Forschung für schnelleren Einsatz von Onlineprogrammen bei psychischen Erkrankungen

Leipzig, 21. September 2017 – Die European Alliance Against Depression e.V. (EAAD) startet gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe das ImpleMentAll-Forschungsprojekt zum schnelleren und wirksameren Einsatz von internetbasierten Gesundheitsprogrammen z.B. bei Depression. Bisher halten viele solcher Programme gar nicht oder nur langsam Einzug in die Praxis. Es wird geschätzt (Westfal et al., 2007), dass nur ca. 14 Prozent aller neuen Entwicklungen im Gesundheitsbereich in der Routineversorgung ankommen – und das im Schnitt erst nach 17 Jahren. Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit, in dem aufgrund der angespannten Versorgungslage großer Bedarf für gute und schnell verfügbare Angebote besteht, bietet sich ein großer Spielraum für Verbesserungen. Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, dazu: „Depressionen und andere psychische Erkrankungen werden inzwischen zum Glück häufiger erkannt als früher, und immer mehr Menschen suchen sich Hilfe. Die Zahl der Fachärzte und Psychotherapeuten wurde jedoch nicht an die veränderten Patientenströme angepasst, sodass sich zunehmende Versorgungsengpässe mit langen Wartezeiten ergeben. Deshalb ist die Stärkung der digitalen Selbsthilfe deutschlandweit und auch international eine wichtige Ergänzung im Versorgungsangebot“.

Implementierung von internetbasierten Gesundheitsprogrammen erleichtern

„ImpleMentAll“ will Hemm- und Förderfaktoren für die Umsetzung (=Implementierung) von internetbasierten Gesundheitsprogrammen auf gesetzlicher, organisatorischer und politischer Ebene identifizieren. Die Ergebnisse sollen in Zukunft als wirksam erwiesene Angebote und Interventionen schneller dorthin bringen, wo sie gebraucht werden: zu den Betroffenen und Patienten. Bis 2020 soll eine Art „Werkzeugkiste“ entstehen, die frei zugänglich ist und von verschiedenen Organisationen genutzt werden kann, um neue Angebote erfolgreich in die Breite zu bringen.
An dem Forschungsvorhaben sind Organisationen in zehn Ländern beteiligt, die sich für Online-Programme als Unterstützung bei psychischen Erkrankungen einsetzen. Das 2017 gestartete Projekt hat eine Laufzeit von 4 Jahren.

iFightDepression® zeigt Menschen mit leichten Depressionen Hilfen für den Alltag

In Deutschland nimmt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Rahmen von „ImpleMentAll“ die Verbreitung des iFightDepression®-Tools (iFD) unter die Lupe. iFightDepression® ist ein internetbasiertes Selbstmanagement-Programm. Das Programm hilft Betroffenen mit leichteren Depressionsformen ihre Erkrankung besser zu verstehen und zeigt Übungen für den Alltag, um Gedanken oder Verhaltensweisen zu verändern. So lernen sie zum Beispiel den Schlaf zu regulieren, negative Gedankenkreise zu durchbrechen oder positive Aktivitäten zu planen. iFightDepression® wird über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe speziell geschulten Ärzten und Therapeuten für ihre Patienten kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Auch ein italienisches Forscherteam arbeitet im Rahmen des Projekts mit dem iFD-Tool. In Albanien und im Kosovo werden in Kooperation mit dem EAAD zunächst neue Sprachversionen des iFightDepression®-Tools erstellt, welche dann im Rahmen des Projektes und darüber hinaus genutzt werden können, um die Versorgung depressiv Erkrankter zu verbessern.

Pressekontakt:

Heike Friedewald, M.A.
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Pressereferentin
Tel.: +49 341 97 24 51 2
E-Mail: presse@deutsche-depressionshilfe.de

Juliane Hug, M. Sc. Psychology
European Alliance Against Depression e.V.
Projektkoordinatorin
Tel.: +49 341 97 24 56 5
E-Mail: contact@eaad.net

Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Ziel der 2008 gegründeten Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist es, einen wesentlichen Beitrag zur besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen und zur Reduktion der Zahl der Suizide in Deutschland zu leisten. Vorstandsvorsitzender und Initiator ist Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet die Stiftung Betroffenen und Angehörigen vielfältige Informations- und Hilfsangebote wie das Diskussionsforum Depression und das deutschlandweite Info-Telefon Depression (0800 33 44 5 33). Unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe koordiniert das Deutsche Bündnis gegen Depression zahlreiche lokale Maßnahmen: In über 80 Städten und Kommunen haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die Erkrankung leisten. Seit 2014 kooperiert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH beim Aufbau des Forschungszentrums Depression und weiteren versorgungsnahen Projekten wie beim Anschub der Verbreitung von iFightDepression in Deutschland. www.deutsche-depressionshilfe.de

Über das Europäische Bündnis gegen Depression (European Alliance Against Depression e.V.)

Das 4-Ebenen Interventions-Konzept des Deutschen Bündnisses gegen Depression stieß 2004 auf internationales Interesse und wurde mit Unterstützung der Europäischen Union von mehreren europäischen Experten für verschiedene Länder angepasst. Seit 2008 besteht die European Alliance Against Depression e.V. (EAAD) als eigenständige gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, weitere Länder beim Aufbau von Bündnissen gegen Depression zu unterstützen und damit zur besseren Versorgung depressiv Erkrankter und Prävention suizidalen Verhaltens beizutragen. Mittlerweile sind weltweit über 20 Partner im EAAD beteiligt – in Deutschland die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gemeinsam mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression.
Weiterhin sorgt der Verein für die internationale Verbreitung und Anpassung des iFightDepression® Selbstmanagement-Tools für Patienten mit leichteren Depressionen und zugehöriger, mehrsprachiger Informationswebsite. www.eaad.net & www.ifightdepression.com

Dieses Projekt wird durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des “Horizont 2020” Forschungs- und Innovationsprogramms unter dem Förderkennzeichen 733025 gefördert. Dieser Inhalt spiegelt einzig die Ansicht des Autoren wieder und die Europäische Kommission ist nicht für die Nutzung, welches von aufgeführten Informationen ausgehen könnte, verantwortlich.

Scroll to Top