Forschung an Herzmuskelzellen und „Islamic Banking“: Gottlob-Schumann-Preise verliehen

Mit dem Gottlob Schumann-Preis 2010 wurden die Absolventin des Studiengangs Biotechnologie, Sandra George (27), und die Absolventin des Studiengangs Betriebswirtschaftslehre, Anja Carola Schulze (25), geehrt. Übergeben wurde der jeweils mit 500 Euro dotierte Preis durch den Vizepräsidenten für Forschung der Hochschule Lausitz, Prof. Dr. Ralph Schacht, im Rahmen der Festveranstaltung anlässlich der 10. Wissenschaftstage der Hochschule am 24. November in Senftenberg.

Forschung an Herzmuskelzellen

Der Vizepräsident für Forschung übergab den Gottlob-Schumann-Preis in der Kategorie Natur- und Ingenieurwissenschaften an Sandra George für ihre Master Thesis mit dem Titel „Generation of an in vitro system for proliferating human cardiomyocytes“. Sinngemäß in die deutsche Sprache übersetzt, bedeutet dies: „Erarbeitung eines in vitro Systems (System im Labor) zur Erzeugung von sich teilenden menschlichen Herzmuskelzellen“. Die experimentelle Masterarbeit sowie die schriftliche Ausführung wurden mit 1,0 bewertet. Betreuer der Arbeit waren Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper und Prof. Dr. Ursula Anderer aus dem Studiengang Biotechnologie der Hochschule Lausitz.

„Die herausragende Leistung ihrer Arbeit besteht zum einen darin, dass es Frau George gelungen ist, Herzmuskelzellen aus menschlichem Gewebe zu isolieren und im Labor in Kultur zu nehmen. Wichtig dabei war es, eine reine Kultur nur aus Herzmuskelzellen zu erhalten und alle übrigen Bestandteile des Herzgewebes abzutrennen, ohne die Vitalität der Herzmuskelzellen zu beeinträchtigen“, erklärte der Vizepräsident für Forschung der Hochschule Lausitz, Prof. Dr. Ralph Schacht.
„Zum anderen ist es Frau George gelungen, die Herzmuskelzellen in Kultur so zu beeinflussen, dass diese sich teilen (= proliferieren). Normalerweise teilen sich voll ausgereifte Herzmuskelzellen nicht mehr, weder in ihrer „normalen“ Umgebung, dem Herzen, noch nach der Isolation in einer Kulturschale im Labor.“

Um jedoch neue Medikamente testen zu können, würden sehr viele Herzmuskelzellen benötigt, die möglichst immer gleiche Eigenschaften haben sollten und somit aus einer kleinen Biopsie (=Gewebeprobe) eines Patienten isoliert werden müssten. Diese pharmakologischen Tests seien nicht nur für Medikamente notwendig, die bei Herzerkrankungen eingesetzt werden. Auch Medikamente zur Therapie anderer Erkrankungen könnten an solchen sich immer teilenden Zellen auf potentielle Nebenwirkungen auf Herzmuskelzellen getestet werden. Auf Grund der geringen Verfügbarkeit von menschlichem Herzgewebe verwendeten verschiedene Forschungsgruppen tierische Herzmuskelzellen, deren Eigenschaften jedoch nicht vollständig mit Herzmuskelzellen des Menschen identisch seien.

In Sachen Ethik zur Verwendung von menschlichem Gewebe in der Forschung sagte Professor Schacht: „Kleine Gewebeteile vom Herzmuskel werden bei spezifischen Operationen auf Grund bestimmter Veränderungen am Herzen abgetrennt und können bei Einwilligung des Patienten für die Forschung zur Verfügung gestellt werden.“

Da die mit dem Gottlob-Schumann-Preis Ausgezeichneten erstmalig gebeten waren, eine Zusammenfassung ihrer Arbeiten zu geben, stellte Sandra George ihre herausragende Leistung im Rahmen einer Präsentation vor. Nach Ihrem Bachelor-Abschluss der Biotechnologie an der Hochschule Lausitz in Senftenberg hatte die aus Berlin Stammende das Masterstudium an der HL dem Angebot einer namhaften Universität in den USA vorgezogen. Heute arbeitet sie an der Hochschule Lausitz in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper an ihrer Dissertation.

„Islamic Banking“

In der Kategorie Betriebswirtschaftslehre, Architektur, Musikpädagogik und Sozialwissenschaften wurde entschieden, Anja Carola Schulze für ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Islamic Banking – Grundkonzeptionen sowie vergleichende Analysen unter Einbezug eines internationalen Bankmanagements“ auszuzeichnen. Die Diplomarbeit wurde mit 1,0 bewertet. Betreuer der Arbeit waren Prof. Dr. Jürgen Gabriel und Prof. Dr. Kay Hempel aus dem Studiengang Betriebswirtschaftslehre der Hochschule Lausitz.

Der Vizepräsident für Forschung der Hochschule Lausitz, Prof. Dr. Ralph Schacht, sagte in seiner Laudatio: „Die herausragende Leistung dieser Arbeit besteht zum einen darin, dass es Frau Schulze gelungen ist, das klassische Fachwissen im Bereich der Bankenlehre mit Erkenntnissen der Relevanz von Kultur für ökonomischen Erfolg zu kombinieren.“ Die Preisträgerin Anja Carola Schulze habe sich intensiv mit dem islamischen Rechtssystem und der muslimischen Kultur beschäftigt. In bemerkenswerter Weise sei es ihr gelungen, Empathie für die ihr fremde Kultur zu gewinnen und die Implikationen für die Begegnung der Kulturen im Bereich der internationalen Finanzsysteme herauszuarbeiten und so auch ein tieferes Verständnis für den Islam und das vom Islam geprägte Wirtschaftssystem zu fördern.

Im Bereich des Finanzwesens würde die Beschäftigung mit dem Islamic Banking und Finance aus zwei Gründen zunehmend relevant: Erstens ist der islamische Kulturkreis im In- und Ausland ein starker und rasant wachsender Markt, zweitens basieren islamkonforme Geschäfte auf ethischen Prinzipien, die verloren gegangenes Vertrauen in das Bankensystem wieder herstellen könnten. Vor dem Hintergrund der internationalen Krise der Finanzsysteme sehe sie die Möglichkeit, durch gegenseitige Anerkennung der unterschiedlichen Prinzipien wesentliche Mängel des jetzigen dominierenden westlichen Banksystems zu korrigieren.

Die Preisträgerin hat sich in bemerkenswerter Weise Kenntnisse der islamischen Kultur erarbeitet. Hierzu hat sie sich Grundkenntnisse der arabischen Sprache und Schrift erworben. Sie beschäftigte sich mit arabisch-islamischer Geschichte und nutzte Kontakte zu arabischsprachigen Kommilitonen der Hochschule Lausitz.

„Mit ihrer Diplomarbeit agiert Frau Schulze somit auch als Botschafterin zwischen den Kulturen und hilft vorhandene Vorurteile abzubauen“, erklärte der Vizepräsident.

Die aus Dresden stammende Absolventin, die am Kaufmännischen Oberstufenzentrum Cottbus die Fachhochschulreife erworben hat, steht bereits bei einer weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft im Berufsleben. Da sie aus dienstlichen Gründen zur Preisverleihung nicht anwesend sein konnte, nahm Prof. Dr. Jürgen Gabriel als Gutachter und Betreuer der Arbeit den Preis stellvertretend im Rahmen der Festveranstaltung entgegen. Professor Gabriel übernahm es auch, die Inhalte der Arbeit im Rahmen der Festveranstaltung anschaulich zu erläutern.

Acht Nominierungen

„Insgesamt gab es in diesem Jahr acht Normierungen für herausragende Abschlussarbeiten durch die Kolleginnen und Kollegen aller Fachbereiche, was die Auswahl sehr schwer machte“, erklärte der Vizepräsident für Forschung, Prof. Dr. Ralph Schacht. Seine Laudatio nutzte er auch, um den Mitgliedern der Kommission für Forschung und Entwicklung der Hochschule Lausitz zu danken, der unter anderem für die Auswahl der Preisträger, aber auch die Vorbegutachtung von Forschungsanträgen obliegt: Prof. Dr. Ursula Anderer (Fachbereich Bio, Chemie- und Verfahrenstechnik), Prof. Karl-Heinz Himmelmann (Fachbereich Sozialwesen), Prof. Dr. Torsten Jeinsch (Fachbereich Informatik/ Elektrotechnik/ Maschinenbau), Prof. Dr. Winfried Schütz (Fachbereich Architektur/ Bauingenieurwesen/ Versorgungstechnik) und Prof. Simone Schröder (Fachbereich Musikpädagogik).

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