriere haben wie ihre männlichen Kollegen. Tatsächlich liegt beispielsweise der Anteil der Professorinnen in der Medizin (zehn Prozent, über alle medizinischen Fächer) immer noch deutlich unter dem bundesweiten Anteil in allen Fächern (20 Prozent).

Gute Möglichkeiten in der Pathologie
„Berufungskommissionen sind bis heute überwiegend bis ausschließlich männlich besetzt und die Verfahren verlaufen weitestgehend intransparent. Diverse Lehrstuhlbesetzungen mit Ärztinnen erfolgten erst unter erweiterter Beteiligung“, sagt Dr. Astrid Bühren, Fachärztin für psychosomatische Medizin und ehemalige Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.
Von gut 1.600 berufstätigen Pathologen ist knapp ein Drittel weiblich. Die DGP möchte diesen Anteil und auch die Anzahl der weiblichen Führungskräfte in Rahmen ihrer Nachwuchsförderung erhöhen. Die Pathologie bietet an sich gute Möglichkeiten für die gewünschte Work-Life-Balance: Da Pathologinnen nicht „am Patienten“ arbeiten, fallen Schichtdienste und Wochenenddienste weitgehend weg, sind feste Arbeitszeiten nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Diskussion mit Tagungsteilnehmerinnen
Welche Möglichkeiten, welche Arbeitsmodelle müssen Pathologische Institute und niedergelassene Pathologen den jungen Frauen darüber hinaus bieten, damit diese sich in ihrem Karrierestreben unterstützt fühlen? Müssten, im Zuge dessen, nicht auch männliche Nachwuchspathologen stärker ermutigt werden, sich für die Elternzeit zu entscheiden – um damit gängige Rollenmodelle zu durchbrechen und jungen Frauen eine schnellere Rückkehr in den Job und auf die Tagungspodien zu ermöglichen?
Solche Fragen diskutieren Ruth Knüchel-Clarke, Gisela Kempny und Astrid Bühren mit den Tagungsteilnehmerinnen, am 21. Mai, 15 bis 16 Uhr, im bcc am Alexanderplatz, Ebene C, Kuppelsaal.

Allgemeine Informationen zur DGP und zur Jahrestagung:
www.pathologie-dgp.de
www.pathologie-kongress.com

Pressekontakt: Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.
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Beatrix Hesse, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
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