Fotoausstellung „Ein Kind entsteht“ von Lennart Nilsson im CRTD

Mit seiner Fotoserie „Ein Kind entsteht“ hat Lennart Nilsson eine einmalige optische Reise zum Beginn des menschlichen Lebens geschaffen. Auf dem Gebiet der medizinischen Forschung und Wissenschaftsfotografie ist der schwedische Fotograf Nilsson ein Pionier: Es war ihm gelungen, die Entwicklung des menschlichen Embryos im Mutterleib zu dokumentieren – mit den damals modernsten optischen Technologien. Kleinste Details – millionenfach vergrößert – machen die eigentlich alltägliche zugleich zu einer fantastischen Entwicklung eines Kindes aus zwei Eizellen.
Die befruchtete Eizelle ist das Symbol par excellence für die Regeneration. Stammzellen teilen sich, vermehren sich, differenzieren sich aus zu ganz spezifischen Zellen – menschliches Leben in all seiner Einzigartigkeit entsteht. Lennart Nilssons Bilder sind wissenschaftliche Dokumente. Mithilfe von Hochtechnologie wird das Mysterium des beginnenden Lebens sichtbar gemacht. Lennart Nilssons Bilder sind Kunstwerke. Der 90-jährige Schwede, der seit über 40 Jahren solche Innenansichten aus dem menschlichen Körper fotografiert, prägte das Körperbild eines Jahrhunderts.
„Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Das gilt auch für die Biologie und Medizin“, sagt Prof. Michael Brand, Direktor des CRTD. In den Genen des Embryos ist der Moment der Vergänglichkeit, der Degeneration bereits angelegt. So sterben zum Beispiel Gehirnzellen bei Demenzerkrankungen ab. Tiere die mit außergewöhnlichem Regenerationsvermögen ausgestattet sind, wie der mexikanische Schwanzlurch Axolotl oder der Zebrafisch, dienen Grundlagenforschern daher als Modellorganismen, um Prozesse auf zellulärem und molekularem Niveau zu verstehen und daraus möglichst Prinzipien für neue, regenerative Therapien abzuleiten. „Genau daran forschen die Wissenschaftler im CRTD“, so Prof. Brand.
Das Begleitprogramm des CRTD zur Ausstellung lädt dazu ein, Wissenschaft und unbekannte Welten, Kunst und Wissenschaftsfotografie zu erkunden, denn Nilssons einzigartige Fotografien werfen Fragen auf: Wie entwickelt sich eine Zelle? Was macht den Sinn des Lebens aus? Mit welcher Technik sind Nilsson diese Aufnahmen überhaupt gelungen?

Die Fotoausstellung „Ein Kind entsteht“ von Lennart Nilsson wird gezeigt
vom 10. September bis 30. November 2012
Montag bis Freitag, 8.00 bis 18.00 Uhr
im
DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden
Fetscherstraße 105
01307 Dresden

Das Begleitprogramm findet im CRTD jeweils ab 19 Uhr statt.
Mittwoch, 19.09.2012
Stefan Berg, Spiegel-Autor
Lesung: Zitterpartie: Diagnose Morbus Parkinson – Reise in das Innenleben
„Die Diagnose, die ihm die Ärzte präsentieren, ist eindeutig: Morbus Parkinson. Nun zittert nicht nur die Hand, jetzt verschwinden auch die Gedanken und Erinnerungen“, so steht es auf der Rückseite des Buches „Zitterpartie“ von Stefan Berg. 2008 bekam der Spiegel-Autor und Familienvater diese erschütternde Diagnose. In seinem Buch beschreibt er mit klaren Worten, was „unheilbar“ bedeutet, was es heißt, wenn ein Begriff, der immer nach irgendwann klang, zum „heute“ wird.
Berg ist nicht mehr Herr der Lage, sein Körper folgt einer eigenen Dynamik. Mit einem ihm eigenen Humor beschreibt er seine Gedanken und Erlebnisse nach der Diagnose.

Donnerstag, 11.10.2012
Prof. Paul Walther, Leiter der zentralen Einrichtung Elektronenmikroskopie, Universität Ulm
Vortrag: Welten, die nie zuvor jemand gesehen hat
1965 war es eine Weltsensation, als das „Life Magazine“ Lennart Nilssons Bilder über die Entwicklung des menschlichen Embryos im Mutterleib der Öffentlichkeit zeigte. Nilsson hatte es geschafft, Unsichtbares sichtbar zu machen. Das ist der große Verdienst des schwedischen Fotografen, der mit seiner Kamera nicht nur abbildete, sondern tüftelte, experimentierte, um dem Betrachter Welten aufzutun, die Laien wie Mediziner nie zuvor gesehen haben. Er nutzte dafür die damals aktuellsten Technologien der Licht- und der Elektronenmikroskopie. Professor Paul Walther, den Lennart Nilsson einst in seinem Ulmer Institut besuchte, erläutert damals von Nilsson benutzte Methoden, präsentiert einen kleinen historischen Abriss über die Mikroskopie und zeigt die technologische Entwicklung der Elektronenmikroskopie in der modernen molekularbiologischen und medizinischen Forschung auf.

Donnerstag, 25.10.2012
Prof. Gerd Kempermann, CRTD-Forschungsgruppenleiter für Genomforschung der Regeneration und Dresdner Sprecher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Vortrag: Die Entwicklung hört nicht auf: Wie Erfahrung und Aktivität lebenslang das Gehirn verändern
Mit 25 ist der Höhepunkt erreicht und danach geht es nur noch bergab. Zumindest was geistige Leistungsfähigkeit und die Zahl unserer Nervenzellen angeht. Jedes Glas Bier zu viel, jeder Kopfball und jeder Sprung vom Beckenrand bringen Nervenzellen um. Wenn dann nicht mehr genügend Zellen da sind, bekommen wir eine Demenz. Stimmt das wirklich und ist das so einfach? Nervenzellen wachsen in der Tat nicht nach, und es schadet nicht, gut auf sie aufzupassen. Aber es gibt doch eine sehr wichtige und gerade im Hinblick auf die Demenzen interessante Ausnahme von der Regel „Keine neuen Nervenzellen im erwachsenen Gehirn!“. Ausgerechnet der Hippocampus, die Hirnregion, die für unser Langzeitgedächtnis sorgt, bildet lebenslang neue Nervenzellen. Und wer mehr erlebt und aktiver ist, hat auch mehr neue Nervenzellen in dieser Region. Könnte man das nicht vielleicht für die Prävention und Behandlung von Demenzen ausnutzen?

Mittwoch, 07.11.2012
Prof. Martin Bornhäuser, stellvertretender Direktor des CRTD und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Vortrag: Stammzellen, die revolutionären Zellen in der Medizin? Einblicke in die aktuelle Stammzellforschung und –therapie
Aus der befruchteten Eizelle entstehen embryonale Stammzellen, aus denen sich alle der über 200 verschiedenen Zelltypen des menschlichen Körpers bilden wie Muskelzellen, Hautzellen, Nervenzellen und Blutzellen. In den Genen des werdenden Lebens ist der Moment der Vergänglichkeit, der Degeneration bereits angelegt: So degenerieren und sterben Gehirnzellen bei Demenzerkrankungen. Zellen des Herzens werden durch einen Infarkt zerstört. Tiere, die mit außergewöhnlichem Regenerationsvermögen ausgestattet sind, wie der Axolotl oder der Zebrafisch, dienen Grundlagenforschern daher als Modellorganismen, um Prozesse auf zellulärem und molekularem Niveau zu verstehen und daraus möglichst Prinzipien für neue, regenerative Therapien abzuleiten.

Donnerstag, 29.11.2012
Dr. Andreas Krase, Technische Sammlungen Dresden
Vortrag: Mikrofotografie – Formwelten jenseits des Sichtbaren
Die Mikrofotografie ist wie kaum eine andere Gattung der Fotografie im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst angesiedelt. Schon um 1840 wandten Wissenschaftler das neue Abbildungsverfahren für ihre Zwecke an. Inspiriert durch den Biologen Ernst Haeckel und sein epochales Werk „Kunstformen der Natur“, wurde das mikroskopische Bild zum wichtigsten Medium einer Ästhetik, die die Vorbildfunktion der Natur für die Kunst in den Mittelpunkt rückte. Immer wieder eigneten sich auch Künstler die schwierige Abbildungstechnik an, um im Mikrokosmos zu Formentdeckungen zu gelangen. Nicht selten verbinden sich wissenschaftliches Interesse und ästhetische Faszination – so auch im Werk von Lennart Nilsson.

Über Lennart Nilsson
geb. 1922
Schon immer bewegte sich Lennart Nilsson mit seinen Bildern in Grenzbereichen der Fotografie. Seine internationale Bedeutung für die wissenschaftliche Fotografie ist unbestritten. Für seine Arbeit ist Lennart Nilsson mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden, darunter mit dem Hasselblad-Preis 1980 sowie mehrfach mit dem Emmy-Preis für seine Filme. Zudem ist Lennart Nilsson heute Ehrendoktor der Technischen Universität Braunschweig, des Karolinska Institutet in Stockholm und der Universität Linköping. Die Neuproduktion seiner weltberühmten Fotoserie „Ein Kind entsteht“ nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise zum Beginn des menschlichen Lebens.

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