Frankreich : neue Fortschritte in der Herzchirurgie

Diese Therapie ist nicht nur medizinisch, sondern auch finanziell eine Revolution: Herztransplantationen und Bypässe werden unnötig und die Medikamenteneinnahme wird deutlich reduziert. Außerdem ist die ursprünglich von Prof. Philippe Hénon und seinem Forscherteam des Instituts für Hämatologie in Mülhausen erarbeitete und von der von ihm gegründeten Gesellschaft CellProthera entwickelte Methode sehr einfach umzusetzen: Den Herzinfarktopfern wird Blut abgenommen und die daraus entnommenen Stammzellen werden in einem Automaten innerhalb von neun Tagen vermehrt. Die so gewonnenen Zelltransplantate werden dem Kranken anschließend direkt in die erkrankte Herzregion injiziert. Dies geschieht über einen Katheter, der in die Arteria radialis (Speicherarterie) eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben wird. Diese Behandlung ermöglicht eine schrittweise Regeneration der geschädigten Region.

2013 startet eine klinische Studie in Europa, den USA und Kanada: In den dort zugelassenen Zentren für Zelltherapie wird die Behandlung vorbereitet und von den Zentren für interventionelle Kardiologie vorgenommen. Dieses klinische Experiment, mit dem die Wirksamkeit der Behandlung in großem Maßstab nachgewiesen werden soll, ist die letzte Etappe einer etwa 10jährigen Forschungsarbeit – und sogar noch länger, denn das Institut für Hämatologie in Mülhausen erforscht bereits seit über 25 Jahren Blutstammzellen. Es gehörte zu den ersten Instituten weltweit, die eine Transplantation mit körpereigenen Blutstammzellen zur Behandlung einer akuten Leukämie vornahmen – das war bereits 1986. Seitdem wird diese Transplantationstechnik allgemein zur Behandlung von Leukämien und bestimmten Krebserkrankungen eingesetzt.

Bereits 2002 wurde die bei Herzinfarktopfern angewandte Zelltherapie einer ersten klinischen Pilotstudie unterzogen. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen – ausreichend Zeit, um zu bestätigen, dass diese Therapie herausragende Ergebnisse liefert. „Nach einer schrittweisen Verbesserung über zwei bis drei Jahre stabilisierte sich die Herztätigkeit. Heute geht es allen Patienten gut, sogar denen, deren Prognose zunächst sehr pessimistisch war. Bei drei Patienten, die sich einer Herztransplantation unterziehen sollten, konnte ein solch schwerwiegender Eingriff vermieden werden.“ so Philippe Hénon.

Das anfangs sehr komplexe Verfahren wurde mittlerweile deutlich vereinfacht und verbessert, unterstreicht Prof. Hénon. „Ein wichtiger Fortschritt besteht darin, dass die Injektion des Zelltransplantats, die zuvor während einer Bypass-Operation vorgenommen wurde, heute keinen chirurgischen Eingriff mehr notwendig macht. Sie kann von jedem interventionellen Kardiologen ambulant durchgeführt werden. Auch die Zellentnahme wurde vereinfacht; heute sind weder eine Krankenschwester, noch spezielle Ausrüstungen dafür nötig.“ Auch die Prototypen des Automaten wurden ständig weiterentwickelt.

Die Zelltherapie stößt jedoch bei der Behandlung von lange zurückliegenden Herzinfarkten an ihre Grenzen. Prof. Hénon möchte auf keinen Fall falsche Hoffnungen wecken und betont deshalb: „Der einzige Patient aus unserer ersten Versuchsreihe, den wir nicht retten konnten, hatte seinen Herzinfarkt acht Jahre zuvor. (…) In diesem Fall ist das Gewebe schon zu stark vernarbt und behindert die Zellimplantation und –entwicklung.“

Bei den ersten Versuchen wurden Patienten behandelt, deren Infarkt sechs Wochen bis sechs Monate zurücklag. Bei dem für das kommende Jahr geplanten Versuch auf internationaler Ebene wird dieser Zeitraum sogar noch weiter verkürzt: Die Behandlung wird an 150 Patienten durchgeführt, die maximal 1 Monat zuvor einen Infarkt hatten. Die Hälfte der Patienten wird in Europa und die andere in Nordamerika ausgewählt. Aufgrund der strengen Rahmenbestimmungen für therapeutische Protokolle wird die Anwendung in großem Maßstab frühestens 2015 starten. Diese Frist ermöglicht die Entwicklung einer kommerziell nutzbaren, noch ausgefeilteren Version des Automaten.

Derzeit werden vier Prototypen getestet: zwei in Mülhausen, einer in Paris an der Universität Pierre et Marie Curie auf dem Gelände des Saint-Antoine-Krankenhauses und ein weiterer in den USA, an der Universität in Toledo, Ohio, einem Partner von CellProthera. Ein fünfter Prototyp wird in Kürze geliefert. Er wird, wie auch die anderen, im innovativen Unternehmen Bertin Technologies in Montigny-le-Bretonneux, im Großraum Paris, hergestellt.

Selbst wenn die Zelltherapie, zumindest in der ersten Zeit, den schweren Herzinfarkten vorbehalten ist – 30 bis 35% der Fälle -, so profitieren doch jährlich eine Million neuer Patienten in den sieben wichtigsten europäischen Industrieländern, in Japan und den USA von dieser Therapie, ganz zu schweigen von den Klinikkonzernen weltweit, besonders in Indien, die bereits bei den französischen Forschern anfragen.

Redaktion : Sylvie Thomas

Quelle : Französisches Ministerium für Außwärtige Angelegenheiten

Weitere Informationen (auf französisch) : Institut de Recherche en Hématologie et Transplantation

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