Forschungsvorhaben soll Beteiligung älterer Patienten an klinischen Studien verbessern

Das Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität erhält eine Förderung in Höhe von 500.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe. Im Rahmen eines Forschungsprojektes sollen Kriterien für die Verbesserung der Aussagekraft von klinischen Studien – und damit der späteren klinischen Anwendung – durch den Einschluss älterer Patienten erarbeitet werden. Damit, so dessen Geschäftsführer Dr. Jörg Steighardt, sei es erstmals gelungen, Mittel dieser Größenordnung in ein vom KKS initiiertes Projekt einzuwerben.

Ältere Patienten weisen im Vergleich zu jüngeren Patienten häufiger Begleiterkrankungen auf und erfüllen dadurch in Deutschland oft nicht die eng gefassten Einschlusskriterien für klinische Studien. Deshalb entspricht die Altersverteilung der Patienten in klinischen Prüfungen häufig nicht der Altersverteilung von Tumorpatienten in der medizinischen Versorgung. Somit lassen sich die in klinischen Studien gewonnenen Erkenntnisse nicht oder nur eingeschränkt auf ältere Patienten übertragen. „Ziel ist es, Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen ältere Patienten verstärkt in klinische Studien eingeschlossen werden können“, sagt Dr. Annette Krummenerl, die das Forschungsprojekt am KKS koordiniert.

Das Projekt trägt den Titel: „Entscheidungsfindung zur Teilnahme älterer Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom an klinischen Studien -Prätherapeutisches und Postoperatives geriatrisches Assessment, Studienmotivation bei Prüfärzten und Patienten“. Der Kurztitel lautet “AMOTE – Assessment and MOTivation of the Elderly”. Dabei kooperiert das KKS Halle mit dem Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät (Prof. Dr. Haerting), der bundesweiten Arbeitsgruppe „Geriatrische Onkologie“ innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO, PD Dr. Wedding) und der Studienleitung der PETACC-6-Studie (Prof. Dr. Schmoll, Klinik für Innere Medizin IV, Martin-Luther-Universität).

Es handelt sich um ein aus zwei Teilen bestehendes Begleitforschungsprojekt zur PETACC-6-Studie zum lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom. Einerseits geht es um die Beurteilung des Einflusses der Begleitfaktoren und -erkrankungen auf die Therapie und damit letztlich auf das Überleben von Patienten über 70 Jahren mit fortgeschrittenem Rektumkarzinom. Dabei sollen sowohl die Daten von Patienten im Rahmen der PETACC-6-Studie als auch von Patienten ohne Studienteilnahme analysiert werden.

Zum anderen soll mittels Telefon- und Onlinebefragungen unter dem Prüfpersonal (welches die PETACC-6-Studie durchführt) und den Patienten geklärt werden, welche Gründe gegen den Einschluss von älteren Patienten in klinische Studien vorgebracht werden beziehungsweise welche Ursachen zum Abbruch der Studienteilnahme führen. Die Daten werden altersbezogen erfasst und miteinander verglichen, um Erkenntnisse für die Planung zukünftiger Studien zu gewinnen.

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