Forschung zu Protein-Aggregation im Gehirn ausgezeichnet

Viele der heute verbreitetsten Volkskrankheiten, wie die Alzheimersche Demenz, die Parkinson-Krankheit oder Diabetes mellitus Typ 2 werden durch Verklumpungen (Aggregation) von Proteinen im Körper ausgelöst. Die Ei-weißmoleküle lagern sich dabei zusammen, statt ihre physiologische Funktion auszuführen. Sie bilden so unlösliche faserartige Ablagerungen im Gewebe, sogenannte Fibrillen. Um den molekularen Ursachen dieser Prozesse auf die Spur zu kommen, werden hochgenaue Verfahren benötigt, die die dabei wirkenden Kräfte auf extrem kleinen Skalen messen.

Für diesen Zweck entwickelt und nutzt Jun.-Prof. Dr. Alexander Büll vom Institut für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität neuartige Biosensor-basierte Methoden und sogenannte Mikrofluidik-Systeme. Dabei wird das Verhalten kleinster Mengen in Flüssigkeit gelösten Proteins auf Mikrochips unter verschiedenen Bedingungen beobachtet. Die Verfahren erlangen eine Genauigkeit, die noch bis vor kurzem unerreichbar war. Sie liefern wichtige Informationen über die Vorgänge, die die Aggregation steuern.

„Die Kenntnis solcher Mechanismen kann sowohl für die Biomedizin als auch biotechnologische Anwendungen fruchtbar werden“, sagt Alexander Büll. Denn nicht in jedem Fall ist die Aggregation mit einem Krankheitsgeschehen verbunden. So gibt es in der Natur, etwa bei bestimmten Bakterien und Pilzen, auch Beispiele für sogenannte funktionale Fibrillen aus aggregiertem Protein mit bemerkenswerten mechanischen Eigenschaften. Wenn es gelänge, den Selbstaufbau solcher organischer Molekülverbände zu verstehen und zu kontrollieren, können so Materialien mit neuen Eigenschaften hergestellt werden.

Mit der Verleihung des Early Career Research Award 2017 der Biochemical Society an Alexander Büll wird ein besonderes Forschungsfeld ausgezeichnet: die Frage nach den physikalisch-chemischen Prinzipien, die hinter dem Phänomen der biologischen Selbstorganisation stecken. Diese können viel zum Verständnis und der Therapie von Krankheiten beitragen, haben aber auch Einfluss auf materialwissenschaftliche und biotechnologische Anwendungen.

Zur Person
Alexander Büll wurde 1982 in Stuttgart geboren. Er studierte Chemie in Tübingen und Paris und promovierte anschließend in Cambridge über die molekularen Mechanismen der Proteinaggregation. Er erhielt diverse Förderungen, darunter Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes und des Verbandes der Chemischen Industrie sowie nach seiner Promotionszeit das Thomas-Nevile-Fellowship des Magdalene College und ein Fellowship des Leverhulme Trust, die er beide am Chemiedepartment der Universität Cambridge innehatte. Im Oktober 2015 wurde er von Cambridge aus auf eine Juniorprofessur am Institut für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berufen. Anfang 2016 erhielt er für ein Forschungsvorhaben zu den molekularen Grundlagen der Parkinson-Krankheit einen Forschungs-Grant der amerikanischen Parkinson’s & Movement Dis-order Foundation.

Biochemical Society
Die 1911 gegründete Biochemical Society ist mit weltweit über 7000 Mitgliedern die größte wissenschaftliche Fachgesellschaft in Bereich der Biowissenschaften. Mit den Early Career Research Awards ehrt die Gesellschaft jährlich herausragende junge Forscher in wechselnden Fachgebieten. Zur Auszeichnung gehören ein Preisgeld von 1000 Pfund und eine Ehrenmedaille, die während einer der Konferenzen der Gesellschaft übergeben wird. Dabei stellen die Preisträger in sogenannten „Medal Lectures“ ihre Forschung vor.

Kontakt
Jun.-Prof. Dr. Alexander Büll
Institut für Physikalische Biologie
E-Mail: alexander.buell@uni-duesseldorf.de
Homepage der Arbeitsgruppe: http://www.ipb.hhu.de/unsere-teams/arbeitsgruppen/arbeitsgruppe-buell.html

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