Forschung für die Praxis an Hessens Fachhochschulen ausgezeichnet

Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis ging in diesem Jahr an Professoren der Hochschule RheinMain und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Den ersten Preis (12.500 Euro) erhielt Prof. Dr.-Ing. Leander Bathon (Hochschule RheinMain) für das Projekt „TimberTower – Türme aus Holz für Windkraftanlagen“. Die beiden zweiten Preise (jeweils 8.750 Euro) gingen an Prof. Dr. phil. nat. Wolfgang Kleinekofort (Hochschule RheinMain), der für die Entwicklung eines mikrofunktionalen Bioimplantats zur Erfassung der Vitalität von Zellen ausgezeichnet wurde, und Prof. Dr.-Ing. Alexander Klös (Technische Hochschule Mittelhessen). Professor Klös erhielt die Auszeichnung für die Simulation und Modellierung von Nanostrukturelementen der Elektronik.
Der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, hob in seinem Grußwort hervor: „Forschung für die Praxis ist ein Markenzeichen der hessischen Fachhochschulen. Der intensive Wissens- und Technologietransfer zwischen den Hochschulen und Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle, um im nationalen und internationalen Wettbewerb zu bestehen. Ich gratuliere den Preisträgern: Sie stehen mit ihren exzellenten Arbeiten genau für diese praxisnahe, innovative und zukunftsweisende Forschung an den Fachhochschulen des Landes.“ Jung wies auch darauf hin, dass das Land für die 2008 gestartete Kampagne „Forschung für die Praxis“ bis 2015 insgesamt 3,75 Millionen Euro bereitstelle.
„Die in diesem Jahr ausgezeichneten Projekte stellen wissenschaftlich anspruchsvolle Problemlösungen für die Praxis dar. Damit sind sie faszinierende Facetten einer sich ständig weiter entwickelnden Forschungslandschaft an den Fachhochschulen. Mit den Preisen prämieren wir herausragende Köpfe und Leistungen als Beispiele für ähnliche Forschungsleistungen an Hessens Fachhochschulen. Und die Preisverleihung lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit darauf – eine gute Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung“, so Prof. Dr. Detlev Reymann, Vorsitzender der Konferenz hessischer Fachhochschulpräsidien und Präsident der Hochschule RheinMain anlässlich der feierlichen Preisverleihung.

Die Preisträger und ihre Projekte:
1. Preis (12.500 Euro): Prof. Dr.-Ing. Leander Bathon (Hochschule RheinMain), TimberTower – Türme aus Holz für Windkraftanlagen
Beim Bau von Windkraftanlagen spielt Holz noch keine Rolle. Die Türme bestehen meistens aus Stahl. Im Projekt entwickelte Prof. Dr.-Ing. Leander Bathon zusammen mit Partnern für die Firma TimberTower GmbH eine innovative Lösung, um den natürlichen und nachwachsenden Werkstoff Holz für den Bau eines Turmes einzusetzen. Gegenüber Stahl bietet Holz als Baustoff für Windkraftanlagen klare Vorteile bei Transport, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Die Herausforderung beim Turmbau mit Holz ist jedoch die Verbindung der einzelnen Brettsperrholzelemente. Die Elemente müssen so effizient verbunden werden, dass sie den statischen und ermüdungsrelevanten Beanspruchungen während der Nutzung standhalten. Herkömmliche Ansätze lösen diese Herausforderung nicht zufriedenstellend. Professor Bathon entwickelte daher eine Technologie, bei der die einzelnen Brettsperrholzelemente in den horizontalen Stoßfugen über Lochbleche aus Stahl verbunden werden. Die Lochbleche werden dabei in die zu verbindenden Brettsperrholzelemente eingeklebt. Es zeigte sich hierbei, dass das entwickelte Verbindungskonzept den Anforderungen im „TimberTower“ in vollem Maße genügt. Darüber hinaus leitete Professor Bathon aus diesen Erkenntnissen einen Berechnungs- und Dimensionierungsansatz für die entwickelte Brettsperrholz-Lochblech-Klebeverbindung ab und entwickelte ein praktisches Produktionsverfahren für seine innovative Klebeverbindung.
Prof. Dr.-Ing. Leander Bathon
Hochschule RheinMain
Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen
Institut für Baustoffe und Konstruktion
Labor für Holzbau
Kurt-Schumacher-Ring 18
65197 Wiesbaden
Tel.: 0611 9495-1518
Mobil: 0171 2756103
E-Mail: leander.bathon@hs-rm.de

2. Preis (8.750 Euro): Prof. Dr. phil. nat. Wolfgang Kleinekofort (Hochschule RheinMain), Mikrofunktionales Bioimplantat zur Erfassung der Vitalität von Zellen
Implantate im menschlichen Körper sind immer mit dem Risiko von Komplikationen verbunden. Der Grund: Alle aktuell in der Medizin und Pharmazie verwendeten implantierten Systeme stehen in direktem Kontakt mit lebendem Gewebe oder Blut. Als Fremdkörper verursachen sie im Organismus des Empfängers Abstoßungsreaktionen. Bei schwereren Komplikationen kann eine erneute Operation oder der Verlust der Funktionalität des Implantats die Folge sein. Ein bisher ungelöstes Problem stellt die kontinuierliche Überwachung der Vitalitätsparameter der so erzeugten Bioimplantate dar. Die Haltbarkeit des Implantats im Organismus des Empfängers kann somit derzeit noch nicht prognostiziert werden. Prof. Dr. phil. nat. Wolfgang Kleinekofort entwickelte im prämierten Projekt einen neuartigen Mikrochip, der die Vitalität von lebenden Zellen über die stoffwechselbedingte Wärmeproduktion eines Zellverbundes auf der Chipoberfläche erfasst. Die Zellseite des Chips kann vor dem Aufbringen der Zellen mit nahezu jeder beliebigen Testoberfläche beschichtet werden. Hierdurch können Langzeitbeobachtungen von neuartigen Implantat-Oberflächen außerhalb des Körpers vorgenommen werden und ungeeignete Oberflächen ohne den Einsatz von Versuchstieren erkannt werden.
Prof. Dr. phil. nat. Wolfgang Kleinekofort
Hochschule RheinMain
Fachbereich Ingenieurwissenschaften
Am Brückweg 26
65428 Rüsselsheim
Tel.: 06142 898-4513
E-Mail: wolfgang.kleinekofort@hs-rm.de

2. Preis (8.750 Euro): Prof. Dr.-Ing. Alexander Klös (Technische Hochschule Mittelhessen), Simulation und Modellierung von Nanostrukturbauelementen der Elektronik
Hochintegrierte Schaltkreise der Mikroelektronik sind ein zentraler Teil technischer Innovationen. Diese Technologien erlauben mehrere Milliarden Schaltelemente pro Chip mit Größen im Nanometerbereich. Die Herstellung ist jedoch sehr teuer. Zumal im Nanobereich ganz eigene physikalische Bedingungen herrschen. Vor der Produktion sind daher umfangreiche Simulationen unter Verwendung numerisch effizienter mathematischer Modelle der integrierten Transistoren notwendig. Prof. Dr.-Ing. Alexander Klös vom Kompetenzzentrum Nanotechnik und Photonik der Technischen Hochschule Mittelhessen liefert mit seiner Forschung wertvolle Beiträge zur Modellbildung dieser neuen Nanostrukturbauelemente. Im prämierten Projekt entwickelte Professor Klös mehrdimensionale Simulationsmodelle, welche auch Quanteneffekte berücksichtigen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt war Startpunkt für den Aufbau der Arbeitsgruppe „Nanoelektronik/Bauelementmodellierung“. Mit zahlreichen nachfolgenden Drittmittelprojekten in Kooperation mit Hochschulen in Europa hat Professor Klös das Forschungsgebiet nachhaltig an der Technischen Hochschule Mittelhessen etabliert.
Prof. Dr.-Ing. Alexander Klös
Technische Hochschule Mittelhessen
Fachbereich Elektro- und Informationstechnik
Kompetenzzentrum Nanotechnik und Photonik
Wiesenstraße 14
35390 Gießen
Tel.: 0641 309-1926
E-Mail: alexander.kloes@ei.thm.de

Die Kampagne „Forschung für die Praxis“
Der Forschungspreis ist Teil der Kampagne „Forschung für die Praxis“ der Fachhochschulen in Hessen, die seit 2008 bis 2015 mit 3,75 Millionen Euro vom HMWK gefördert wird. Schirmherrin ist die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann. Mit der Kampagne stärken die Hochschulen Darmstadt, Fulda und RheinMain, die Technische Hochschule Mittelhessen und die Fachhochschule Frankfurt am Main gemeinsam ihr Profil als praxisnahe Partner für praxisnahe Forschung, Entwicklung und Transfer.

Ansprechpartner
Tobias Paul Semmet
Projektbüro „Forschung für die Praxis“
Abteilung Forschung Weiterbildung Transfer
Fachhochschule Frankfurt am Main
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
Tel.: 069 1533-3193
E-Mail: semmet@fwbt.fh-frankfurt.de

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