Forschungsprojekt SUNEX: Neue Lösungen für die zukünftige Versorgung von Metropolregione

In den Städten der Zukunft wird es „voll“. Knapp 70 Prozent der Weltbevölkerung
lebt 2050 in urbanen Gebieten, so der UN-Bericht zur Urbanisierung 2018. Heute
sind es bereits mehr als die Hälfte. Eine stabile Versorgung der wachsenden Städte
mit Nahrung, Energie und Wasser ist von zentraler Bedeutung, denn schon kurze
Engpässe oder gar Ausfälle können in urbanen Zentren gravierende Folgen haben.
Forscherinnen und Forscher gehen im Projekt SUNEX auf die Suche nach dem
„Versorgungsnexus“ der Zukunft. „Gemeint sind hierbei weniger gänzlich neue
Wege zur Erzeugung, Produktion, zum Transport oder der Bereitstellung von
Ressourcen. Vielmehr wollen wir die drei Versorgungssysteme für Nahrung, Wasser
und Energie in ihren Wechselwirkungen betrachten“, so Dr. Ingo Zasada,
Projektkoordinator am ZALF. „Durch die weitestgehend getrennte Organisation der
einzelnen Systeme werden Synergieeffekte bislang nur unzureichend erkannt und
zur Ressourceneinsparung genutzt“, erklärt der Forscher. „Verändert sich ein
Versorgungssystem, hat das direkten Einfluss auf die anderen.“
Die vier Pilotregionen Berlin, Wien, Bristol und Doha unterscheiden sich sowohl in
der geografischen Lage als auch in ihren spezifischen, regionalen
Herausforderungen stark voneinander. In Berlin und Wien liegt der Fokus auf einer
stärkeren Versorgung mit regionalen Lebensmitteln. Die Forschenden interessieren
sich insbesondere für die Wechselwirkungen zwischen den Versorgungssystemen.
Während durch eine verstärkt regionale Ernährung beispielsweise Energie durch kürzere Transportwege eingespart werden kann, steigt möglicherweise der
Wasserverbrauch an. Gleichzeitig sind Konsumenten regionaler Produkte oftmals
zugänglicher für Nachhaltigkeitsaspekte in der landwirtschaftlichen Erzeugung.
Im britischen Bristol wiederum ist das Wasserversorgungssystem überlastet. Es soll
besser organisiert und zunehmend mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt
werden. Ganz anders gestaltet sich die Lage in der Küstenmetropole Doha, Katar.
Hier versorgen große Meerwasserentsalzungsanlagen sowohl die Menschen als
auch die Gewächshauskolonien vor der Stadt mit Trinkwasser. Der energieintensive
Betrieb der Anlagen ist bislang aufgrund des Reichtums an Erdgas im Land
finanzierbar, doch längerfristig werden Fragen nach Energie- und Wassereffizienz
für die Stadt überlebenswichtig.
Wenn es später an die Umsetzung der neuen Ideen und Konzepte geht, benötigen
die Akteure vor Ort belegbare Zahlen und Fakten. Um Einsparpotentiale nah am
zukünftigen Verbrauch offenlegen zu können, wird für die vier Pilotregionen daher
das, was in den nächsten Jahrzehnten auf den Tisch, aus dem Wasserhahn und aus
der Steckdose kommen muss, mithilfe von Computersimulationen und -modellen
so exakt wie möglich vorausberechnet.
Das Projekt SUNEX arbeitet disziplinübergreifend und mit engem Bezug zur Praxis,
was sich auch in der Zusammensetzung des Konsortiums wiederspiegelt: Neben
Forschungseinrichtungen beteiligen sich ein Wasserversorgungsbetrieb,
Ministerien und ein Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley. Ein erstes
Treffen aller Partner fand beim Kick-Off Meeting am 4. und 5. Juli 2018 in Wien
statt.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Ingo Zasada

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.

Programmbereich 3 „Synthese der
Landschaftsforschung“

E-Mail: ingo.zasada@zalf.de

Originalpublikation:
http://www.zalf.de/de/aktuelles/Seiten/Pressemitteilungen/PM_20170808_Sunex_KickOff.aspx

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